Update

Warnstreik : 90 Flüge an Berliner Airports fallen aus

Weil das Bodenpersonal in Tegel und Schönefeld die Arbeit niederlegt, gibt es weniger Starts und Landungen. Ausstände auf anderen deutschen Airports verschärfen die Lage.

von und Christa Roth, Isabelle Buckow
Eine Anzeigetafel am Flughafen Tegel: Der Warnstreik zeigt Wirkung.
Eine Anzeigetafel am Flughafen Tegel: Der Warnstreik zeigt Wirkung.Foto: dapd

Wegen des Warnstreiks an den Berliner Flughäfen sind am Dienstag 90 von rund 700 Flügen gestrichen worden. Betroffen waren vor allem Inlandsverbindungen nach Frankfurt/Main, Stuttgart, München oder Köln, wie ein Flughafen-Sprecher sagte. Außerdem gab es Verspätungen von bis zu eineinhalb Stunden.

Im Tarifkonflikt mit dem Flughafendienstleisters Globe Ground hatte die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten aufgerufen, zwischen 5.30 Uhr und 12 Uhr die Arbeit niederzulegen. Die Beeinträchtigungen können sich noch bis in den Abend hinziehen.

In Tegel bildeten sich teils lange Schlangen. Bei Air Berlin standen die Fluggäste vom Schalter bis in die Haupthalle - die Stimmung war gereizt.

Hannes Ullrich aus Steglitz wollte eigentlich nach Zürich fliegen: "Morgens um 7 Uhr habe ich meinen Flug im Internet noch eingecheckt, das ging alles. Am Flughafen habe ich dann erfahren, dass der Flug gestrichen wurde. Ich habe dann die Hotline angerufen, aber die war völlig überlastet."

In Schönefeld wurden unter anderem Flüge nach Köln/Bonn, London und Moskau gestrichen. Insgesamt sollen sich mehr als 300 Mitarbeiter an dem Streik beteiligt haben.

Wie ein Globe Ground-Mitarbeiter in Schönefeld dem "Tagesspiegel" sagte, seien zeitweise alle diensthabenden Stammmitarbeiter in Ausstand getreten - bis zu 80 Personen. Supervisoren und Leiharbeiter seien dem Streikaufruf dagegen nicht gefolgt. Hauptstandort des Streiks ist der Flughafen Tegel, streikende Mitarbeiter aus Schönefeld wurden aufgerufen, dorthin zu fahren.

Trotz der Ausfälle und Verspätungen sprach Flughafensprecher Leif Erichsen gegenüber dem "Tagesspiegel" von einer sehr ruhigen Lage an den Berliner Airports. Der Betrieb verlaufe "sehr geordnet". Viele Fluggäste hätten ihre Flüge bereits im Vorfeld umgebucht.

Zeitgleich zu den Streiks in Berlin gab es auch an anderen deutschen Flughäfen Arbeitsniederlegungen: in Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Köln-Bonn, Münster-Osnabrück und Dortmund. Damit will Verdi im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen vor der am Mittwoch beginnenden nächsten Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber ausüben.

Der Berliner Streikleiter der Gewerkschaft, Jens Gröger, sagte, Globe Ground habe bisher kein zufrieden stellendes Angebot vorgelegt, obwohl Verdi zu Zugeständnissen bereit gewesen war. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnsteigerung von 1,9 Prozent für die 1500 Beschäftigten. Bereits Anfang des Monats hatte Verdi beide Flughäfen für einige Stunden bestreikt. Damals hatte man die Arbeitsniederlegung erst eine halbe Stunde vor Beginn bekannt gegeben, damit der Arbeitgeber kein Ersatzpersonal stellen konnte.

Die bundesweite Warnstreikaktion ist für Verdi "die letzte Warnung an die Arbeitgeber sei, die Tarifverhandlungen nicht eskalieren zu lassen". In der Tarifauseinandersetzung für die rund zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen hatte die Gewerkschaft das Arbeitgeberangebot von 3,3 Prozent abgelehnt. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 200 Euro mehr im Monat.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst
Zwei streikende Mitarbeiter der Stadtreinigung halten am Donnerstag früh auf dem Gelände des Energieunternehmens N-ERGIE in Nürnberg (Mittelfranken) ein Banner. Es trägt die Aufschrift "Wenn wir nicht mehr Kohle kriegen bleibt der Müll halt einfach liegen". Kindergärten, Krankenhäuser, Gemeindeverwaltungen - in vielen Bereichen legten Beschäftigte auch in Bayern am Donnerstag die Arbeit nieder.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: dpa
08.03.2012 07:15Zwei streikende Mitarbeiter der Stadtreinigung halten am Donnerstag früh auf dem Gelände des Energieunternehmens N-ERGIE in...

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte am Wochenende Verständigungsbereitschaft signalisiert. Die Arbeitgeber seien einigungsbereit, hatte Friedrich der „Bild am Sonntag“ mit Blick auf die anstehende Verhandlungsrunde gesagt. Er hoffe, dies treffe auch für die Gewerkschaften zu. Dann sei ein „angemessener Abschluss“ möglich. (mit dapd/AFP)

Autor

32 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben