Wirtschaft : Valentino geht an Katar

Mayhoola kauft die italienische Edelmarke.

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Berlin - Es soll die Leidenschaft einer der drei Frauen des Emirs von Katar für die italienische Mode gewesen sein. Sie veranlasste das Finanzunternehmen Mayhoola aus Katar dazu, die Marke Valentino zu kaufen. Bereits vor einem Monat hatte Stefano Sassi, Chef der Valentino Fashion Group, angedeutet, dass es Gespräche mit einem potenziellen Käufer gebe. Der bisherige Eigentümer der italienischen Marke, der französische Finanzinvestor Permira, hatte bereits deutlich gemacht, dass er kein Interesse hat, das seit fünf Jahren bestehende Engagement fortzusetzen. Insider schätzen, dass Permira und der italienischer Partner Gruppo Marzotto bei der Transaktion bis zu 700 Millionen Euro kassieren.

Valentino galt schon seit einigen Monaten als begehrter Übernahmekandidat. Als Permira die Marke kaufte, steckte das Unternehmen in einer schwierigen Phase. Gründer und Modeschöpfer Valentino Garavani hatte gerade seinen Rückzug aus der Modewelt angekündigt. Die Firma befand sich außerdem in großen finanziellen Schwierigkeiten. Um die Marke zu retten, wälzte Permira einen Großteil der Schuldenlast auf die stärkere deutsche Tochter Hugo Boss ab.  Ob nun Hugo Boss den Verkauf der auf seine Kosten sanierten Schwester an einen Branchenneuling wie Mayhoola gutheißt? Das deutsche Modeunternehmen will sich bislang dazu nicht äußern.

Dank der Sanierung ist Valentino seit ungefähr einem Jahr wieder auf Kurs zurück. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres hat das Unternehmen seinen Ertrag im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 186 Millionen Euro gesteigert. Doch viele Branchenexperten zweifeln daran, dass die Übernahme durch das Finanzunternehmen aus Katar langfristig gute Ergebnisse hervorbringen wird.

Als warnendes Beispiel wird das Schicksal einer anderen italienischen Marke erwähnt, die kürzlich von einem Finanzinvestor aus dem Nahen Osten übernommen wurde und nun in einer schweren Krise steckt: Im Februar 2011 kaufte die Paris Group aus Dubai die hochverschuldete Marke Gianfranco Ferré und versprach dabei 25 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren. Fast anderthalb Jahre später ist die Bilanz alles andere als befriedigend: Eine wichtige Verkaufsstelle in Mailand wurde geschlossen, und der von Paris Group ernannte Geschäftsführer musste gehen.

Mayhoola ist erst kürzlich durch die Übernahme des britischen Edelkaufhauses Harrods und die Beteiligung an wichtigen Marken wie Tiffany’s und Louis Vuitton zum wichtigen Spieler in der Modebranche aufgestiegen. Ob die Leidenschaft der Frau des Emirs sich als guter Wegweiser erweisen wird, muss sich in den kommenden Monaten herausstellen. Fabio Ghelli

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