Verkehr : Berliner meiden das Auto

An der Spree fahren vergleichsweise wenige und alte Autos. Höher ist die Pkw-Dichte auf dem Land. Spitzenreiter unter den Großstädten ist Dortmund. Doch der Trend zum Verzicht auf einen Neuwagen könnte negative Folgen für die deutschen Autohersteller haben.

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Im Stau. Im Alltag ist es selten zu spüren, aber statistisch gesehen hat Berlin die geringste Pkw-Dichte aller deutschen Großstädte. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Im Stau. Im Alltag ist es selten zu spüren, aber statistisch gesehen hat Berlin die geringste Pkw-Dichte aller deutschen...

Nicht einmal jeder dritte Berliner hat ein eigenes Auto: Auf 1000 Einwohner kommen an der Spree 289 Pkw. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Übersicht des Duisburger Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer. „Es gilt die Regel, je ländlicher, umso mehr Autos besitzen die Bürger“, analysiert das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. Oder umgekehrt: Je größer die Stadt, desto weniger Autos pro Einwohner. Deutschlandweit kommen demnach auf 1000 Einwohner 472 Autos – statistisch gesehen, denn auch Neugeborene und 100-Jährige zählen dazu. Nicht berücksichtigt werden in der Untersuchung Firmenwagen.

In den vier deutschen Städten mit mehr als einer Million Einwohner (neben Berlin sind das Hamburg, München und Köln) werden nur 322 Pkw pro 1000 Einwohner gezählt. Ähnlich wenig verbreitet wie in Berlin sind Autos in Hannover (320 Pkw) und in der Bankenstadt Frankfurt (324 Pkw). Die Großstadt mit der höchsten Pkw-Dichte ist Dortmund: auf 1000 Einwohner kommen hier 410 Autos.

„Für die Autobauer könnte der Trend zum Verzicht auf das Auto in der Großstadt negative Folgen haben“, glaubt Dudenhöffer. „Wenn sich nur noch 29 Prozent der Berliner ein Auto leisten, kann das ein Signal sein.“ Dort, wo der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut und Parkraum teuer sei, mache das eigene Auto weniger Spaß. Carsharing-Angebote wie Car-2-Go oder Drive-Now, mit denen Daimler und BMW auf das Phänomen reagieren, ließen den Wunsch nach dem eigenen Auto nicht mehr so wichtig erscheinen, schlussfolgert Dudenhöffer. Die Berliner sind laut Kraftfahrtbundesamt auch in überdurchschnittlich alten Autos unterwegs. Im Schnitt sind die Pkw 8,8 Jahre alt, der Bundesdurchschnitt liegt bei 8,5 Jahren.

Das Geschäftsmodell der Autohersteller ist gleichwohl vorerst nicht in Gefahr. Zum einen dominieren bei den Neuzulassungen in Deutschland gewerbliche Nutzer – 60 Prozent aller Neuwagen werden von Unternehmen, Selbstständigen und Behörden angemeldet. Nimmt man den aktuellen Pkw-Bestand in Deutschland, kommen laut Kraftfahrtbundesamt zu den 38,6 Millionen Privatautos noch einmal 19,4 Millionen Firmenwagen. In Berlin ist etwa jeder zehnte Wagen ein gewerblich genutztes Fahrzeug, in Brandenburg sind es nur knapp sieben Prozent.

Zum anderen exportieren die Deutschen drei von vier hierzulande produzierten Neuwagen – vor allem nach China und in die USA. In China, wo es 300 Millionen-Städte gibt, stößt die Branche allerdings in einigen großen Metropolen an Wachstumsgrenzen. Großstädte wie Peking haben bereits Beschränkungen für die Zulassung neuer Autos eingeführt. Die Verteilung der Fahrzeuge konzentriert sich in China allerdings stark auf die Städte. Gemessen an der Pkw-Dichte in Deutschland ist China kaum motorisiert – auf 1000 Einwohner kommen in der Volksrepublik nur gut 50 Autos.

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