Tierschutz : Ferkel-Kastration: Die große Schweinerei

Ferkel werden in Deutschland immer noch ohne Betäubung kastriert. Dabei gibt es längst Alternativen.

Thorsten Scheimann
Schmerz, lass’ nach. Junge männliche Ferkel müssen viel erdulden.
Schmerz, lass’ nach. Junge männliche Ferkel müssen viel erdulden.Foto: dapd

Berlin - Die Prozedur ist so kurz wie schmerzhaft. Nachdem das Ferkel fixiert ist, folgen zwei präzise Schnitte mit dem Skalpell im Genitalbereich. Routiniert werden die Hoden herausgedrückt und dem maximal sieben Tage alten Jungtier abgeschnitten. Es quiekt unter Schmerzen. Denn der Eingriff erfolgt ohne jegliche Betäubung. „Dieses Schicksal erleiden in Deutschland etwa 20 Millionen männliche Ferkel im Jahr“, sagte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin. Der Grund: Mit der Geschlechtsreife entwickelt ein Teil der Schweine den sogenannten Ebergeruch – und der stört die Verbraucher beim Garen des Schweinefleischs. Dass die Methode problematisch ist, sei mittlerweile auch bei der Politik und den Schweinemästern angekommen, sagt Apel.

So haben sich Hersteller, die das „Qualität- und Sicherheit-Siegel“ (QS) führen, dazu verpflichtet, den Tieren vor oder nach der Behandlung zumindest Schmerzmittel zu geben, um den nachoperativen Wundschmerz zu lindern. Den Eingriff selbst bekommen die Tiere, die ein Schmerzempfinden wie Menschen haben, trotzdem vollständig mit. Für Bio-Betriebe gilt ab 2012 ein Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung. Eine gesetzliche Regelung für die konventionelle Zucht gibt es nicht. In der „Brüsseler Deklaration“ haben sich zwar mehrere große europäische Akteure aus der Branche freiwillig verpflichtet, Schweine ab 2018 nicht mehr zu kastrieren und ab 2012 zumindest Schmerzmittel benutzen zu wollen.

Dem Tierschutzbund geht dies nicht weit genug. Er fordert das gesetzliche Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung. „Es gibt längst Alternativen“, sagt Apel. Bei der sogenannten Jungebermast werde ganz auf die Kastration verzichtet. Zudem könne man die Ferkel gegen den Ebergeruch impfen oder versuchen, ihn durch Zucht zu verdrängen. Auch die Vollnarkose werde eingesetzt. Züchter des Bio-Vereins Neuland benutzen sie seit 2008 freiwillig. Politik und Wirtschaft seien sich einig, aus der Kastration ohne Narkose aussteigen zu wollen, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Die Methoden seien aber noch nicht so weit, dass sie sofort umgesetzt werden könnten.

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