Wirtschaft : „Weniger gefährlich als Zigaretten“

Foto: promo
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Herr Henkler, wie gefährlich ist die elektronische Zigarette?

Ich halte sie für weniger gefährlich als normale Zigaretten. Da keine Verbrennung stattfindet, werden viele der krebserregenden Stoffe, die im Zigarettenrauch auftreten, vermieden. Ein wichtiger Risikofaktor ist aber das Nikotin, das als Bestandteil der Dämpfe eine Sucht auslösen kann. Weitere Gefahren könnten durch allergene Duftstoffe oder Verunreinigungen der verwendeten Chemikalien entstehen.

Was verdampft denn in E-Zigaretten?

Die Liquids enthalten überwiegend Propylenglykol und Glyzerin, die aus unserer Sicht bei kurzzeitiger Anwendung weitgehend ungefährlich sind. Propylenglykol kennen viele von der Nebelmaschine in der Disko. Allerdings enthalten einige Liquids auch Ethylenglykol, das etwa als Frostschutzmittel verwendet wird. Einige ausländische Hersteller mischen Zusatzstoffe wie Vitamine oder Appetitzügler bei, oder auch Substanzen, die wir gar nicht kennen.

Die EU-Kommission will die E-Zigarette schärfer regulieren.

Wir brauchen wie bei allen Genussmitteln einen Rechtsrahmen, der etwa Höchstgehalte für Nikotin, zulässige Verdampfungsmittel, Aromen, Zusatzstoffe, Warnhinweise und technische Parameter verbindlich regelt sowie die Überwachung sichert. Zudem gibt es die Sorge, dass E-Zigaretten nicht nur als Alternative, sondern auch als Einstieg in die Sucht genutzt werden, weil Jugendliche durch die neuen Produkte versucht sein könnten, das Rauchen auszuprobieren. Wir stimmen der Kommission darin zu, dass E-Zigaretten nur kontrolliert an den Verbraucher abgegeben werden sollten, etwa in Apotheken.

Warum?

Es ist beunruhigend, dass normale Verbraucher große Menge an Nikotin einfach in der Handtasche als Nachfüllpackungen mitführen. Das Gift kann auch über die Haut aufgenommen werden. Die üblichen Gehalte in Liquids könnten für Kinder nach Verschlucken bereits tödlich sein.

Es gab Fälle von E-Zigaretten, die explodierten oder undicht waren. Sind die Geräte sicherer geworden?

Ich sehe zwei Trends: Zum einen entwickeln die Hersteller immer ausgereiftere Produkte, die oft gar nicht mehr wie Zigaretten aussehen – mit elektronischer Anzeige des Füllstandes oder des Zugvolumens. Gleichzeitig gibt es aber einen Trend zu Einmalprodukten, den „Disposables“, die manchmal in normalen Zigarettenschachteln angeboten werden. Hier ist fraglich, ob die erforderlichen Sicherheitsstandards gewährleistet sind. Untersuchungen des BfR haben gezeigt, dass in halb leeren Kartuschen von „Disposables“ während des Dampfens krebserregende Aldehyde entstehen können.

Frank Henkler (47), Biochemiker, ist beim Bundesinstitut für

Risikobewertung

für die Einschätzung von Tabakerzeugnissen zuständig.

Mit ihm sprach

Julia Rotenberger.