VW : Trotz Dieselbetrug erfolgreich

Der operative Gewinn steigt im ersten Halbjahr, aber wieder muss Geld wegen des Abgasskandals zurückgelegt werden. Manipulierte Fahrzeuge sind gefragt.

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Die VW verkaufen sich gut, sind aber bei Weitem nicht so profitabel wie die Modelle der Schwestermarke Skoda. Foto: Reuters
Die VW verkaufen sich gut, sind aber bei Weitem nicht so profitabel wie die Modelle der Schwestermarke Skoda.Foto: Reuters

Die „Dieselthematik“, wie VW den Abgasbetrug nennt, richtet offenbar weniger Schaden an als befürchtet. Das erste Halbjahr hat Europas größter Autokonzern jedenfalls gut überstanden, der operative Gewinn stieg sogar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 500 Millionen Euro auf 7,5 Milliarden Euro. Allerdings drückten Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro, der ganz überwiegende Teil davon für die „Dieselthematik“, den Gewinn erheblich, sodass nach Steuern knapp 3,5 Milliarden Euro übrig blieben. Vor einem Jahr waren es 5,6 Milliarden. In diesen Zahlen ist indes der Profit des Chinageschäfts nicht enthalten.

Der Konzern hatte im vergangenen September zugeben müssen, bei einigen Millionen Diesel-Fahrzeugen mithilfe einer speziellen Software die Abgaswerte manipuliert zu haben. Rückruf und Reparatur der betroffenen Wagen sowie Schadenersatz- und Strafzahlungen kosten nach jetzigem Stand knapp 20 Milliarden Euro.

Die Wertentwicklung der Dieselautos ist stabil

Erstaunlicherweise sind die betroffenen Fahrzeuge stark gefragt auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat ermittelt, dass im ersten Halbjahr die Verkaufszahlen von Golf und Passat mit Zwei-Liter-Dieselmotor um neun beziehungsweise 13 Prozent deutlich gestiegen sind. „Wir stellen fest, dass die Wertentwicklung dieser Fahrzeuge weiterhin stabil ist“, teilte die DAT am Donnerstag mit.

Wie teuer die Aufarbeitung des Skandals am Ende kommt, weiß trotz des jüngsten Vergleichs in den USA, der rund 15 Milliarden Dollar kostet, kein Mensch. „Um die hohen Belastungen der Dieselthematik aufzufangen, werden weiter enorme Kraftanstrengungen notwendig sein“, meinte VW-Finanzvorstand Frank Witter am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen, die er, ebenso wie Konzernchef Matthias Müller, als „solide“ qualifizierte. Der Einschätzung schloss sich Frank Schwope von der NordLB an. Der Analyst korrigierte aber seine Schätzungen für die Gesamtkosten des Dieselskandals um fünf Milliarden Euro nach oben und rechnet nun mit 25 bis 35 Milliarden Euro. Als Grund führte Schwope neue drohende Klagen von einigen US-Bundesstaaten gegen Volkswagen an.

In der VW-Kasse sind fast 29 Milliarden

Dass der Riesenkonzern den gewaltigen Schaden bewältigen kann, steht außer Frage: Die Nettoliquidität erhöhte sich in den vergangenen Monaten um einige Milliarden auf fast 29 Milliarden Euro. Und das operative Geschäft läuft alles in allem gut – Ausnahmen gibt es in einigen Märkten und bei einigen Marken. In China verkaufte der VW-Konzern im ersten Halbjahr knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge (plus 7,3 Prozent) und erwirtschaftete einen Gewinn von 2,4 (Vorjahr: 2,7) Milliarden Euro. Allerdings enden dort Steuererleichterungen für Autos Ende dieses Jahres.

Weiterhin schlecht läuft der Absatz in Nord- und Südamerika. In den USA, nach China der größte Automarkt, fiel der Absatz im ersten Halbjahr um 14,6 Prozent auf 149 000. Und in Brasilien ging es sogar um 35 Prozent auf 120 000 Einheiten nach unten. Europa dagegen ist stabil.

Das meiste Geld verdienen Porsche und Scania

Zum VW-Konzern gehören rund ein Dutzend Marken, darunter Nutzfahrzeuge (MAN und Scania), Rennwagen (Lamborghini, Bugatti), Motorräder (Ducati) und natürlich Pkw. Am profitabelsten ist die Marke Porsche mit einer Marge von 16,7 Prozent, gefolgt von Scania (9,9 Prozent), Skoda (9,6 Prozent) und Audi (8,8 Prozent). Doch auch die Kernmarke VW, das Problemkind in der Konzernfamilie, konnte sich im zweiten Quartal erholen, nachdem die Monate zuvor enttäuschend waren. Bei einem Umsatz von 53 Milliarden Euro blieb indes nur ein Gewinn von 881 Euro bei der Marke VW hängen. Auch wegen „höherer Vermarktungskosten infolge der Abgasthematik“, teilte VW mit. Der Absatz wird also mit hohen Rabatten angekurbelt.

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