Weltnachhaltigkeitsgipfel : Viel Prosa, wenig Substanz in Rio

20.06.2012 00:00 Uhrvon
In Gefahr. Der Amazonas-Regenwald ist eins der drei größten Ökosysteme Brasiliens. Foto: Reuters Foto: REUTERS
In Gefahr. Der Amazonas-Regenwald ist eins der drei größten Ökosysteme Brasiliens. Foto: Reuters - Foto: REUTERS

Bevor der Nachhaltigkeitsgipfel in Rio begonnen hat, legt Brasilien schon eine Abschlusserklärung vor. Die Antwort der Diplomaten auf die dramatische Krise der Weltökosysteme fällt denkbar bescheiden aus.

Der Weltgipfel Rio+20 ist vorbei. Dabei hat er noch gar nicht angefangen. Am Dienstagabend beschloss das Plenum des Weltnachhaltigkeitsgipfels das Abschlussdokument. Wenn an diesem Mittwoch die Staats- und Regierungschefs anreisen, sollen sie nur noch ihre Reden über die schwer wiegenden globalen Umwelt- und Sozialprobleme abliefern. Diskutieren sollen sie auf keinen Fall mehr. So hat es die Gipfelchoreographie der brasilianischen Gastgeber vorgesehen. Dabei herausgekommen ist ein Dokument, das den kleinsten gemeinsamen Nenner der Weltgemeinschaft beschreibt – und der ist viel kleiner als beim ersten Erdgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 ebenfalls in Rio.

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Das 49 Seiten lange Dokument enthält viel Prosa und wenig Substanz. Dem Beschluss war eine dramatische Nachtsitzung vorangegangen. Am späten Montagabend hatte die brasilianische Gipfelpräsidentschaft einen neuen Text vorgelegt und den Delegationen bedeutet, sie sollten den Entwurf jetzt beschließen und am besten kein Wort mehr darüber verlieren. Das ging den Europäern dann aber doch zu weit. Es gab klare, undiplomatische Worte und schließlich die halbe Nacht bilaterale Gespräche. Am frühen Morgen legte Brasilien erneut ein Papier vor. Alles, worüber am Montag noch gestritten worden war, hat Brasilien kurzerhand herausgestrichen.

Geblieben ist ein Papier, in dem die Versicherung, wonach die in Rio 1992 und beim Folgegipfel in Johannesburg 2002 gefassten Beschlüssen weiter gelten sollten, noch zu den weitreichendsten gehört. Dass das beschlossen werden musste, zeigt aber vor allem, dass diese Beschlüsse seit 1992 nicht umgesetzt worden sind. „Der Mangel an Umsetzung und Kontrolle sind die Hauptverantwortlichen für den Ausgang hier“, hatte die ehemalige norwegische Premierministerin Gro Harlem Brundtland schon am Tag vorher gesagt. „Wenn die Beschlüsse des Erdgipfels 1992 umgesetzt worden wären, stünden wir nicht hier.“ Damit wollte sie wohl sagen, dass die Weltgemeinschaft mit Blick auf die Umwelt kurz vor dem Abgrund steht.

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