Weniger Industrie : Tetra Pak will Berliner Werk schließen

In der Hauptstadt könnten 195 Jobs in der Industrie verloren gehen, wenn der Verpackungshersteller den Standort in Reinickendorf dicht macht.

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Auslaufmodell? In Deutschland sinkt der Absatz von Tetra Pak. Foto: p-a/dpa
Auslaufmodell? In Deutschland sinkt der Absatz von Tetra Pak. Foto: p-a/dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Es ist eine bittere Nachricht, für die 195 Berliner Beschäftigten der Firma Tetra Pak und für die Stadt, die um jeden Industriearbeitsplatz kämpfen muss: Ende 2013 will das Verpackungsunternehmen seinen Standort in Reinickendorf dichtmachen, alle Arbeitsplätze sollen wegfallen. Tetra Pak, das hierzulande noch eine Fertigung in Limburg unterhält, begründet die Schließungspläne mit hohen Überkapazitäten aufgrund des „äußert schwierigen Marktumfeldes“ in Deutschland. „Unverzüglich“ wolle die Geschäftsführung nun mit dem Betriebsrat des seit 1981 bestehenden Berliner Werks verhandeln.

Während das in den 50er Jahren gegründete Unternehmen weltweit immer mehr Verpackungen verkauft, ist der Absatz in Deutschland seit 2004 um 40 Prozent eingebrochen – von damals 7,5 auf nun 4,7 Milliarden Packungen pro Jahr. Die dadurch entstehenden Überkapazitäten verursachten hohe Kosten, erklärte Tetra Pak am Montag. „Wir rechnen damit, dass sich der Rückgang in den nächsten Jahren fortsetzt“, sagte Firmensprecherin Heike Schiffler. Ein Grund sei, dass die Verbraucher bei Getränken verstärkt zu PET- und anderen Kunststoffverpackungen griffen. Zudem habe sich auch der Wettbewerb bei den Kartonherstellern durch neue Konkurrenten am Markt verschärft. Daher könne Tetra Pak „nicht länger zwei Produktionswerke in Deutschland aufrechterhalten“. Warum es das Berliner Werk trifft? Der Standort sei kleiner und bei den Kapazitäten weniger flexibel als Limburg, wo zudem mehr unterschiedliche Verpackungstypen hergestellt werden könnten.

Der Betriebsrat war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Berliner Werksleiter Raul Schweinitz versprach „sozialverträgliche Lösungen“ und kündigte an, die Mitarbeiter im Falle der Schließung bei der Arbeitsplatzsuche unterstützen zu wollen. Zudem könnten sich die Beschäftigten auf offene Stellen an anderen europäischen Standorten bewerben. Allerdings sind nach Unternehmensangaben 60 Prozent der Mitarbeiter älter als 50 Jahre.

Auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer versprach Unterstützung. „Unsere Wirtschaftsförderung Berlin Partner wird sich dafür einsetzen, bei ansiedelnden Unternehmen für die gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Tetra Pak zu werben“, sagte sie. Das Unternehmen habe zudem angekündigt, die seit 2008 erhaltenen Fördermittel an das Land Berlin zurückzuzahlen. Jahel Mielke

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