Versandhandel : JP Morgan steigt bei Zalando ein

Der umsatzstarke Schuh- und Mode-Onlinehändler aus Berlin hat zwei neue Investoren gefunden. Wichtige Zahlen verschweigt das Unternehmen jedoch weiter.

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Luisa Hartema, Gewinnerin von „Germany’s Next Topmodel“, posiert in Zalando-Stiefeln.
Luisa Hartema, Gewinnerin von „Germany’s Next Topmodel“, posiert in Zalando-Stiefeln.Foto: Zalando_Schmidt&Gorges

Berlin - Rasant wächst die Zahl derer, die beim Internetschuhhändler Zalando einkaufen. Jetzt hat auch JP Morgan zugeschlagen: Die US-Bank und der Investor Quadrant Capital steigen in das Berliner Unternehmen ein, wie der Onlinehändler mitteilte. 1,3 Prozent und 0,9 Prozent übernehmen die neuen Anteilseigner – das klingt wenig, aber der Schuhshop wächst enorm schnell. 2011 verzeichnete er eigenen Angaben zufolge einen Netto-Umsatz von 510 Millionen Euro – das war dreimal mehr als im Vorjahr. Wieviel Geld die Investoren mitbringen, darüber schweigen alle Seiten. Die Finanzspritze soll „den bereits eingeschlagenen Wachstumskurs“ unterstützen, erklärte Rubin Ritter, einer der drei Zalando-Geschäftsführer.

2008 als Start-up in der Hauptstadt gegründet, gehört Zalando heute zu den führenden Online-Anbietern für Mode in Deutschland – und setzt alteingesessenen Händlern ganz schön zu. Kürzlich erst kündigte das Schuhhaus Görtz an, Filialen zu schließen und Stellen zu streichen, die Kunden bleiben aus. Dabei bringt Zalando längst nicht mehr nur Schuhe an Mann und Frau. Etwa die Hälfte des Umsatzes, heißt es in der Zentrale, würde inzwischen mit anderen Sparten wie Kleidung und Heimtextilien erzielt. Frisches Geld könnte also dem Ausbau dieser Geschäftsbereiche zugute kommen. Oder der Expansion jenseits der Landesgrenzen: Das Unternehmen ist bereits in zwölf europäischen Ländern aktiv, darunter Spanien, Schweden und die Schuhhochburg Italien.

Bei JP Morgan ist man offenbar überzeugt, dass der Zenit noch lange nicht erreicht ist. „Zalandos stark wachsender und treuer Kundenstamm ist ebenso beeindruckend wie das riesige Produktsortiment,“ erklärte Robert Cousin von der US-Bank. Zu den bisherigen Eigentümern zählen die Unternehmensgruppe Tengelmann und Holtzbrinck Ventures. Der russische Investor DST Global, der auch an Google und Facebook beteiligt ist, hat gerade auf neun Prozent aufgestockt. Insgesamt gehört Zalando damit nun acht Parteien – der Großteil, der 44 Prozent ausmacht, ist nach wie vor im Besitz der Geschwister Marc, Alexander und Oliver Samwer, die schon den Klingeltonanbieter Jamba groß machten. Die Brüder haben in den vergangenen Jahren diverse Internetunternehmen an den Start gebracht und später mit viel Gewinn wieder abgestoßen. Manche Branchenbeobachter sagen, der Zeitpunkt sei in diesem Fall verpasst, Zalando sei schon zu groß geworden.

Hinzu kommt: Was unterm Strich steht, darüber schweigt das Unternehmen. Ob Zalando überhaupt einen Gewinn erwirtschaftet, wird bezweifelt. Die einzig kursierende Zahl stammt aus dem Bundesanzeiger und betrifft das Jahr 2010. Demnach machte der Schuhhändler damals fast 20 Millionen Euro Verlust. Die einen sagen, in Anbetracht der Wachstumsabsichten sei das normal. Viel Geld floss bei Zalando zuletzt in Fernseh- und Radiospots. Auch Facebook und Google brauchten mehrere Jahre, bis sie die schwarze Null erreichten. Andere glauben, dass der Plan langfristig nicht aufgeht. Zu Zalandos Erfolgskonzept gehört neben einer riesigen Auswahl und dem Kauf auf Rechnung auch der Service, die Portokosten, einschließlich derer für Rücksendungen, ganz zu übernehmen. Weil viele Kunden gleich mehrere Größen zum Anprobieren bestellten, liege die Rücksendequote bei etwa 70 Prozent, schätzen Insider. Das frisst immense Summen. Vielleicht auch deshalb hat es trotz vieler Spekulationen noch keinen Börsengang gegeben.

Für wen sich das Unternehmen in jedem Fall auszahlt, ist die Region Berlin- Brandenburg. Seine zwei Hauptlager unterhält Zalando in Brieselang und Großbeeren, dazu ein 1000-Quadratmeter-Outlet in Kreuzberg. Das meiste geschieht dort per Hand. So beschäftigt das Unternehmen bereits jetzt 1000 Mitarbeiter. Es könnten mehr werden, heißt es.

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