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Travis Kalanick : Investoren drängen umstrittenen Uber-Chef aus dem Amt

Uber-Chef Travis Kalanick hielt trotz Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung in der Firma an seinem Job fest. Jetzt platzte wichtigen Geldgebern der Kragen.

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Unter Druck geraten: Uber-Chef Travis Kalanick
Unter Druck geraten: Uber-Chef Travis KalanickFoto: Reuters/Shu Zhang

Überall legt sich Uber mit der Taxibranche an, ignoriert Proteste und Verbote, macht einfach weiter, aggressiv und rücksichtslos. Weil das Unternehmen so immer weiter wuchs und zum teuersten Start-up der Welt wurde, hatten die Investoren lange nichts gegen den umstrittenen Stil von Gründer und Chef Travis Kalanick. Bis sich die Skandale häuften, die Schlagzeilen von Sexismus und Mobbing, und Kalanick – mit einer Persönlichkeit, die seiner Firmenkultur gleicht – jetzt zurücktreten musste.

Seit dem Beginn von Uber im Jahr 2009 wurde der 40-Jährige von Insidern der Branche und Mitarbeitern als erbarmungslos und ausfallend beschrieben, als „Räuber-Baron“, der sich nicht zuletzt in Europa mit seinen teils illegalen Vorstößen in Großstädte unbeliebt machte. Ganz zu Schweigen von seiner Gleichgültigkeit gegenüber etablierten Taxiunternehmen, deren Existenz seine Dumpingpreise bedrohten. Uber wurde so zum Symbol für eine toxische Firmenkultur im Silicon Valley, wo der geringe Anteil und die Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben ein immer wiederkehrendes Thema ist. Was Kalanick letztlich zum Verhängnis wurde.

Sexismus? Ein Auge zudrücken

Sein Fall begann damit, dass die Software-Entwicklerin Susan Fowler im Frühjahr in einem Blogeintrag unter anderem beschrieb, wie sie gleich an ihrem ersten Arbeitstag ziemlich dreist von ihrem Manager über den Firmenchat angemacht wurde. Sie meldete den Vorfall mit Screenshots an die Personalabteilung – doch es passierte nichts. Der Mann sei eine wertvolle Top-Kraft, ein „high performer“, da müsse man ein Auge zudrücken, wurde ihr erklärt. Der Blogpost schlug wie eine Bombe ein, schon am nächsten Tag leitete Uber eine tiefgreifende Untersuchung unter Leitung des früheren US-Justizministers Eric Holder ein. Außerdem wurden rund 20 Mitarbeiter entlassen und Dutzende weitere in Schulungen geschickt.

Vergangene Woche wurde der 13 Seiten lange Ergebnisbericht von Holder dem Verwaltungsrat vorgelegt. Ein zentraler Punkt war, dass Kalanick einen Teil seiner Macht an andere Top-Manager abgeben müsse. Weitere Empfehlungen: ein besseres Arbeitsklima schaffen, mehr Frauen bei der Auswahl für Führungspositionen berücksichtigen, weniger Alkohol bei Firmenpartys ausschenken. Es gebe keine Toleranz mehr für „brillante Arschlöcher“, die in der Vergangenheit oft einen Freibrief bekommen haben sollen, versichert Medien-Millionärin Arianna Huffington, die im Verwaltungsrat sitzt.

Brisante Details von Firmenreisen

Im Zuge von Holders Untersuchung kam auch heraus, dass Uber nicht nur immer wieder Regeln brach, sondern sich Behörden-Kontrolleure vom Hals hielt, indem in ihre App falsche Daten eingespielt wurden. US-Staatsanwälte ermitteln deswegen. Außerdem tauchten Details von Firmenreisen auf; etwa von einem Besuch von Top-Managern in einer südkoreanischen „Karaoke-Bar“, in der man Frauen mit Nummern auf dem Kleid zu sich an den Tisch einladen konnte. Dies wurde publik, weil Kalanicks enger Vertrauter Emil Michael dessen damals anwesende Ex-Freundin anrief und dazu ermunterte, den Teil mit den nummerierten Frauen doch lieber auszulassen und zu sagen, es sei nur ein netter Karaoke-Abend gewesen.

Ein Zwischenfall bei der Vorstellung des Berichts zeigte die sexistische Kultur des Unternehmens fast schon wie in einer Parodie: Als über mehr Frauen in Führungspositionen gesprochen wurde, meinte Vorstandsmitglied David Bonderman, das führe doch nur zu „mehr Gerede“. Wenig später nannte er seine Aussage „unangemessen“ und trat zurück.

Investoren drängten ihn aus dem Amt

Kalanick hatte sich vergangene Woche zunächst nur eine unbefristete Auszeit genommen – oder wohl eher nehmen müssen. Er versprach, sich zu ändern, wollte als „Travis 2.0“ zu einem „Uber 2.0“ zurückkehren. Außerdem begründete er seinen Entschluss damit, dass er um seine Mutter trauern wolle, die bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen war. Er sah Uber als sein Lebenswerk an, klammerte sich bis zuletzt an seinen Job. Vergebens.

Denn dann schlossen sich laut der „New York Times“ fünf Investoren zusammen und verfassten einen Protestbrief, der Kalanicks Verbleib auf dem Chefposten untragbar machte. Einer davon war das Risikokapital-Unternehmen Benchmark. Kalanick akzeptierte die Rücktrittsforderungen schließlich, damit sich die Firma weiterentwickeln könne. Er wird allerdings Mitglied des Verwaltungsrats bleiben, wie das Aufsichtsgremium am Mittwoch mitteilte. Kalanick sagte: „Ich liebe Uber mehr als alles in der Welt.“ Wer ihm nachfolgt, blieb offen.

Die Firma, die er aufgebaut hat, ist jedoch bereit den ersten Post-Kalanick-Schritt gegangen: Künftig wird es in den USA die Möglichkeit geben, den Fahrpreis in der App um ein Trinkgeld aufzustocken. Kalanick hatte diese Forderung der Fahrer stets abgelehnt.

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