Wachstum in Berlin : „Reich werden, aber sexy bleiben“

Klaus Wowereit freut sich: Berlins Wirtschaft wächst auch im nächsten Jahr stärker als der Bundesdurchschnitt. Doch mit dem Wachstum kommen auch Herausforderungen auf die Stadt zu - auf die es bisher keine Antworten gibt.

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Gründungsboom in Berlin: Auch in der Bauwirtschaft sind viele neue Firmen entstanden.
Gründungsboom in Berlin: Auch in der Bauwirtschaft sind viele neue Firmen entstanden.Foto: picture alliance / dpa

Mehr Menschen in Arbeit, mehr neue Unternehmen, mehr Einwohner: Berlin wächst und wächst und auch die Wirtschaft zieht mit. Doch steigende Mietpreise sorgen für Spannungen in der Stadt und der riesige Schuldenberg verhindert wichtige Investitionen. Das Stadtentwicklungskonzept 2030, wie das Wachstum der Stadt gestaltet werden soll, ist noch immer in Arbeit. Einer ist trotzdem optimistisch: der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Angesichts der aktuellen Konjunkturdaten hatte er auch Grund dazu. Sein Auftritt vor den Führungskräften der Stadt bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen in der Dependance der Deutschen Kreditbank – ein Heimspiel.

30000 mehr Beschäftigte als im Vorjahr

Die Berliner Wirtschaft dürfte auch 2013 stärker expandieren als im Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer Prognose des Konjunkturberichts hervor, den Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) am Mittwoch vorgelegt hat. Demnach soll das Berliner Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent steigen, also 0,7 Prozentpunkte stärker als in Deutschland insgesamt. Für 2014 sagt die Verwaltung ein Wachstum von 1,8 Prozent voraus. In ganz Deutschland könnte das Wachstum nach der Prognose des Sachverständigenrates mit 1,6 Prozent darunter liegen. Bereits im September diesen Jahres gab es in Berlin 30 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als im Vorjahr, insgesamt nun also 1,24 Millionen Menschen.

Grafik: Tsp

Obwohl der Zensus unlängst die Bevölkerungszahl Berlins nach unten korrigiert und die Stadt so 950 Millionen Euro aus dem Länderfinanzausgleich verlor, wächst Berlin weiter. Bis 2030 wird ein Zuwachs von 250 000 Menschen erwartet. Wowereit wiederholt vor den versammelten Unternehmern in der Taubenstraße seinen Traum: „Dass Berlin zum Geberland wird“, und grinst, so dass nicht ganz klar ist, ob er selbst daran glaubt oder nur ein Seitenhieb gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) austeilen will. Als tatsächliche Geberländer klagt Bayern gemeinsam mit Hessen gegen den Finanzausgleich.

Tourismus boomt

Noch ist die Attraktivität Berlins ungebrochen. Vor allem die Umsätze im Dienstleistungssektor trugen laut Senatsverwaltung zum Wirtschaftswachstum bei und lagen wieder über dem Niveau des Vorjahres. Die Tourismusbranche erwartet mit 26 Millionen Übernachtungen für 2013 erneut einen Rekordwert. Menschen und zunehmend auch Unternehmen kommen gerne nach Berlin. 32 400 Gewerbe wurden in den ersten neun Monaten 2013 neu gegründet, besonders das Baugewerbe wächst mit 7359 Neugründungen stark.

Wowereit kritisiert Gentrifizierungsgegner

Für Wowereit stellt sich damit vor allem ein Problem: „Wir wollen reich werden, aber auch sexy bleiben“, sagt er. Berlin müsse sein weltoffenes Klima kultivieren. „Wir wollen nicht nur Start-ups, sondern auch Kreative“, sagt er und meint damit, dass sich jeder Berlin leisten können soll. Die Stadtteile müssten entwickelt werden. „In Nordneukölln gibt es mittlerweile wieder Menschen, die ihre Miete selber bezahlen. Igitt, Igitt“, sagt Wowereit und kritisiert damit diejenigen, die sich gegen Veränderungen im Kiez wehren. Wohnungsbau solle deshalb ein weiterer Wachstumsmotor für die nächsten Jahre sein. Allerdings seien die Bezirke für die Ausweisung von Bauland zuständig. Grundsätzliche bekenne er sich aber zur dezentralen Struktur der Stadt.

Trotz allen Wachstums, den Investitionsstau in der Stadt kann auch Wowereit nicht kleinreden. 60 Milliarden Euro Schulden lasten auf dem Land. 500 Millionen will Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos für SPD) nun zurückzahlen. Es sei besser das Geld zu investieren, meint dagegen Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität . Im Kampf um die besten Köpfe könne Berlin sonst nicht mithalten. Wowereit bleibt aber hart. Die Haushaltskonsolidierung habe Vorrang.

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