Transatlantik-Datenkabel : Wie das Internet schneller werden soll

Facebook und Microsoft wollen ein Datenkabel von der US-Ostküste durch den Atlantik nach Spanien legen. Die Grünen fordern Schadenersatz bei zu lahmem Netz.

Lara Keilbart
Schnelle Verbindung nach Europa. Mark Zuckerberg beteiligt sich mit seinem Unternehmen Facebook an einem Transatlantikkabel.
Schnelle Verbindung nach Europa. Mark Zuckerberg beteiligt sich mit seinem Unternehmen Facebook an einem Transatlantikkabel.Foto: dpa

Berlin - 160 Terabyte Daten innerhalb einer Sekunde – das soll das neue Transatlantikkabel „Marea“ von Facebook und Microsoft künftig von den USA nach Europa übermitteln können. Vom Ostküstenstaat Virginia wird sich die Highspeedverbindung 6600 Kilometer nach Bilbao in Spanien erstrecken. Von Südeuropa sollen dann andere europäischen Länder sowie der nahe Osten angebunden werden. Microsoft verspricht den Kunden dadurch einen zuverlässigeren Service. Die beiden US-Konzerne arbeiten beim Verlegen des Kabels mit dem Telefónica-Unternehmen Telxius zusammen. Telxius wird das Kabel auch betreiben. Facebook-Manager Najam Ahmad kündigte weitere ähnliche Projekte an. Die Arbeiten zur Verlegung des Kabels sollen diesen Sommer beginnen, das Kabel soll dann im Oktober 2017 in Betrieb genommen werden.

Auch Vodafone setzt auf Highspeed und will in wenigen Monaten Geschwindigkeiten von einem Gigabyte pro Sekunde für mobile Endgeräte erreichen. Dazu setzt das Unternehmen auf die fünfte Generation des Mobilfunks (5G). Durch einen Vorentscheid der EU am Donnerstag wurde das 700-Megaherz-Band für Mobiltelefone und Datenübertragung freigegeben. Diese Frequenzen eignen sich besonders gut für einen flächendeckenden Ausbau eines mobilen Breitbandinternets, da sie eine hohe Reichweite besitzen. „Für die Weiterentwicklung von 5G sind damit wichtige Weichen gestellt“, sagt Professor Gerhard Fettweis, Inhaber des Vodafone- Lehrstuhls für mobile Nachrichtensysteme an der TU Dresden und Koordinator des 5G Lab Germany. Bisher wurde der Frequenzbereich 470 und 790 Megahertz in erster Linie für digitales Fernsehen und drahtlose Mikrofone, etwa bei Theateraufführungen oder Konzerten, genutzt. Die Frequenzen im Bereich von 694 MHz bis 790 MHz sollen ab 2020 ausschließlich für Mobilfunk genutzt werden. Rundfunkdienste sollen im Frequenzbereich unter 694 MHz mindestens bis 2030 Priorität haben. Bevor die neuen Regelungen wirksam werden, müssen sich die EU-Staaten aber noch mit dem Europaparlament einigen. Am Ende müssen beide zustimmen.

Die Grünen widmen sich dem Thema „schnelles Internet“ von der Verbraucherseite und wollen eine Mindestgeschwindigkeit für die Übertragung einführen. Internetanbieter sollen nach den Vorstellungen der Grünen künftig Bußgeld oder Schadenersatz zahlen, wenn der von ihnen angebotene Internetzugang nicht so schnell ist wie versprochen. Die Bundestagsfraktion will dazu in den nächsten Tagen einen entsprechenden Antrag in den Bundestag einbringen. Hintergrund ist eine Untersuchung der Bundesnetzagentur für das Jahr 2013, derzufolge nur knapp 16 Prozent aller Internetnutzer die versprochene Bandbreite voll ausschöpfen konnten. Gut 77 Prozent kamen demnach auf mindestens die Hälfte der in Aussicht gestellten Übertragungsgeschwindigkeit. Die Grünen fordern, dass die Internetbandbreite mindestens 90 Prozent der bei Vertragsabschluss versprochenen Maximalgeschwindigkeit betragen soll. Verträge mit den Anbietern seien häufig „Mogelpackungen“, bei denen die angegebene Maximalgeschwindigkeit durch ein kleingedrucktes „bis zu“ ergänzt werde, sagte die Grünen-Abgeordnete Tabea Rößner in der „FAZ“. „Wenn ich aber für 50 Megabit in der Sekunde zahle, will ich das auch bekommen. Wie würde wohl der Anbieter reagieren, wenn ich im Gegenzug nur ,bis zu’ 100 Prozent meiner Telefonrechnung bezahle?“, sagte Rößner. (mit AFP, dpa)

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