• Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial: 3,3 Millionen Menschen in Deutschland würden gerne mehr arbeiten

Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial : 3,3 Millionen Menschen in Deutschland würden gerne mehr arbeiten

Sie wollen, aber dürfen nicht: In Deutschland suchen mehr Menschen Arbeit als gedacht. Vor allem Frauen haben oft nur Teilzeit- und Mini-Jobs, würden aber gerne mehr leisten.

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Eine Frau kniet auf einem Dielenboden und putzt
Potenzial zu mehr. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit- und Mini-Jobs, würden aber gerne mehr leisten.Foto: picture-alliance/ gms

Berlin - 3,3 Millionen Menschen in Deutschland würden gerne mehr arbeiten, als man sie lässt. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, wünschten sich im vergangenen Jahr rund 6,7 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter einen Arbeitsplatz oder mehr Arbeitsstunden, als ihr Arbeitgeber ihnen anbietet. Das waren weniger als 2011, aber mehr, als die Bundesagentur für Arbeit nennt. Knapp die Hälfte davon hat einen Job, der sie jedoch nicht auslastet.

Die Behörde in Wiesbaden ermittelt das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial nach Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Vollzeit ist dabei definiert mit mindestens 32 Wochenstunden. Erfasst wurden Menschen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren. Weniger arbeiten wollten laut Umfrage nur 855 000. Wegen der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt ging die Zahl der Arbeitssuchenden insgesamt zurück, 2011 waren noch 7, 4 Millionen Menschen bundesweit auf der Suche nach (zusätzlichen) Verdienstmöglichkeiten.

1,1 Millionen Stille Reserve

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels gewinnt das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial aber immer mehr an Bedeutung. Neben Arbeitslosen und Unterbeschäftigten berücksichtigt die Zahl des Bundesamts auch 1,1 Millionen Menschen in der sogenannten „stillen Reserve“. Sie möchten grundsätzlich arbeiten, suchten aber zum Zeitpunkt der Erhebung aus unterschiedlichen Gründen nicht aktiv danach. Bei den 1,8 Millionen Teilzeitbeschäftigten, die gerne die Zahl ihrer Arbeitsstunden aufstocken würden, liegt der Frauenanteil bei 72 Prozent. Dazu passt eine am Donnerstag von der Gewerkschaft Verdi veröffentlichte Studie, wonach in der Hauptstadt Frauen die schlechteren – und schlechter bezahlten – Jobs haben. Sie besetzen mit 45 Prozent weniger als die Hälfte aller Vollzeitstellen, aber 64 Prozent aller Teilzeit- und Mini-Jobs. „Frauen machen rund 122850 Mini-Jobs in Berlin. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten“, sagt Susanne Stumpenhusen, Verdi-Geschäftsführerin in Berlin. „Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner – mies bezahlt mit wenig Schutz“, kritisiert Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die die Erhebung gemeinsam mit Verdi beim Pestel-Instituts in Hannover in Auftrag gegeben hatte. „Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt.“

Beide Arbeitnehmerorganisationen sprechen sich klar für einen Mindestlohn von 8,50 Euro aus. Und kommen in ihrer Mitteilung zu dem Schluss: „Die Armut ist weiblich.“

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