Verbrauchertäuschung : Gefälschter Käse auf der Pizza

Mit Käse hat das, was auf vielen Aufläufen und Pizzen zu finden ist, nichts zu tun. Stattdessen werden immer häufiger Käseimitate bei Bäckereien und Pizzerien verwendet. Die Zutaten: Pflanzenfette, Eiweißpulver und Geschmacksverstärker.

Heike Jahberg

BerlinLecker sieht sie aus, die goldgelbe Kruste auf der Pizza oder dem Käsebrötchen. Doch mit Käse hat das, was auf vielen Aufläufen, Pizzen oder Backwaren zu finden ist, nichts zu tun. Der so genannte „Analogkäse“, den viele Pizzerien, Imbisse oder Bäckereien verwenden, besteht aus Pflanzenfetten, Eiweißpulver und Geschmacksverstärkern. Auch in Berlin sind die Lebensmittelkontrolleure fündig geworden. Von 21 Proben, die die Kontrolleure im Januar, Februar und März genommen haben, enthielten 13 das Käseimitat, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Verbraucherschutz. Im Mai und Juni wollen die Kontrolleure in der Hauptstadt verstärkt Pizzen, Backwaren und Aufläufe kontrollieren.

Doch wer die schwarzen Schafe sind, erfährt die Bevölkerung nicht. „Wir dürfen die Namen nicht nennen“, sagt Kneiding. Das lasse das Verbraucherinformationsgesetz nicht zu. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sieht das anders: „Die Behörden schätzen die Geschäftsgeheimnisse der Betriebe höher ein als den Schutz der Bürger“, kritisiert Foodwatch-Sprecher Martin Rücker.

Die Behörden schalten sich nicht ein, weil sie den Schwindelkäse für problematisch halten. „Analogkäse“ oder Käseimitate sind nicht verboten und können problemlos im Großhandel gekauft werden. Verboten ist aber, das deutlich billigere Pflanzenfett als Käse auszugeben. „In Käse muss Milch sein“, sagt Sandra Papst, Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums. Die Verbraucher zu täuschen, ist verboten.

Doch nicht die großen Pizzabäcker wie Dr. Oetker oder Wagner stehen im Verdacht. „In unserem Pizzatest haben wir keinen Analogkäse gefunden“, berichtet Heike van Laak, Sprecherin der Stiftung Warentest. „Käseimitate finden Sie eher in der Pizzeria an der Ecke“, weiß Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure. „Die machen das so lange, bis sie erwischt werden.“ Doch um alle zu erwischen, müssten mehr Kontrolleure unterwegs sein. „In Deutschland gibt es 1200 Lebensmittelkontrolleure zu wenig“, sagt Müller. Derzeit arbeiten hierzulande 2300.

Auch Berlins Verbraucherschutzsenatorin Katrin Lompscher (Linke) würde gern mehr Kontrolleure beschäftigen. 83 Stellen gibt es in Berlin, fünf weitere sind für den Bezirk Mitte geschaffen worden, vor allem um den Großmarkt in der Beusselstraße zu kontrollieren. Das sind zwar mehr als früher, sagt Lompscher-Sprecherin Kneiding, „aber wir wollen Verstärkung“. Allerdings seien die finanziellen Mittel beschränkt.

Martin Müller kennt alle Tricks. Als Lebensmittelkontrolleur stößt er täglich auf falsche Deklarationen. Auf den Spargel etwa, der nicht aus Beelitz, sondern aus Griechenland kommt, und das Cordon Bleu, das aus Kalbfleisch hergestellt werden sollte, oft aber aus dem deutlich billigeren Schweinefleisch besteht. „Es geht immer darum, den Gewinn für das Unternehmen zu erhöhen“, sagt Müller. Ein Kilo Schafskäse kostet zehn Euro, ein Kilo Kuhkäse fünf Euro, ein Kilo Analogkäse zwei Euro. Heike Jahberg

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