Wave-Gotik-Treffen : Dunkle Geschäfte

Modehändler verdienen Millionen mit der Schwarzen Szene. Die Anhänger feiern gerade in Leipzig beim Wave-Gotik-Treffen.

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Sehen und gesehen werden. An diesem Wochenende werden 20 000 Besucher zum 21. Wave-Gotik-Treffen erwartet.
Sehen und gesehen werden. An diesem Wochenende werden 20 000 Besucher zum 21. Wave-Gotik-Treffen erwartet.Foto: picture alliance / dpa

Eine Farbe dominiert an diesem Pfingstwochenende in Leipzig: Schwarz. Mehr als 20 000 Besucher aus der ganzen Welt erwarten die Veranstalter des 21. Wave-Gotik-Treffens, eines der größten Festivals der Schwarzen Szene. Mehr als 200 Künstler treten auf, Friedhöfe können besichtigt und – ganz wichtig – Outfits präsentiert werden. Spitzencorsagen, stachelbesetzte Gasmasken, opulente Barockkleider: Die Kleidung der Szeneanhänger ist spektakulär und individuell – doch längst nicht mehr nur selbstgemacht. Die ausgefeilten Outfits sind zum Geschäftsmodell geworden: Hunderte Onlineshops bieten von schweren Schnürstiefeln bis zum Skelett-Rucksack sämtliche Teile der Garderobe an, in jeder größeren Stadt gibt es Gothic-Läden, sogar im Berliner Shoppingcenter Alexa hat sich ein Geschäft auf die „Gothics“ spezialisiert. Mit Aderlass kommt zudem eines der größten Modelabels der Szene aus Deutschland. In mehr als 200 Läden und Onlineshops ist die Mode erhältlich, die Gründer Henning Volk und Gordon Wienkötter erzielen mit ihrer Firma nach eigenen Angaben einen sieben- bis achtstelligen Jahresumsatz.

Bildergalerie: Die schrillsten Kostüme auf dem Wave-Gotik-Treffen

Schwarz, schwärzer, Leipzig!
Züngeln mit den Untoten: Beim 21. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig küsst diese junge Frau einen ZombiekopfWeitere Bilder anzeigen
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28.05.2012 08:59Züngeln mit den Untoten: Beim 21. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig küsst diese junge Frau einen Zombiekopf

Anfang der 90er Jahre begannen Volk und Wienkötter ausgefallene Mode zu designen – von der Plüschjacke bis zur Kuhfellhose. 1998 starteten die beiden, die selbst in der Szene aktiv sind, mit Aderlass eine reine Gothic-Kollektion. „Das war erst Spaß, wir dachten nicht, dass es kommerziell interessant sein könnte“, sagt Wienkötter. „Wir wollten machen, was wir schön finden und etwas modischer war als der typische Gothic-Kram damals.“ Mit ihrer dunklen Kollektion stießen sie in eine Lücke. Aderlass entwickelte sich schnell zum Hauptgewinnbringer des Unternehmens. „Aderlass ist heute unsere wichtigste und bekannteste Marke“, sagt Wienkötter. „Wir verkaufen sie weltweit.“

Mehr als in anderen Subkulturen ist das Outfit ein zentraler Bestandteil der Schwarzen Szene. Es signalisiert Zugehörigkeit und stiftet Identität. Vor allem dient es dazu, sich von der Umwelt abzugrenzen. Viele Anhänger investieren viel Zeit in ihre Kleidung – und Geld. Die Szene entstand Anfang der 80er Jahre aus der Punk-Bewegung. Der Begriff „Gothic“ wurde erst für eine Musikrichtung verwendet, später für die Subkultur, die sich durch eine introvertierte, nachdenkliche Art und vornehmeres Auftreten von den Punks unterschied. Seit ihrem Entstehen hat sich die Szene weiterentwickelt; verschiedene Stile sind entstanden. So tragen Anhänger des Romantik-Stils statt schlichter schwarzer Kleidung möglichst originalgetreue Gewänder aus dem Barock oder Rokoko. Der Entwicklung haben sich auch Volk und Wienkötter angepasst. Neben Aderlass betreiben sie vier weitere Labels, darunter die Lackkollektion Lovesect sowie Sektor1, für die Unterströmung der Cybergoths mit ihrem futuristischen Kleidungsstil.

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