Wechsel von Air Berlin zum Flughafen : BER: Experte sieht Interessenkonflikt bei Mehdorn

Noch im November hat der Manager die Flughafengesellschaft verklagt, deren Chef er jetzt ist. Ein Wirtschaftsrechtler warnt deshalb vor "einem Gefallen auf Kosten der Steuerzahler". Aber er sieht eine Lösung.

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Alter Bekannter, neuer Posten: An diesem Montag fängt Hartmut Mehdorn beim BER an.
Alter Bekannter, neuer Posten: An diesem Montag fängt Hartmut Mehdorn beim BER an.Foto: dpa

Der Wechsel von Hartmut Mehdorn auf den Chefsessel der Berliner Flughafengesellschaft könnte für die Steuerzahler teure Nebenwirkungen haben. Hans-Peter Schwintowski, Professor für Wirtschaftsrecht an der Berliner Humboldt-Universität, hält es für möglich, dass Mehdorn als „Wolf im Schafspelz“ weiter die Interessen seines früheren Arbeitgebers Air Berlin vertritt. Die Fluggesellschaft hatte unter Mehdorns Regie im November 2012 die Flughafengesellschaft wegen der immer wieder verschobenen Eröffnung des BER verklagt.

Mehdorn hatte den Schaden für die Airline auf eine zweistellige Millionensumme beziffert. Nach seinem Seitenwechsel könnte er deren Interessen etwa in Gestalt einer großzügigen Abfindung vertreten, sagte Schwintowski dem Tagesspiegel. „Die Gefahr, dass er Air Berlin einen Gefallen tut auf Kosten der Steuerzahler, kann man nicht wegdiskutieren.“

Als Ausweg empfiehlt der Wirtschaftsrechtler, die Schadensersatzforderung und alle weiteren für Air Berlin relevanten Themen an eine externe Kanzlei auszulagern, die vom Aufsichtsrat kontrolliert wird. Diese Option sei im Aktiengesetz vorgesehen und auch auf die als GmbH – mit Berlin, Brandenburg und dem Bund als Gesellschafter – organisierte Flughafengesellschaft anwendbar.

Mehdorn hat angekündigt, mit Beginn seiner Arbeit für den BER seinen Sitz im Verwaltungsrat von Air Berlin aufzugeben. Konkurrenten der Airline sehen die Personalie, wie berichtet, positiv. Auch Schwintowski sagte: „Sowohl auf dem alten als auch auf dem neuen Posten ist er an der schnellen Eröffnung des Flughafens interessiert.“