Top-Level-Domains : Warum im Pazifikatoll Tokelau die meisten Domains registriert sind

Auf den Pazifikinseln Tokelau sind mehr als 31 Millionen Homepages registriert. Für die Bewohner ist das Segen und Fluch zugleich.

Barbara Barkhausen
Schlechter Ruf. Das Internet hat den Leumund der Bewohner von Tokelau schwer beschädigt.
Schlechter Ruf. Das Internet hat den Leumund der Bewohner von Tokelau schwer beschädigt.Foto: mauritius images

Im Pazifik zwischen dem Äquator und Samoa liegt Tokelau. Auf drei Atollen leben rund 1500 Einwohner auf engstem Raum. Tokelau, die letzte Kolonie Neuseelands, schafft es selten in die Weltschlagzeilen. Schaut man aber eine Weltkarte für Domainnamen im Internet an, so kommt der kleine Inselstaat plötzlich groß raus. Eine britische Internetfirma hat eine Karte veröffentlicht, die die Länder der Erde größenmäßig mit der Anzahl der dort registrierten Internet-Domains darstellt. Dies verschiebt die geographischen Proportionen massiv. Die USA sind plötzlich verhältnismäßig klein, während Tokelau zum größten Flecken auf der Landkarte avanciert.

Tokelau nutzt bei der Stromversorgung ausschließlich Sonnenenergie

Denn mehr als 31 Millionen haben Domainnamen mit der Endung .tk registriert, fast doppelt so viele wie China (.cn) und Deutschland (.de) zusammen. Doch wie kommt es, dass ein aus drei Atollen bestehendes Land im Pazifik, das nicht einmal einen eigenen Flughafen hat und nur alle zwei Wochen per Schiff aus Samoa erreicht werden kann, so viele Domainnamen vergibt? Dass die winzigste Volkswirtschaft der Welt gewieft ist, hat sie zum Beispiel 2012 bewiesen. Seit dem Jahr versorgt sich Tokelau als erster Ort der Welt zu 100 Prozent aus Sonnenenergie. Doch um zu verstehen, wie ein Fleck auf dem Globus zum größten Land in der Welt des Internets werden konnte, muss man auf die Anfänge des Internets zurückblicken.

Mittlerweile hat fast jedes Land einen eigenen Domainnamen

Länderspezifische URLs werden bereits seit 1985 vergeben. Die ersten dieser Buchstaben-Anhängsel waren .us für die USA, .uk für Großbritannien und .il für Israel. Inzwischen haben fast alle Länder der Erde ihren eigenen Domainnamen. Allerdings gibt es im Netz auch Anomalien: So wollten sich die Amerikaner nicht an die Endung .us gewöhnen und nutzten mehr und mehr .com, das mit 123 Millionen Registrierungen weltweit die beliebteste Domain ist.

.tk-Domains sind kostenlos

Ebenso unerwartet entwickelte sich die Insel Tokelau im Südpazifik zu einer überdimensional beliebten Internetadresse. Obwohl das Eiland nur rund zehn Quadratkilometer groß ist, hat der Domainname .tk 31 Millionen Registrierungen. Denn .tk-Domains sind kostenlos. Die Registrierungsfirma Freenom, die in den Niederlanden sitzt, verdient ihr Geld über Werbeeinnahmen. Sobald Webseiten nicht mehr genutzt werden oder zu wenig Besucher haben, werden sie „geparkt“ und der bisherige Inhalt mit Werbung ersetzt. Der Gründer der Firma Freenom, Joost Zuurbier, hatte die Idee im Jahr 2000. Gratis-Emails des Unternehmens Hotmail sollen laut eines CNN-Berichts dem Niederländer als Anregung dafür gedient haben. Doch die Bewohner von Tokelau hatten zu diesem Zeitpunkt weder jemals eine Webseite gesehen noch konnten sie mit dem Begriff Top-Level-Domain“ etwas anfangen. Doch Zuurbier gelang es, die Insulaner und die Organisation ICANN von seiner Idee zu überzeugen. ICANN vergibt die Top-Level-Domains.

Die Bewohner von Tokelau haben von den Domains nicht nur profitiert

Für die Bewohner von Tokelau hat sich ihr Internet-Engagement gelohnt. Denn Freenom gibt einen Teil seiner Umsätze aus den .tk-Domainnamen zurück an die Inselbewohner. Laut einiger Medienberichte macht dies inzwischen ein Sechstel des gesamten Bruttoinlandproduktes von Tokelau aus. Allerdings hat auch die „Unterwelt“ des Internets .tk für sich entdeckt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 werden Domainnamen mit der .tk-Endung regelmäßig für Phishing und damit Betrugsfälle im Internet missbraucht. Deswegen haben das Pazifikatoll und seine Bewohner nun bei vielen einen schlechten Ruf.

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