Wenig Job-Angebote für Flüchtlinge : Dax-Konzerne haben erst 54 Flüchtlinge fest angestellt

Große Worte, nichts dahinter? Die Dax-Konzerne beschäftigen erst 54 Flüchtlinge in Festanstellung - 50 davon sind alleine bei einem einzigen Unternehmen angestellt.

Der afghanische Flüchtling Sha Kah Ahmadi (l.) und der indische Flüchtling Singh Satwinder feilen in der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Dresden (Sachen) an Metallwerkstücken. Beide sind zum Probearbeiten da, um deren Kompetenzen auszuloten.
Der afghanische Flüchtling Sha Kah Ahmadi (l.) und der indische Flüchtling Singh Satwinder feilen in der Fortbildungsakademie der...Foto: Oliver Killig/dpa

Die Erwartungen waren offenbar zu groß: Deutschlands große börsennotierte Unternehmen haben bislang laut Umfrage nur 54 Flüchtlinge fest eingestellt - 50 davon arbeiten allein bei der Deutschen Post 50. Das ergab eine Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter den 30 größten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (DAX) gut ein Dreivierteljahr nach Öffnung der Grenzen für viele Flüchtlinge.

Post auch bei Praktikumsplätzen vorne

Neben den 50 bei der Post, sind zwei weitere Flüchtlinge jeweils beim Softwarekonzern SAP angestellt und beim Pharmahersteller Merck.

Neben den Festanstellungen sind jedoch knapp 2700 zusätzlichen Praktikumsplätzen für Flüchtlinge geschaffen worden, von denen laut der Umfrage gut 500 besetzt sind. Auch hier liegt die Deutsche Post vorn: Sie bietet rund 1000 Praktikumsplätze an, jeweils ein paar hundert sind es beim Autobauer Daimler, bei ThyssenKrupp und bei BMW.

300 zusätzliche Ausbildungsplätze


Zusätzliche Ausbildungsplätze haben die Dax-Konzerne laut Umfrage etwas mehr als 300 geschaffen. Davon sei bislang aber erst ein kleiner Teil besetzt. Die Mehrheit der Unternehmen verweist laut "FAZ" auch auf Aktivitäten zur Unterstützung von Stiftungen und Verbänden, die sich um Flüchtlinge kümmern. Zahlreiche Dax-Vertreter beteiligen sich demnach am Netzwerk "Wir zusammen" im Namen der deutschen Wirtschaft.

Im vergangenen Spätsommer hatten die Unternehmen noch deutlich optimistischer geklungen, Flüchtlinge beschäftigen zu können. Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa sagte der "Bild"-Zeitung Anfang September, sein Unternehmen wolle in Flüchtlingszentren nach Arbeitskräften suchen und für den Autobauer werben. Viele Flüchtlinge seien jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. "Genau solche Leute suchen wir doch." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die DAX-Konzerne im September dazu aufgerufen, Flüchtlinge zu beschäftigen.

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Auch Mittelstand und Handwerksbetriebe leisten "Integration durch Arbeit"


Regierungssprecher Seibert betonte in Berlin, die deutsche Wirtschaft sei "viel mehr als die Dax-Konzerne". Sie und auch der Mittelstand stünden dem Ziel "Integration durch Arbeit" sehr unterstützend und positiv gegenüber. "Man kann auch viele Beispiele aus Handwerksbetrieben und aus dem Klein- und Mittelstand nehmen, wo Integration durch Arbeit schon jetzt sehr tatkräftig mit vielen Flüchtlingen geleistet wird."

Im Juni waren laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt 300 000 Menschen, die durch die aktuelle Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommen sind, arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine Verdoppelung. Derzeit gibt es laut BA einen Anstieg von 10 000 bis 15 000 arbeitslosen Flüchtlingen pro Monat, weshalb sich die Flüchtlingskrise womöglich im nächsten Jahr am Arbeitsmarkt bemerkbar machen wird.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt es derzeit zwar rund 154 000 freie Jobs für Flüchtlinge - das sind aber vor allem Jobs als Helfer, etwa im Reinigungsgewerbe, in der Verkehrs- und Logistikbranche sowie auf dem Bau. Das IAB forderte kürzlich verstärkte Anstrengungen bei der Sprachförderung, Qualifikation und Bildung von Flüchtlingen. Nur so könnten "weitere Segmente im Arbeitsmarkt mit stärkerem Arbeitskräftebedarf, höheren Löhnen und größeren Entwicklungsmöglichkeiten" erschlossen werden. sal/AFP

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