Verbraucherstudie : Banken ignorieren Kundenwünsche

95 Prozent der Anlagevorschläge nicht dem Bedarf der Kunden, sagen die Verbraucherzentralen. Die Banken finden die Studie unfair.

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Seit langem fordern Verbraucherschützer die Honorarberatung.
Seit langem fordern Verbraucherschützer die Honorarberatung.Foto: dpa

Wo investiere ich mein Erspartes? Wie lege ich Geld fürs Alter zurück? Kunden vertrauen bei solchen Fragen oft blind ihrer Bank. Dabei passen die meisten Finanzprodukte, die ihnen vermittelt werden, nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht zu ihrem Bedarf.

Laut einer Studie der Verbraucherzentralen sind 95 Prozent der angebotenen Verträge nicht im Kundeninteresse. Die Organisationen haben im Rahmen des Projekts „Marktwächter Finanzen“ über 3000 bereits vermittelte Anlageprodukte sowie 362 Vertragsangebote untersucht.

Auch Aktienfonds sind nicht ideal

„Die Ergebnisse sind alarmierend“, sagte Werner Bareis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn entscheidet sich ein Anleger für ein Finanzprodukt, das nicht zu seinem Bedarf passt, hat das Folgen. „Im schlimmsten Fall steht die Altersvorsorge auf dem Spiel“, sagt Bareis. In 87 Prozent der Fälle waren die Angebote aus Sicht der Verbraucherschützer unpassend, weil sie zu teuer waren. Die Experten meinen, es hätte günstigere Wege gegeben, um das Ziel des Kunden zu erreichen.

In anderen Fällen waren die Produkte zu unflexibel – die Kunden kamen nicht an ihr Geld, wenn sie es brauchten – oder sie waren zu riskant. Unter bereits abgeschlossenen Produkten stuften die Verbraucherschützer aufgrund der hohen Kosten vor allem fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen als nicht bedarfsgerecht ein.

Auch mit Aktien- oder Mischfonds waren sie nicht zufrieden: Werden sie aktiv gemanagt, sind sie teuer – obwohl ihre Rendite oft nicht höher ausfällt als bei Indexfonds.

Verbraucherschützer fordern Honorarberatung

Die Banken kritisierten die Studie scharf. Die Verbraucherschützer würden auf eine komplexe Fragestellung nur „verkürzte Antworten“ geben, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft. Zudem könnten sich die Banken gar nicht leisten, Kunden falsch zu beraten. „Banken und Sparkassen sind auf zufriedene Kunden angewiesen“, schreiben die Branchenvertreter.

Die Verbraucherschützer nutzen die Studie, um ihre Forderung nach mehr Honorarberatung zu erneuern. „Provisionen müssen verboten werden, damit die Beratung endlich unabhängig wird“, sagte Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie räumte allerdings ein, das das Geschäftsmodell der Banken auf den Kopf stellen würde.

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