Wirtschaft : Vier Milliarden für Hüftpatienten Johnson & Johnson zahlt für fehlerhafte Implantate

Maike Telgheder (HB)

Frankfurt am Main - Mit der Rekordsumme von vier Milliarden Dollar will der US-Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson in den USA den Streit über mangelhafte Hüftimplantate beilegen. Das berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Mit der Einigung würden mehr als 7500 Klagen geschädigter Patienten in den USA beigelegt, heißt es. Die Aktie des Konzerns gab an der New Yorker Börse nach.

Die Johnson&-Johnson-Tochter Depuy hatte weltweit rund 93 000 der problematischen ASR-Implantate ausgeliefert, bevor das Produkt im August 2010 zurückgerufen wurde. In Deutschland wurden Patienten rund 5500 dieser Prothesen eingesetzt. In vielen waren die Pfannen der Kunstgelenke locker geworden. Dies machte weitere Operationen erforderlich, neue Implantate mussten eingesetzt werden.

Die Entschädigungszahlung von Johnson & Johnson ist eine Rekordsumme für die Medizinprodukte-Branche. Vor gut einem Jahrzehnt musste Sulzer Medica wegen verunreinigter Hüftimplantate lediglich rund eine Milliarde Dollar Entschädigung zahlen.

In den USA können durch Sammelklagen hohe Schmerzensgelder durchgesetzt werden. Im aktuellen Fall liegt die durchschnittliche Summe pro Patient bei 300 000 Dollar (223 000 Euro). In Deutschland liegt die Entschädigungssumme für solche Fälle dagegen meist nur zwischen 20 000 und 40 000 Euro. Hier laufen auch noch Klagen gegen die Johnson-Tochter Depuy. Der Berliner Rechtsanwalt Jörg Heynemann, der nach eigenen Angaben rund 200 Patienten mit schadhaften Depuy-Implantaten vertritt, berichtet von bisher knapp 50 außergerichtlichen Einigungen. Maike Telgheder (HB)

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