Tickets auf dem Schwarzmarkt : Das Geschäft mit den Fans

Viel zu oft sind Tickets des Lieblingskonzerts ausverkauft. Nicht ohne Grund: Denn professionelle Schwarzmarkthändler erzielen mit Weiterverkäufen das Vielfache der Preise. Und immer mehr wollen von dem Handel profitieren.

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Wichtige Fußballspiele sind ein Fest für Schwarzmarkt-Händler von Tickets.
Wichtige Fußballspiele sind ein Fest für Schwarzmarkt-Händler von Tickets.Foto: Andreas Gebert/dpa

Tickets zu verkaufen! – Selbstbemalte Pappschilder mit dieser Aufschrift hat jeder schon einmal bei einem Konzert, einem Fußballspiel oder einem Festival gesehen. Man liest es im Vorbeigehen, auf dem Weg zum Eingang. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wer die Leute sind, die diese Schilder in die Höhe halten. Einfache Fans sind es in den meisten Fällen nicht, denn in ihren Taschen stecken oft Dutzende von Tickets. Ein dickes Bündel Papier, das sie sich vergolden.

7000 Euro für ein einziges Ticket

Wim Bledon ist einer von ihnen. Aber eigentlich heißt er nicht Wim Bledon – so hieß das Sportereignis, mit dem er bei einem einzigen Ticketverkauf seinen persönlichen Rekordpreis erzielt hat: Eine Karte für ein Tennismatch verkaufte er über das Internet für 7000 Euro. Das Wortspiel gefällt ihm. Als er das erzählt, klingt seine Stimme wie die eines Lösegeld-Erpressers. Nur mit Stimmenverzerrer und unterdrückter Rufnummer war Bledon zu einem Telefoninterview bereit. Nach 13 Jahren als „Reseller“, wie sich die Schwarzmarkt-Verkäufer selbst nennen, habe er Angst, mit seinem illegalen Geschäft aufzufliegen. Vielleicht hört er bald auf – nach dem nächsten großen Coup. Heute, so sagt er, läge sein Gehalt auf einer Stufe mit dem der Bundeskanzlerin. Im Tagesgeschäft verkauft er Tickets für Fußballspiele und Popkonzerte. Ein wirklich großer Coup wäre wieder bei der nächsten Fußballweltmeisterschaft möglich.
Bledon hat ein Buch über den illegalen Zweithandel geschrieben („Schwarzmarkt Tickethandel“), in dem er die gängigen Verkaufspraktiken beschreibt, aber auch ein System, das ihm zu Reichtum verholfen hat. Er beschreibt die Naivität der Kunden, die sich die Ausmaße des Geschäfts gar nicht vorstellen können. Und er schreibt über die Maßnahmen der Veranstalter, die versuchen den Schwarzmarkt einzudämmen.

"Geschäftemacherei mit Eintrittskarten wird immer attraktiver"

Immer mehr illegale Tickethändler strömen auf den Markt, denn viele wollen in das lukrative Geschäft einsteigen. Niemand weiß, wie viele es sind. „Leider ist es eine Tatsache, dass die Geschäftemacherei mit Eintrittskarten offenbar immer attraktiver wird“, sagt Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. Klar ist, dass das Internet den Einstieg vereinfacht. Auf Verkaufsplattformen wie Ebay oder Viagogo werden die Tickets angeboten, meist für ein Vielfaches des eigentlichen Preises. Das bringt die Veranstalter, Künstler und Sportvereine auf die Barrikaden. Anzeige gegen Schwarzhändler können sie aber nicht erstatten. Denn: „Strafrechtlich ist Ticketschwarzhandel nicht relevant. In England ist der Weiterverkauf von Tickets gesetzlich verboten, in Deutschland nicht“, erklärt Rechtsanwalt Ulf Haumann. Der Anwalt vertritt mit seiner Kanzlei Becker & Haumann unter anderem den 1. FC Köln im Kampf gegen die Schwarzhändler. Er mahnt die Ebay-Verkäufer auf Grundlage des Zivilrechts ab. Weil die meisten Veranstalter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ihrer Tickets den kommerziellen Weiterverkauf ausgeschlossen haben und er damit verboten ist, können bei einem Verstoß eine Vertragsstrafe und Schadensersatz fällig werden.

Erlaubt ist der private Weiterverkauf. Wenn also ein Fan vor einem Spiel krank wird, darf er sein Ticket einem anderen anbieten. Die Schwarzhändler tarnen sich, indem sie nur kleine Mengen an Tickets auf einmal im Internet anbieten. „Deshalb halten wir oft Dutzende Ebay-Accounts“, sagt Bledon.

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