Vierteljahreszahlen : Postbank vermiest Deutscher Bank die Quartalsbilanz

Zehn Milliarden Euro Gewinn will Josef Ackermann im laufenden Jahr mit der Deutschen Bank erzielen. Zunächst muss er aber erklären, warum der Quartalsgewinn drastisch eingebrochen ist.

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Teurer Umbau. 200 Millionen Euro hat die Deutsche Bank für den Umbau der Konzernzentrale in Frankfurt gezahlt.
Teurer Umbau. 200 Millionen Euro hat die Deutsche Bank für den Umbau der Konzernzentrale in Frankfurt gezahlt.Foto: dpa

Frankfurt am Main - Unter dem Strich steht ein Gewinn von gerade einmal 600 Millionen Euro. Endgültige Zahlen veröffentlicht die Bank zwar erst am Donnerstag. Schon jetzt aber ist klar, dass der Vorsteuergewinn für das Gesamtjahr nicht höher als vier Milliarden Euro liegen wird. In diesem Jahr will Vorstandschef Josef Ackermann zehn Milliarden Euro schaffen. Analysten bezweifeln stark, dass dies zu schaffen ist.

Der Grund für den Einbruch sind die Kosten, die explodiert sind. Die Integration der Postbank und der Privatbank Sal. Oppenheim sind erheblich teurer als gedacht. Auch der Umbau des Investmentbankings kostet Geld. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die Kosten im letzten Jahresabschnitt 2010 um 50 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro angewachsen.

Im Gesamtjahr dürfte die Deutsche Bank unter dem Strich einen Gewinn von gut 2,3 Milliarden Euro erreicht haben. 2009 waren es noch mehr als doppelt so viel. Das eigentliche Bankgeschäft ist sehr gut gelaufen. Das vierte Quartal brachte Erträge von 7,4 Milliarden Euro, rund 35 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Ganz offensichtlich lasten die Integration der Postbank und von Sal. Oppenheim auf dem Institut. Die 6,3 Milliarden Euro teure Übernahme der Postbank gilt als wichtigster Schritt für den Ausbau der Privatkundensparte der Bank. Alleine hätte man 14 Millionen zusätzliche Kunden nicht gewinnen können, sagt Privatkundenvorstand Rainer Neske. Seit Jahresanfang führt der 46-Jährige den Aufsichtsrat des Bonner Instituts. Die Marke Postbank soll bestehen bleiben, keine der 1 100 Filialen geschlossen werden. Die Deutsche Bank baut trotzdem auf Synergien, vor allem in der IT und in der Abwicklung. Eine Milliarde Euro sollen bis 2014 zusammenkommen, drei Viertel durch Einsparungen. Erst einmal aber kostet die Integration viel Geld. Dies gilt auch für die Privatbank Sal. Oppenheim, die 2009 übernommen wurde.

Umgebaut wird auch das Investmentbanking, weg vom eigenen Handel mit Wertpapieren hin zu mehr Geschäften im Kundenauftrag. Insgesamt haben die Großbaustellen der Bank im vierten Quartal zusätzliche 2,1 Milliarden Euro verschlungen. Beobachter halten es aber auch für möglich, dass Bankchef Ackermann die Kosten absichtlich noch in die Bilanz 2010 gesteckt wollen, um 2011 vielleicht doch noch das Zehn-Milliarden-Ziel erreichen zu können. Analysten trauen der Bank allerdings im Schnitt nur 8,6 Milliarden Euro zu.

Fertig ist bei der Deutschen Bank derzeit nur die seit 2007 für 200 Millionen Euro umgebaute Zentrale. An der Frankfurter Taunusanlage legen Handwerker und Gärtner letzte Hand an. Platten werden verlegt, 60 Bäume gepflanzt. Der Rück-Umzug von 2 800 Mitarbeitern aus dem Ausweichquartier an der Messe wird in diesen Tagen abgeschlossen. Ackermann wird wieder ganz oben residieren, in „Soll und Haben“ wie die 155 Meter hohen Türme im Volksmund genannt werden. Bei der Deutschen Bank heißen sie jetzt „Greentowers“, weil bei der Sanierung stark auf Klimafreundlichkeit und Energieeffizienz geachtet wurde.

Der Umbau soll auch einen Aufbruch markieren. Doch dazu bedarf es noch erheblich intensiverer Bemühungen, das weiß Ackermann, der am 7. Februar 63 Jahre alt wird, nur zu gut. Bis zu seinem geplanten Abschied im Mai 2013 will er die Bank wieder richtig solide aufstellen. Dabei rückt aktuell eine weitere Baustelle in den Hintergrund: Die Frage nach seinem Nachfolger. Aktuell gelten der Inder Anshu Jain und Risikovorstand Hugo Bänziger, ein Landsmann von Ackermann, als Favoriten. Der 47jährige Jain ist Chef der Investmentbank und steht für etwa 80 Prozent des Gewinns der Bank. Der 54-jährige Bänziger kennt die Bank in- und auswendig.

Die Börse reagierte am Dienstag erstaunlich gelassen auf die Gewinnwarnung. Der Kurs legte sogar leicht zu.

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