Ungewöhnlicher Börsengang : Eon-Tochter Uniper für einen Tag im Dax

Die Eon-Tochter Uniper startet am Montag am Aktienmarkt. Analysten erwarten Kurs zwischen elf und 15 Euro.

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Ab Montag an der Börse: Die Eon-Tochter Uniper.
Ab Montag an der Börse: Die Eon-Tochter Uniper.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Frankfurt - Es wird der größte Börsengang seit langem. Aber es ist kein klassischer Börsengang. Es gibt keine Preisspanne, keinen Emissionspreis und keine Angebotsfrist. Dafür keine kürzere Eröffnungsaktion nach dem Handelsbeginn an der Frankfurter Börse. Am Montag taucht zum ersten Mal die Aktie des Kraftwerksbetreibers Uniper auf dem Börsenzettel auf. Es ist die Kraftwerkstochter des Energiekonzerns Eon. Im Juni hatten die Eon-Aktionäre für die Abspaltung von Uniper gestimmt, jetzt bringt Eon die Aktie an die Börse. Analysten taxieren den Wert von Uniper auf vier bis 5,5 Milliarden Euro, das könnte auf einen Kurs zwischen elf und 15 Euro hindeuten.

Für einen Tag umfasst der Dax 31 Werte 

Eineinhalb Stunden nach Börseneröffnung am Montag dürfte es über den Kurs der Uniper-Aktie Klarheit geben. Und dann ist das Papier für einen Tag Mitglied im Deutschen Aktienindex Dax, der dann kurzzeitig nicht nur 30, sondern 31 Werte umfasst - so wie in der Vergangenheit als Siemens Osram an die Börse brachte und Bayer Lanxess. Dass Uniper für einen Tag Dax-Mitglied ist sei für Investoren wichtig, heißt es bei der Deutschen Börse.

 

Am Dienstag ist Uniper wieder aus dem Dax verschwunden

Am Dienstag ist Uniper wieder aus dem Dax verschwunden, und dann vermutlich zu einem niedrigeren Kurs. Denn Index-Fonds, die den Dax nachbilden, und Großinvestoren, auf die etwa ein Viertel der Uniper-Aktien entfallen, müssen die Aktie wegen ihrer Vorgaben verkaufen. Beobachter rechnen damit, dass auch viele Privatanleger das Papier gegeben. „Wir werden am ersten Tag weiche Hände sehen, die Uniper rasch verkaufen, ganz klar“, sagt auch Eon-Chef Johannes Teyssen. Andererseits könnten andere nur darauf warten und kaufen. Im Zuge der Abspaltung verteilt Eon rund 53 Prozent der Uniper-Aktien an seine Aktionäre. Für zehn Eon-Aktien erhalten sie ein Uniper-Papier. 47 Prozent der Aktien behält der Konzern vorerst bis Anfang 2018. Dem Vernehmen nach aus steuerlichen Gründen.

 

In der jetzt abgespaltenen Tochter hat Eon seine konventionellen Gas-, Wasser- und Kohlekraftwerke und den Energiehandel in Europa und in Russland gebündelt. Rund 13.000 Menschen arbeiten in 40 Ländern für Uniper, Sitz des Unternehmens ist in Düsseldorf.

 

Bis 2018 will Uniper Beteiligungen im Wert von gut zwei Milliarden Euro abstoßen

Für 2016 will Uniper seinen Aktionäre eine Dividende von 55 Cent je Aktie zahlen. Bei einem Umsatz von 34 Milliarden Euro erzielte das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Betriebsgewinn von 1,5 Prozent, 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wegen der stark gefallenen Strompreise im Großhandel musste Uniper allerdings hohe Abschreibungen auf die Kraftwerke vornehmen, weitere dürften nach Ansicht von Analysten folgen. Dadurch stand unter dem Strich in den ersten sechs Monaten allerdings ein Netto-Verlust von 3,9 Milliarden Euro. Bis 2018 will Uniper Beteiligungen im Wert von gut zwei Milliarden Euro abstoßen, um damit die Netto-Schulden zu verringern. Ende Juni waren es 3,6 Milliarden Euro. Uniper-Chef Klaus Schäfer sieht das Halbjahres-Ergebnis trotzdem als „gute Basis“ für den Börsengang. Sein Unternehmen verspüre einen gewissen operativen Rückenwind, sagt Schäfer und verweist auf das gut diversifizierte Portfolio und Verbesserungen in wichtigen Auslandsmärkten wie Schweden und Großbritannien.

Auch für Eon dürfte der Börsengang von Uniper zu Belastungen führen

 

Auch für Eon dürfte der Börsengang von Uniper zu Belastungen führen. Denn derzeit stehen die Kraftwerke, die in die Tochter eingehen, mit einem Wert von zwölf Milliarden Euro in den Büchern. Nach Ansicht von Analysten sind sie deutlich weniger wert. Also muss auch Eon hohe Abschreibungen vornehmen. „Es kann durchaus sein, dass wir etwas abschreiben müssen“, räumt Teyssen ein. Das ist seiner Auffassung nach aber allen Investoren und Anlegern klar. Eon habe seine finanzielle Lage absolut transparent dargestellt.

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