Trotz Reform : Wo im Urlaub beim Telefonieren und Surfen hohe Kosten drohen

Smart in den Urlaub: Mobil telefonieren und surfen im Ausland ist billiger geworden. Kostenfallen gibt es aber immer noch.

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Wer auch am Strand ins Netz will, sollte sich vorab über die Kosten Gedanken machen.
Wer auch am Strand ins Netz will, sollte sich vorab über die Kosten Gedanken machen.Foto: Westend61 / vario images

E-Mails lesen, sich bei Facebook auf dem Laufenden halten, Fotos verschicken, Musik aus dem Netz laden – kaum jemand möchte im Urlaub noch auf das mobile Internet verzichten. Doch auch wenn die Europäische Kommission die Preisobergrenzen für das mobile Telefonieren und Surfen außerhalb des Heimatnetzes (Roaming) erneut gesenkt hat, so sollten Kunden im Ausland dennoch einige wichtige Grundregeln beachten.

Im EU-Tarif gelten zwar seit dem 1. Juli neue gesetzliche Obergrenzen: Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet dann für deutsche Verbraucher inklusive Mehrwertsteuer maximal 22,6 Cent pro Minute, die Annahme eines Anrufs knapp sechs Cent. Eine SMS-Nachricht wird mit 7,1 berechnet, ankommende SMS kosten den Handynutzer nach wie vor nichts. Keine Obergrenzen gelten übrigens für das Verschicken von Bildern (MMS), hier ist also besondere Vorsicht geboten. Auch der MMS-Empfang im Ausland ist oft kostenpflichtig. Für die mobile Internetnutzung dürfen die Anbieter maximal 23,8 Cent pro Megabyte Datenvolumen verlangen.

Die Schweiz bleibt auch beim Telefonieren teuer

Doch noch vor dem Urlaub sollte der Kunde unbedingt klären, welcher Tarif für ihn tatsächlich gilt. Denn erstens gilt der EU-Tarif natürlich nur in den Mitgliedsstaaten der EU und zum Beispiel nicht in der Schweiz. Im außereuropäischen Ausland kann das Telefonieren und Surfen daher immer noch sehr teuer werden. Vorsicht ist daher vor allem in Grenzregionen wie zum Beispiel am Bodensee geboten. Hier kann es passieren, dass sich das Mobiltelefon in ein Schweizer Netz einwählt – und dann gilt der EU-Tarif nicht mehr.

Kosten nach Anbieter.
Kosten nach Anbieter.Grafik: Tsp/Bartel

Und zweitens ist der gesetzliche EU-Tarif keineswegs automatisch bei allen Anbietern voreingestellt. Bei vielen Tarifen sind Reiseoptionen mit im Paket, die je nach dem individuellen Nutzungsverhalten des Kunden billiger oder aber auch teurer als der gesetzliche EU-Tarif sein können. Der gesetzliche EU-Tarif gilt also keinesfalls immer.

Daneben besteht die Möglichkeit, auch im Ausland Inklusivleistungen aus dem heimischen Vertrag zu nutzen. Das bieten Telekom, Vodafone und Base in ausgewählten Tarifen (gegen eine Zusatzgebühr) an.

Der EU-Tarif sieht vor, dass die mobile Datennutzung automatisch unterbrochen wird, wenn der Nutzer einen Betrag von knapp 60 Euro erreicht. Auch außerhalb Europas kann diese Funktion verfügbar sein. Allerdings gelte diese Sperre nur für Nutzer, die ihr nicht widersprochen haben, warnt Bettina Seute vom Informationsportal Teltarif.de. Wer einmal widersprochen hat, muss die Sperre explizit wieder einrichten lassen, sonst entfällt sie dauerhaft. Um die Kosten für das mobile Internet auf Reisen zu drücken, kann man auch am Smartphone selbst einige Vorkehrungen treffen. „Am besten stellt man bereits zu Hause alle Dienste ab, die automatisch Updates herunterladen“, rät Seute.

Vorsicht bei der Internetnutzung im Hotel

Viele Hotels und Restaurants im Ausland bieten ihren Kunden gegen Gebühr oder sogar kostenfrei die Nutzung von W-Lan-Zugängen ins Netz an. Das ist natürlich die preiswerteste Möglichkeit, im Ausland im Internet zu surfen. Allerdings ist sie auch mit Risiken verknüpft. Denn unverschlüsselt gesendete Daten können dann theoretisch von anderen Nutzern im selben W-Lan-Netz mitgelesen werden. „Dabei ist es unerheblich, ob das W-Lan mit einem Passwort geschützt ist oder nicht“, sagt Seute. „Nur Internetseiten, die mit https beginnen, übertragen die Daten verschlüsselt.“ Das gilt zum Beispiel für die Seiten zum Online-Banking.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn man öffentliche Rechner etwa in der Hotel-Lobby oder im Internetcafé nutzt. Hier besteht die Gefahr, dass die Rechner infiziert sind und persönliche Daten – auch der Zugang zum Online-Banking – ausgespäht werden können. „Auf solchen öffentlichen Rechnern sollte man nur im Notfall auf sensible Daten zugreifen“, warnt Seute. „In jedem Fall sollte man darauf achten, sich ordnungsgemäß von den Diensten abzumelden und die Fenster zu schließen.“

Auch gegen Diebstahlgefahr sollten sich Handy- und Smartphonebesitzer im Urlaub absichern. Das Gerät und die Sim-Karte sollten immer mit PIN oder Zugangscode gesichert sein. Und bereits vor der Abreise sollte man sich die Sperrhotline seines Netzanbieters notieren – und sie getrennt vom Telefon aufbewahren. Um das gestohlene Telefon bei der Polizei identifizieren zu können, sollte man auch die Geräteidentifikationsnummer parat haben. Apple und Google bieten zudem die Möglichkeit, das Smartphone zu orten und die Daten auch aus der Ferne zu löschen. Dann ist es gut, zuvor eine Kopie der Daten gemacht zu haben.

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