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Umweltgipfel in Rio : Kurtaxe für den Regenwald

20.06.2012 00:00 Uhrvon
Kahlschlag. Der Amazonas-Regenwald ist eins der drei größten Ökosysteme Brasiliens. Foto: AFPBild vergrößern
Kahlschlag. Der Amazonas-Regenwald ist eins der drei größten Ökosysteme Brasiliens. Foto: AFP - Foto: AFP

Beim Nachhaltigkeitsgipfel in Rio zeigen Firmen, wie man mit dem Erhalt der Natur Geld verdienen kann.

Umweltverträgliches Wirtschaften steht im Mittelpunkt der Verhandlungen beim Weltnachhaltigkeitsgipfel Rio+20 in Brasilien. Gegenüber des Kongresszentrums, in dem der UN-Gipfel stattfindet, breitet sich eine Industriemesse aus. Sie soll beweisen, wie umwelt- und sozialverträglich Unternehmen seit dem ersten Erdgipfel 1992 schon geworden sind.

Es gibt nur zwei Probleme: eines ist eine achtspurige Straße, die zu überqueren nur Lebensmüde wagen. Also müssen diejenigen, die der Industrie einen Besuch abstatten wollen, sich in einen Bus setzen.

Das andere: Trotz aller Aufgeschlossenheit der Wirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung sind die Umweltprobleme wie der Klimawandel, der Verlust von Arten und der Schwund von natürlichen Ressourcen von Wasser bis zu Metallen in den vergangenen 20 Jahren noch größer geworden.

Kann eine Green Economy das ändern? In der Wirtschaft hat das Konzept in Rio viele Befürworter. 37 Banken, Investmentfonds und Versicherungen haben angekündigt, das Naturkapital in ihre Finanzprodukte zu integrieren und sich dafür einzusetzen, dass dieses in den Finanzberichten der Unternehmen bilanziert wird. Unter den Finanzunternehmen ist übrigens kein einziges deutsches, dafür mehrere chinesische und brasilianische. Der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), Achim Steiner, sagte, damit werde „der wahre Reichtum des Planeten aus der Unsichtbarkeit ins Licht geholt“. Die 37 Unternehmen warnen, dass „die Schäden an den Ökosystemen der Welt ein Risiko für das Wohlergehen und die Umweltsicherheit darstellen“.

Wie dramatisch die Lage ist, haben Unep und die Universität der Vereinten Nationen Unu, in Rio in ihrem Inclusive Wealth Report (umfassenden Reichtumsbericht) dargestellt. Sie haben 20 Länder untersucht: 19 davon haben zwischen 1990 und 2008 ihr Naturkapital verkleinert. Werden die natürlichen Ressourcen pro Kopf gerechnet, hat Südafrika in dieser Zeit 33 Prozent davon verloren, Brasilien 25 Prozent, die USA 20 und China 17 Prozent. Gleichzeitig ist das Inlandsprodukt dieser Länder um 24 Prozent (Südafrika), 31 Prozent (Brasilien), 37 Prozent (USA) und 422 Prozent (China) gestiegen. Sechs Staaten sind in ihrer Entwicklung zurückgefallen, darunter Russland, Nigeria und Saudi-Arabien. Die beiden letzten Länder wegen ihres Bevölkerungswachstums, Russland wegen des Verlusts seiner industriellen Basis.

Nach dem von Unep und Unu entworfenen Inclusive Wealth Index (IWI) liegen Deutschland und Frankreich relativ weit vorne und fast gleichauf. In beiden Ländern wuchs das Humankapital am stärksten, während das Naturkapital weniger abnahm als in den schnell wachsenden Schwellenländern und anderen Industriestaaten. Lediglich Japan konnte sein Naturkapital vergrößern, weil dort mehr Wälder gewachsen sind.

Dass die Vergrößerung oder Erhaltung des Naturkapitals ein „grünes Geschäft“ sein kann, beweist Brasilien. Von den drei großen Ökosystemen des Landes, dem Amazonas-Regenwald, der Savannenlandschaft Cerrado und dem Küsten-Regenwald Mata Atlantica, ist der Küstenwald am stärksten dezimiert worden. In der Umgebung Rios finden sich Hügel, auf denen nur noch Gras wächst, und die deshalb ständig in Gefahr sind, bei starken Regenfällen als Erdrutsche ins Tal zu stürzen. Die Besitzer dieser Hügel haben das Waldgesetz eindeutig gebrochen, denn das Gesetz schreibt den Erhalt der Wälder auf den Gipfeln und auch entlang der Flussläufe vor. Nachdem nach einer 18 Jahre andauernden Debatte die Mata Atlantica unter Schutz gestellt wurde, hatten Umweltschützer eine Basis, um die degradierten Flächen wieder aufzuforsten oder die verbliebenen Reste besser zu schützen.

Das Institut zum Schutz von Ökosystemen (Itpa) arbeitet seit drei Jahren daran, die Hügel wieder zu bewalden. Als Erstes will die Organisation erreichen, „dass noch verbliebene Primärwälder in Naturschutzgebieten wieder miteinander vernetzt werden“, sagt Mauricio Ruiz von Itpa. Die Aufforstung soll Waldkorridore von einem noch erhaltenen Stück Regenwald zum nächsten ergeben. Das wäre ein Gewinn für die Artenvielfalt, weil Tiere wieder wandern könnten.

Die Verhandlungen mit den Landbesitzern sind mühsam, aber es gibt auch viele, die in die Legalität zurückkehren wollen. Obwohl sie das Gesetz gebrochen haben, müssen sie für die Wiederaufforstung nicht bezahlen. Itpa finanziert das Projekt mithilfe von großen internationalen Umweltverbänden wie der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) oder aus Strafzahlungen von Firmen. Nach vier Jahren überlässt Itpa die Wälder sich selbst. Die Besitzer dieser jungen Wälder bekommen dann aus den Wassersteuern, die alle Verbraucher bezahlen, Geld für ihre Öko-Dienstleistung, wenn sie die Bäume stehen lassen.

Mit der Bezahlung von Öko-Systemdienstleistungen versucht es auch Rui Rocha von der Gruppe Floresta Vida (Der Wald soll leben). Er will so den Küstenwald retten. Seine NGO arbeitet nördlich von Rio im Bundesstaat Bahia. Dort sind noch relativ große ursprüngliche Waldflächen vorhanden. Rocha sucht ständig nach Wegen, die Bauern zu Hütern des Waldes zu machen. So zahlt etwa ein Ökohotel, das Luxus-Resort Taxi, den Bauern einen halben Mindestlohn (640 Real, rund 250 Euro) in Form von Lebensmitteln oder anderen Sachleistungen dafür, dass sie die Bäume auf ihren Grundstücken stehen lassen. Die Bauern haben dafür ihre Produktion auf Ökolandbau umgestellt, und das Hotel nimmt ihnen auch einen Großteil ihrer Waren ab. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) versucht in Bahia, das Konzept auszuweiten und Wege zu finden, wie ein ständiger Finanzfluss für die Bezahlung der Bauern gefunden werden kann. Diskutiert wird in der Region beispielsweise über eine Waldsteuer für Touristen ähnlich der Kurtaxe in hiesigen Ferienorten.

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