Vom Golf nach Europa : Qatar Airways tritt Air-Berlin-Bündnis bei

Erst im Frühjahr ist Air Berlin der Oneworld-Allianz beigetreten. Jetzt wird spekuliert, ob die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft dort Partner bleiben kann - denn Großaktionär Etihad und Qatar sind nicht gerade befreundet.

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Immer besser vernetzt. Die Stewardessen von Qatar Airways sind in insgesamt 111 Maschinen unterwegs und fliegen 120 Ziele in 70 Ländern an.
Immer besser vernetzt. Die Stewardessen von Qatar Airways sind in insgesamt 111 Maschinen unterwegs und fliegen 120 Ziele in 70...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Der internationale Luftverkehrsmarkt ist über die Grenzen der drei großen Allianzen hinaus in Bewegung geraten. Qatar Airways will dem Oneworld- Bündnis beitreten. Die Ankündigung erfolgte am Montag Abend wenige Stunden nach der Bekanntgabe einer strategischen Partnerschaft von Air Berlin und ihrem Großaktionär Etihad Airways mit der Air France/KLM-Gruppe. Jetzt wird spekuliert, ob Air Berlin überhaupt Oneworld-Partner bleiben kann, denn Etihad und Qatar sind nicht gerade befreundet. Die beiden gehören neben Emirates zu den staatlichen Fluggesellschaften vom Golf, die seit Jahren die etablierten Branchengrößen aus Europa bedrängen. Qatar betreibt eine Flotte von 111 Maschinen und fliegt 120 Ziele in 70 Ländern an. Drehkreuz der Gesellschaft ist der Flughafen von Katars Hauptstadt Doha.

Air Berlin ist der von British Airways dominierten Oneworld-Allianz erst im Frühjahr beigetreten. Jetzt wurde die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft vom bündnisfreien Partner Etihad in die Partnerschaft mit Air France-KLM gedrängt; die Franzosen gehören aber zur Skyteam-Allianz. Damit nicht genug: Qatar Airways, einer der beiden Rivalen von Etihad um die Lufthoheit in der Golfregion, kündigte nun seinen Einstieg bei Oneworld an. In Doha steht ein neuer Großflughafen mit einer Jahreskapazität von 50 Millionen Passagieren kurz vor der Fertigstellung.

„Die geplante Aufnahme von Qatar Airways in die Oneworld-Allianz hat keine negativen Auswirkungen auf Air Berlin, weder auf die Mitgliedschaft in Oneworld noch auf die Partnerschaft mit Etihad Airways“, erklärte eine Firmensprecherin von Air Berlin am Dienstag auf Anfrage. Branchenkenner sehen das skeptischer. „Mit zwei Allianzen zu arbeiten, ist sehr schwierig“, sagte Johannes Braun, Luftfahrtanalyst der Commerzbank. Er hält langfristig einen Ausstieg von Air Berlin aus dem Bündnis für möglich. Etihad, mit 29 Prozent maßgeblich an der Berliner Fluggesellschaft beteiligt, hatte deren Oneworld-Mitgliedschaft bereits öffentlich als „sekundär“ bezeichnet. Für Etihad scheine vor allem das Europanetzwerk von Air Berlin interessant, was durch die Zusammenarbeit mit Air France weiter ausgebaut wird, meinte Braun. Hinzu käme, dass sich für Air Berlin die in Oneworld gesetzten Hoffnungen zumindest im Hinblick auf British Airways und das Drehkreuz London bislang nicht erfüllt hätten.

Mit Qantas hatte sich erst kürzlich ein weiteres Oneworld-Mitglied extern orientiert. Die Australier kündigten die Zusammenarbeit mit British Airways zugunsten einer Partnerschaft mit den bündnislosen Emirates (Dubai). So suchen immer mehr Airlines ihr Heil in einer Kooperation mit den finanziell gut gepolsterten Golf-Carriern. Ein Thema, dem sich auch die Lufthansa im Hinblick auf ihren bisherigen Erzfeind Emirates vielleicht nicht dauerhaft verschließen kann. Von Lufthansa war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten. Einen kurzfristigen Zugzwang sieht Analyst Braun indes nicht für den deutschen Marktführer. Air Berlin, Air France und Qantas seien ihre Kooperationen mit den Airlines vom Golf primär aus einer Position der Schwäche eingegangen, die Lufthansa befinde sich da in einer deutlich besseren Situation.

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