Verkehr im Wandel : Fahrdienst Allygator startet Testphase in Berlin

Am kommenden Wochenende will die Firma "Door2Door" Taxis mit einem Preis von zehn Cent pro Kilometer Konkurrenz machen. Berlin dient als Modellstadt.

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An den blauen Fähnchen erkennt man den Kleinbus von Allygator Shuttle.
An den blauen Fähnchen erkennt man den Kleinbus von Allygator Shuttle.Foto: Andreas Pein/Door2Door/dpa

„See you later, Allygator“ – mit der berühmten Songzeile aus den 1950er Jahren wirbt ein neuer Fahrdienst in Berlin um Kunden. Am kommenden Freitagabend um 18 Uhr beginnt die Pilotphase für den Verkehrsanbieter, der komfortabel wie ein Taxi und dabei so günstig wie ein Bus sein will. „Allygator Shuttle“ heißt der Service, mit dem die Berliner Firma Door2Door den Verkehr in Städten verändern will. „Wir zeigen in Berlin, wie die Zukunft von städtischer Mobilität aussehen wird“, gibt sich Firmengründer Maxim Nohroudi selbstbewusst. Door2Door wurde 2012 gegründet und hat seitdem eine Plattform „Ally“ für den Nahverkehr in Städten entwickelt. Die Ally-App wird in großen Städten von Hunderten oder Tausenden Verkehrsnutzern angewendet, eine Art Crowdsourcing. Denn auf Basis der so erhobenen Daten weiß das Unternehmen, wo es wann Mobilitätsbedürfnisse in der Stadt gibt.

Man braucht nur die App auf dem Handy

Um das neue Angebot nutzen zu können, muss sich der Fahrgast die App auf das Smartphone (iPhone oder Android) runterladen. Nach dem Öffnen der App gibt man Start und Ziel ein und die Zahl der Mitfahrer. Dann erscheinen Preis, Warte- und Fahrtzeit im Display; jetzt kann man buchen. Spätestens nach sieben Minuten, so versprechen das die Door2Door-Leute, ist der VW-Bus mit sechs Plätzen da. Am Steuer der Minibusse, die erstmal nur am Wochenende von 18 Uhr bis 2 Uhr unterwegs sind, sitzen Fahrer mit Personenbeförderungsschein. In der Pilotphase, die auf einige Wochen angelegt ist, beträgt der Preis zehn Cent für den Kilometer. Am ersten Wochenende will Allygator mit 15 Bussen unterwegs sein, die Woche darauf bereits mit 30. Die Busse können im inneren S-Bahn-Ring bestellt werden, also vom Gesundbrunnen im Norden bis nach Neukölln im Süden, von Friedrichshain im Osten bis Halensee im Westen. Die Betriebszeiten sollen in den nächsten Monaten sukzessive ausgedehnt werden.

Die KfW fördert die junge Firma

Berlin gilt als Testgebiet und als Modellstadt, denn „wir wollen Allygator Shuttle als weltweites Franchise etablieren“, sagt Tom Kirschbaum, der das Unternehmen gemeinsam mit Nohroudi gegründet hat. Einer der Hauptfinanzierer des Mobilitätsdienstleisters ist, wie berichtet, die bundeseigene Förderbank KfW. Am dem Start-up hat unter anderem die Bahn Interesse und bereits ein Übernahmeangebot gemacht. Zu den Partnern gehören aber auch Lufthansa und VW. Der Autokonzern stellt die Kleinbusse zur Verfügung.

250 Minibusse statt 2500 Taxen

Das Geschäftsmodell ist eigentlich ganz einfach: Der Transport wird von der Nachfrageseite (aufgrund der Nutzerwünsche) gesteuert, was zu höherer Effizienz führt, denn die Autos fahren idealerweise voll durch die Stadt. Die Nutzer teilen sich das Auto und die Kosten, und im Ergebnis gibt es „Komfort und Flexibilität zu einem unschlagbaren Preis“, wie die Allygatoren meinen. Der Fahrer bekommt mit jedem Fahrgast neue Routeninformation, die von den Ally-Algorithmen in Echtzeit errechnet und weitergegeben werden. 250 Minibusse könnten in Berlin 2500 Taxen ersetzen, glauben Kirschbaum und Nohroudi. Es gebe also weniger Verkehr und entsprechend weniger Lärm und Luftverschmutzung.

Daimler steckt Millionen in Blacklane

Ökologische Aspekte spielen bei einem anderen Berliner Start-up keine Rolle. Blacklane, 2011 gegründet, ist ein Serviceportal für professionelle Fahrdienste in 200 Städten weltweit. Die Kunden können verschiedene Kategorien wie „Business Class“, „Business Van“ und „First Class“ wählen. Blacklane setzt dabei keine eigenen Fahrzeuge ein, sonder greift auf ein Netzwerk an lokalen Fahrdiensten zurück. Seit 2013 ist Daimler an dem Unternehmen beteiligt und der Stuttgarter Fahrzeughersteller teilte am Montag mit, in einer weiteren Finanzierungsrunde einen zweistelligen Millionenbetrag Blacklane zur Verfügung gestellt zu haben, „um das weltweite Geschäft voranzutreiben“. Daimler schätzt den Weltmarkt für professionelle Fahrdienstleistungen auf 30 Milliarden/Jahr und baut selbst sein Geschäftsfeld „intermodulare Mobilitätslösungen für Städte“ mit car2go und MyTaxi aus.

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