Wirtschaft : Viva übernimmt Brainpool

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Der Musiksender Viva will mit der Übernahme des TV-Comedy-Produzenten Brainpool zum führenden "Young-Entertainment-Unternehmen Europas" aufsteigen. Die Brainpool TV AG, die Fernseh-Shows wie "TV Total" oder "Die Wochenshow" produziert, soll auf dem Wege eines Aktientauschs in die Viva-Gruppe integriert werden. Die Brainpool-Mehrheitsaktionäre, die eine Beteiligung von 64,5 Prozent halten, hätten ihre Aktien bereits im Verhältnis 2,14 : 1 in Viva-Aktien umgetauscht, teilten das am Neuen Markt gelisteten Unternehmen am Dienstag mit. Das gleiche Umtauschangebot werde den anderen Brainpool-Aktionären zwischen dem 9. November und dem 7. Dezember 2001 unterbreitet. "Bis Ende des Jahres soll der Umtausch über die Bühne gegangen sein", sagte Finanzvorstand Christian Gisy. Mitte kommenden Jahres werde Brainpool dann vom Kurszettel des Neuen Marktes gestrichen. Viva-Aktien gaben am Mittwoch zuletzt 9,5 Prozent nach, Brainpool stürzten um 5,4 Prozent ab.

Viva verspricht sich von der Brainpool-Übernahme eine gezieltere Vermarktung von Künstlern, die etwa von Viva TV gefördert werden sollen, um später bei von Brainpool TV produzierten Shows und Serien zum Einsatz zu kommen. "Wir verfahren nach dem Raab-Prinzip", sagte Gisy dem Tagesspiegel. Shows wie "TV Total" mit dem Moderator Stefan Raab würden weiterhin bei großen Sendern wie Pro Sieben und nicht bei Viva laufen. "Diese Produktionen sind für uns zu teuer." Der neue Konzern sei als Rechteinhaber aber an den Erträgen beteiligt. Für 2001 geht der Viva-Vorstand jetzt von einem Umsatz von 115 Millionen Euro und einem operativen Verlust (Ebit) von 29,5 Millionen Euro aus. Für 2002 wird ein Umsatz von 126,5 Millionen Euro und einen Gewinn von rund 40 Millionen Mark erwartet. "Für die Folgejahre ab 2002 gehen wir von einer Ebit-Marge von deutlich über zehn Prozent aus", erklärte Christian Gisy.

Viva-Vorstandschef Dieter Gorny rechnet nach der geplanten Übernahme von Brainpool mit Kosteneinsparungen im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Zudem könnten Produktionsstudios und -teams zusammengelegt werden. Das neue Unternehmen wird Gisy zufolge vom Mediapark Köln in den Kölner Stadtteil Mülheim umziehen.

Viva verfügt über zwei Fernsehkanäle und hat für seinen defizitären Viva 2-Sender mit AOL Time Warner einen Partner gefunden. Dem Vernehmen nach soll AOL 40 Millionen Euro für seine 49-Prozent-Beteiligung gezahlt haben. Viva 2 wird künftig nicht mehr in der Konzern-Bilanz konsolidiert und belastet damit nicht mehr das Ergebnis. Der Deal mit Brainpool habe mit der Ausgliederung von Viva 2 indes nichts zu tun, betonte Finanzvorstand Gisy. Man werde allenfalls in Zukunft gemeinsame Studiokapazitäten nutzen können. Zusammen mit AOL sollen bei Viva 2 alle digitalen Dienste der Gruppe gebündelt werden. Nach der Transaktion sollen die Medienkonzerne AOL Time Warner, Vivendi Universal und EMI den Angaben zufolge jeweils 15,2 (Vorher: 18,9) Prozent an dem neuen Konzern halten. Der Streubesitz von Viva solle sich auf rund 26 Prozent erhöhen.

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