Talanx-Finanzchef Querner im Interview : "Bei Aktien halten wir uns bewusst zurück"

Talanx ist die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht Finanzchef Querner über Lebensversicherungen und die Suche nach guten Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinsen.

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Mit Glocke. Im Oktober 2012 läutete Vorstandschef Herbert Haas zum Talanx-Börsengang. Finanzchef Querner (l.) ist sehr zufrieden mit der Entwicklung des Papiers.
Mit Glocke. Im Oktober 2012 läutete Vorstandschef Herbert Haas zum Talanx-Börsengang. Finanzchef Querner (l.) ist sehr zufrieden...Foto: dpa

Herr Querner, als Finanzvorstand eines großen Versicherers kennen Sie sich mit den Finanzmärkten aus. Was sollte jemand tun, der jetzt 10.000 Euro anlegen möchte?

Das hängt davon ab, wie lange man sein Geld anlegen möchte und welche Risiken man bereit ist einzugehen. Wenn man das Geld langfristig anlegen möchte, kann es für Privatanleger attraktiv sein, einen Teil ihres Vermögens in Aktien zu investieren. Das erhöht die Renditechancen. Außerdem gibt es für diesen Anlagebetrag so recht nicht viele Alternativen. Risikoarme Staatsanleihen bringen ja kaum etwas.

Wie haben Sie bei der Talanx Ihr Kapital angelegt?

Wir sind mit Blick auf unsere langfristigen Zinsversprechen hauptsächlich in festverzinslichen Wertpapieren investiert, aber auch in Immobilien sowie Private Equity, also Firmenbeteiligungen, und wir finanzieren Infrastrukturprojekte.

Den Börsenboom haben Sie verschlafen?

Wir haben wenig in Aktien investiert, aber das ist eine bewusste Entscheidung. Als wir vor gut zwei Jahren an die Börse gegangen sind, haben wir uns gefragt, welches Risikoprofil wir unseren Aktionären anbieten wollen. Versicherungsunternehmen haben üblicherweise zwei Risikoquellen, die sich in der Aktie niederschlagen. Die Versicherungstechnik – also etwa die Gefahr von Großschäden – und Kapitalmarktrisiken. Da es in den Portfolien unserer Aktionäre nicht an potentiellen Kapitalanlagerisiken mangelt, haben wir uns auf der Kapitalanlageseite für risikoarme Anlagen entschieden und streuen unsere Investitionen breit. Bei Aktien halten wir uns zurück.

Wie hoch ist Ihre Aktienquote?

Die Quote liegt bei etwa einem Prozent. Zusätzlich haben wir zwei bis drei Prozent in Private Equity-Fonds investiert – mit nachhaltig gutem Erfolg.

Welche Verzinsung schaffen Sie mit Ihren Anlagen?

Wir müssen den überwiegend langfristigen Verpflichtungen, die wir gegenüber unseren Kunden haben, zeitlich passgenaue Anlagen gegenüberstellen. Deshalb halten wir viele lang laufende festverzinsliche Wertpapiere. 2013 haben unsere Kapitalanlagen insgesamt vier Prozent Zinsen gebracht, das ist ein gutes Ergebnis. Bei den Neuanlagen haben wir in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres im Konzern immerhin rund drei Prozent geschafft, bei unseren Lebensversicherungstöchtern sogar 3,6 Prozent.

Rechnen Sie damit, dass die Zinsen im Euro-Raum niedrig bleiben?

Ja, alles andere ist zumindest kurz- bis mittelfristig wenig wahrscheinlich. Allerdings sehe ich das sehr kritisch. In Europa wird jetzt eine Jugend groß, die nicht gelernt hat, dass Sparen eine Tugend ist und sich lohnt, weil Sparen an sich derzeit mit einem realen Vermögensverlust einhergeht. Das ist bedenklich. Außerdem sendet die Europäische Zentralbank mit ihrer Politik des billigen Geldes auch makroökonomisch falsche Signale aus. Indem ständig neues Geld nachgeschoben wird, werden bestimmte Euro-Krisenländer aus der Haftung gelassen. Dass Risiken derzeit nicht mehr angemessen bepreist werden, ist ebenso eine große Gefahr für das Finanzsystem.

Investieren Sie noch in Staatsanleihen der Euro-Krisenländer?

Wir haben italienische und spanische Staatsanleihen gekauft, in Spanien sind darunter aber auch Schuldscheine, die nach deutschem Recht behandelt werden und die mit einem deutschen Gerichtsstand versehen sind. Die Zinsen sind gut, das Risiko ist übersichtlich. Wir haben solche Papiere in ganz kleinem Umfang übrigens auch noch aus Griechenland und damit gute Erfahrungen gemacht. Diese Titel haben die Krise unbeschadet überstanden.

Wie hoch sind Ihre Kapitalanlagen insgesamt?

Rund 100 Milliarden Euro.

Und wie viel steckt davon in den Euro-Krisenstaaten?

Knapp zwei Prozent, inklusive Irland, wobei man insbesondere bei Irland vielleicht besser von einem sogenannten Krisenland sprechen sollte.

Was ist mit Portugal?

In Portugal haben wir uns – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen – im Rahmen unserer Infrastrukturinvestitionen an einem Wasserunternehmen beteiligt.

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