Was wird aus den Supermärkten? : Nur in Berlin war Kaiser's stark

An vielen Standorten in Berlin liegen die Läden von Kaiser’s und Edeka dicht an dicht. Auch daran ist die Kette gescheitert. Doch wie sieht die Zukunft der Märkte und der Mitarbeiter aus?

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In den zurückliegenden drei Jahren hat Kaiser’s 75 Prozent seiner Läden aufgehübscht. Zu spät, sagen die einen. Zu lange sei der Gesamteindruck der Kette schäbig gewesen.
In den zurückliegenden drei Jahren hat Kaiser’s 75 Prozent seiner Läden aufgehübscht. Zu spät, sagen die einen. Zu lange sei der...Foto: Thilo Rückeis

Tanzen könnte man in der Kaiser’s-Filiale in der Charlottenburger Knesebeckstraße, so breit sind die Gänge. Doch die Kunden lassen es lieber ruhig angehen, schlendern von einer Theke zur anderen. Hiervon ein bisschen und davon ein Scheibchen, sagen sie, drehen jede Avocado einzeln in ihrer Hand. Nach dem Einkauf kann man in der „Kaiser’s-Lounge“ im Eingangsbereich entspannen, wo das Licht gedimmt ist, man in roten Ledersesseln sitzt und aufgeschäumte Milch aus hohen Gläsern trinkt.

Aus den bodentiefen Fenstern kann man hinüber auf den Edeka-Laden blicken, grelle Beleuchtung, angeschmuddelte Aufsteller vor der Tür, die Schranke lässt Ankömmlinge in enge, verwinkelte Gassen ein. Unweigerlich empfindet man ein Gefälle zugunsten von Kaiser’s. Hinter den Kulissen ist es umgekehrt.

Kaiser’s hat eine lange Tradition in Berlin

Kaiser’s und Berlin, das ist eine lange Geschichte. Sie beginnt 1884, als die erste Niederlassung an der Spree eröffnete. Die höchste Filialdichte gab es in den Dreißigerjahren. Doch spätestens seit Bolle um die Jahrtausendwende von der Bildfläche verschwand, erst in Spar und dann in Edeka und Rewe aufging, betrachten die Berliner Kaiser’s als „ihr“ Geschäft. Dabei wurde die Kette in Nordrhein-Westfalen gegründet.

Seit Unternehmenschef Karl Erivan Haub am Dienstag angekündigt hat, sämtliche Filialen an Edeka verkaufen zu wollen, sorgt man sich in Berlin, was aus den Standorten wird. In keiner Stadt ist Kaiser’s so präsent wie hier. 120 Supermärkte der Marke gibt es in der Region. Erst vor zwei Wochen wurde der neueste in der „Mall of Berlin“ eingeweiht. Mit gedeckten Farben, Hochglanzböden, großen Lettern an der Wand. Längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr im Filialnetz des Unternehmens.

Bei Frische-Produkten konnte Kaiser’s nicht mithalten

In den zurückliegenden drei Jahren hat Kaiser’s 75 Prozent seiner Läden aufgehübscht. Zu spät, sagen die einen. Zu lange sei der Gesamteindruck der Kette schäbig gewesen. Zu hübsch, sagen die anderen. „Einige Läden wirken inzwischen so elegant, dass die Kunden ,teuer’ assoziieren“, urteilt Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail. „Kaiser’s stand ja ohnehin nie in dem Ruf, besonders billig zu sein.“

Dabei ist das Preisniveau ziemlich identisch mit dem von Edeka. Vieles ist sogar günstiger. Markenartikel wie „Philadelphia“-Frischkäse oder die „Prinzen Rolle“ kosten dauerhaft zehn Cent weniger. Auch Kaiser’s’ Billigmarke „A+P“, kurz für „attraktiv und preiswert“, kann die des Konkurrenten, „gut und günstig“, oft unterbieten. Allein bei Frische-Produkten konnte Kaiser’s seit geraumer Zeit nicht mehr mithalten, der Hundert-Gramm-Preis für den abgepackten Bio-Salami-Aufschnitt beträgt 3,11 Euro gegenüber 2,49 Euro bei der Konkurrenz. Für das Kilo Rosenkohl zahlt man sogar 2,65 Euro anstatt 92 Cent.

In Wohngebieten war Kaiser’s stark

Das Geschäft mit Frischwaren ist ein schwieriges, weil schnelllebiges. Kaiser’s gelang es nicht, bei den Lieferanten für Milch, Käse, Gemüse und Obst dieselben Konditionen auszuhandeln wie Edeka. Das war schlecht, weil Kaiser’s genau auf diese Angebote gesetzt hatte. „Unwiderstehlich frisch“ lautet das erklärte Motto. Auch logistisch ist die tägliche Belieferung mit schnell verderblichen Waren eine Herausforderung, morgens früh soll überall alles aktuell sein, aber für die Anlieferzeiten gibt es enge Zeitfenster aus Gründen des Lärmschutzes, zumal in Wohngebieten, wo Kaiser’s traditionell stark ist. Wer alle Läden gleichzeitig erreichen will, braucht viele Transportwagen, die nachmittags ungenutzt herumstehen. Ein kostspieliges Geschäft. Ebenso wie die Öffnungszeiten bis 24 Uhr. Edeka hatte damit angefangen. „Dazu kommt der nationale Werbedruck von Konkurrenten wie Edeka und Rewe“, sagt Matthias Queck.

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