Treuhandstiftungen : Das Modell für Einsteiger

Treuhandstiftungen kommen ohne Anerkennung durch den Staat aus, werden nicht registriert - und erleben derzeit einen Boom. Ein Grund dafür: Sie sind einfach und flexibel.

Sabine Hölper

Die Ernst-Denert-Stiftung für Software-Engineering ist eine von vielen Stiftungen, die manchmal ein bisschen untergehen. Dabei gehört sie mit einem Kapital von 2,3 Millionen Euro zu den größeren Einrichtungen. Ihr Engagement ist im besten Sinne gemeinnützig: Die Stiftung, gegründet 1989 vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Berliner Software-Unternehmens IVU Traffic Technologies AG, Ernst Denert, fördert Wissenschaft und Forschung sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Informatik. Sie schreibt jährlich den „Software-Engineering-Preis“ aus und finanziert einen Lehrstuhl an der Technischen Universität in München. 2008 hat sie die Initiative „Informatik studieren!“ ins Leben gerufen. Und trotzdem taucht die Stiftung in keiner Statistik auf.

Der Grund: Bei der Ernst-Denert-Stiftung handelt es sich nicht um eine rechtsfähige, sondern um eine Treuhandstiftung. Treuhandstiftungen kommen ohne Anerkennung durch den Staat aus und werden deshalb auch nicht registriert. Zustande kommen sie durch einen privatwirtschaftlichen Vertrag mit einem Treuhänder, der dann auch Eigentümer der Stiftung ist. In den meisten Fällen ist dies eine gemeinnützige Einrichtung, die auf dem Gebiet tätig ist, auf dem auch die Stiftung tätig sein wird. Denerts Stiftung wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verwaltet. Sie ist eine von mehr als 400 Stiftungen unter dem Dach des Essener Verbandes. Häufig fungieren auch Kommunen, die großen Wohlfahrtsverbände oder aber Banken als Treuhänder.

Mehr noch als die rechtsfähigen Stiftungen erleben Treuhandstiftungen derzeit einen Boom. Genaue Zahlen gibt es mangels einer zentralen Datei zwar nicht. Experten berichten aber von einem signifikanten Anstieg. Insgesamt wird ihre Zahl mal auf mehrere zehntausend, mal auf hunderttausende geschätzt.

Genau wie die rechtsfähigen Stiftungen sind Treuhandstiftungen steuerbegünstigt, im Gegensatz dazu unterstehen sie aber nicht der staatlichen Stiftungsaufsicht. Ihre Gründung geht darum unbürokratischer und schneller vonstatten. Ein weiterer Vorteil: Der Treuhänder übernimmt die Verwaltung der Stiftung oder zumindest einzelne Aufgaben. „Die Errichtung ist einfach und ums laufende Geschäft muss ich mich auch kaum kümmern“, preist Stifter Ernst Denert die Vorteile.

Attraktiv sind Treuhandstiftungen aber vor allem deshalb, weil sie mit einem relativ geringen Kapital gegründet werden können. Die Deutsche StiftungsTrust, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank und Stiftungsträgerin, ermöglicht die Errichtung einer Stiftung bereits ab 10 000 Euro. „Eine Treuhandstiftung ist ein prima Einsteigermodell“, sagt Karsten Timmer, Geschäftsführer der Panta Rhei Stiftungsberatung. „Sie ist geeignet, um das Stiften einmal auszuprobieren.“ Die Treuhandstiftung ist flexibel, nicht nur, weil der Stifter das Stiftungskapital später beliebig aufstocken kann. Auch die Satzung und den Stiftungszweck kann er jederzeit ändern.

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