Wirtschaft : Wie man ein Teamplayer wird

Selbstbeherrschung, Durchsetzungskraft, Kritikfähigkeit: Die so genannten Soft Skills sind entscheidend für den beruflichen Erfolg. Fachliteratur und Seminare helfen, die eigenen Defizite zu erkennen und seine Fähigkeiten zu trainieren.

Lara Sogorski
Soziales Miteinander. Berberaffen leben in Gruppen zusammen – und sind besonders gut darin, miteinander auszukommen, also in den Softskills. So manche Führungskraft könnte sich in bei ihnen etwas zum Thema Kommunikative Fähgkeiten abschauen. Foto: Imago
Soziales Miteinander. Berberaffen leben in Gruppen zusammen – und sind besonders gut darin, miteinander auszukommen, also in den...Foto: IMAGO

Im Bewerbungsgespräch sind sie genauso wichtig wie für die Beförderung: Die sozialen Kompetenzen, oder auch Soft Skills genannt, sind eine der wichtigsten Auswahlkritierien bei Personalentscheidungen. Fachwissen und gute Noten spielen eine wichtige Rolle. Hapert es jedoch an Pünktlichkeit, Organisationstalent oder Teamfähigkeit, kann das für Bewerber oder Mitarbeiter Endstation bedeuten. Die meisten Unternehmen geben schon in ihren Stellenausschreibungen Hinweise, auf welche Eigenschaften sie besonderen Wert legen. „Unternehmen sind eine Gruppe Menschen, die zusammenarbeiten sollen. Wir sind aber keine programmierbaren Roboter. Darum steht und fällt der persönliche und berufliche Erfolg damit gut miteinander zu können - darüber entscheiden die Soft Skills“, erklärt Axel Rittershaus, Trainer für Mitarbeiter und Führungskräfte im Bereich Soft Skills und Fachblogger zum Thema.

Wer also im Berufsleben weiter kommen will, sollte nicht nur Fachbücher wälzen, sondern auch lernen, ein Teamplayer zu sein, die eigene Zeit sinnvoll einteilen zu können oder komplexe Zusammenhänge schnell zu verstehen. In der Tat lassen sich soziale Kompetenzen trainieren. Für einige Eigenschaften wie Zeitmanagement, Teamarbeit und Rhetorik gibt es zum Beispiel ein großes Angebot von Seminaren. Diese können –sinnbildlich gesprochen – einen Freizeitjogger zwar nicht zum professioneller Marathonläufer machen. Die Verbesserungen sind bei den meisten Teilnehmern aber durchaus beachtlich, weiß Rittershaus. „Häufig sind es bestimmte Regeln und Vorgehensweisen, die den Erfolg am Ende ausmachen", sagt er. Außerdem würden viele Unternehmen als Nachweis sozialer Kompetenzen Zertifikate von entsprechenden Lehrgänge verlangen, die sie dann oft entsprechen höher bewerten würden als reine Erfahrungen.

Wie wichtig Soft Skills am Arbeitsplatz sind, belegen auch Studien immer wieder. Eine Umfrage des Business-Netzwerks Linkedin unter mehr als 7000 Berufstätigen in mehr als 15 Ländern benennt die sozialen Kompetenzen zum Beispiel als Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Dass diese Erkenntnis allerdings bei vielen, vor allem Fach- und Führungskräften, noch nicht angekomen ist, zeigt etwa die Studie „High Potentials 2011/2012“ der Personalberatung Kienbaum. Demnach kritisieren Personaler bei deutschen High Potentials vor allem ihre Selbstüberschätzung und mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik. Laut Studie sind dies die zwei ausschlaggebenden Gründe, warum Fach- und Führungskräfte, obwohl besonders begehrt, trotzdem scheitern. „Je höher es in der Hierarchie geht, desto wichtiger werden soziale Kompetenzen“, erläutert Rittershaus. Führungskräfte müssten vor allem die Potentiale ihrer Mitarbeiter erkennen, diese motivieren und fördern, sowie gut kommunizieren können. „Da ist die eigene Expertise auf dem jeweiligen Fachgebiet zweitrangig.“

Auf welche sozialen Eigenschaften es besonders ankommt, haben die Buchautoren Gabriele Peters-Kühlinger und Friedel John in ihrem Taschen-Guide „Soft Skills“ zusammengetragen. Für ihre Liste der elf wichtigsten Soft Skills haben sie rund 100 Personalverantwortliche befragt. Hier sind es Kommunikative Kompetenzen, Selbstbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, analytische Kompetenzen, Vertrauenswürdigkeit, Selbstdisziplin/ Selbstbeherrschung, Neugierde, Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Angesichts der Liste täuscht der Eindruck nicht, dass von Bewerbern und Mitarbeitern eine ganze Menge verlangt wird. Die Berliner Karriereberatungsfirma Hesse/Schrader spricht deshalb auch von der „Kunst, alles zu können“. Eine Eingrenzung auf die wichtigsten Kompetenzen lässt sich dennoch machen.

Rittershaus hebt vor allem die Teamfähigkeit heraus. Die meisten Unternehmen suchten nach Teamplayern. „Das bedeutet, dass man sich und seine Stärken gut in eine Gruppe einbringen und mit den anderen Leuten zusammenarbeiten kann.“ Gleichzeitig sollte man Diskussionen mit mehreren Teilnehmern zu Entscheidungen führen können, also so etwas wie ein inoffizieller Teamführer sein. Laut Coach sind zudem die Fähigkeit zur Selbstorganisation und Kommunikation besonders wichtig für den beruflichen Erfolg. „Viele Arbeitnehmer stehen heute permanent vor der Herausforderung, Prioritäten zu setzen. Wenn eigentlich alles höchste Priorität hat, gilt es trotzdem zu entscheiden, welche Arbeit nach hinten geschoben werden kann.“ Kommunikative Eigenschaften sind wiederum ausschlaggenbend, um sich und seinem Fachwissen auch Gehör zu verschaffen. „Für viele ist es frustrierend zu sehen, wie sich lautere Kollegen schneller auf der Karriereleiter hocharbeiten, obwohl man selbst vielleicht über das bessere Fachwissen verfügt. Wer allerdings zu still ist, wird oft übersehen.“

Wie man seine sozialen Kompetenzen verbessert? Zuerst gilt es die eigenen Defizite zu erkennen, mithilfe einer intensiven Selbstanalyse. „Nur wer sich kennt, weiß, über welche Fähigkeiten er verfügt und welche er noch braucht,“ heißt es bei Hesse/Schrader. Wer sich bei der kritischen Selbsteinschätzung helfen lassen will, bekommt dazu Beratung von Karrierecoaches. Im Gespräch und mit Tests werden Stärken und Schwächen analysiert und ein Fähigkeitsprofil erstellt. Darauf aufbauend empfiehlt es sich mithilfe von Fachbüchern ein Grundlagenwissen anzueigenen und die ersten Methoden etwa in Rheotrik oder Zeitmanagement zu lernen. In Seminaren und Weiterbildungen kann der gelernte Stoff dann in Beispielsituationen trainiert werden. Das Feedback von Trainer und Teilnehmern führt in der Regel schneller zu Fortschritten, als alleiniges Lesen und Zuhören.

Bei der Suche nach einem passenden Seminar hilft zum Beispiel die Weiterbildungsdatenbank Berlin/Brandenburg. Zum Stichwort „Zeitmanagement“ finden sich in regelmäßigen Abständen Angebote. Die Tagesveranstaltung zum Thema vom Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Berlin Ende März zum Beispiel kostet 150 Euro und kann mit Bildungprämie oder dem Bildungscheck Brandenburg finanziert werden. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet beispielsweise vom CBW College Berufliche Weiterbildung Berlin eine Abendverstaltung „Optimales Zeitmanagement und Selbstorganisation“. Der Kurs ist für zwölf Teilnehmer gedacht und läuft über elf Tage. Entsprechend viele Auswahlmöglichkeiten finden sich auch unter den Suchbegriffen "Rhetorik“, „Rhetoriktraining“ oder „Teamarbeit“. Selbst zu Themen wie „Selbstbewusstsein“ und „Konfliktfähigkeit“ gibt es spezielle Lehrgänge.

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