Wirtschaft : „Wir brauchen ein Protektorat“

Thomas Straubhaar leitet das Hamburgische Welt-Wirtschaft-Institut.
Thomas Straubhaar leitet das Hamburgische Welt-Wirtschaft-Institut.Foto: dapd

Unabhängig vom Wahlergebnis bleibt Griechenland ein „failed state“, ein gescheiterter Staat. Das bedeutet, dass es Griechenland nicht an Geld mangelt, sondern an wirkungsmächtigen staatlichen Institutionen. Daher benötigt das Land nach der Wahl vor allem institutionelle, nicht finanzielle Hilfe. Niemand weiß das besser als Deutschland mit seiner Erfahrung nach der Wiedervereinigung. Was Griechenland braucht, ist rat- und tatkräftige Unterstützung bei der Schaffung funktionsfähiger staatlicher Strukturen.

Ein gescheiterter Staat kann sich in aller Regel nicht aus eigener Kraft gegen die Profiteure des aktuellen Zustands zu einem Neuanfang zwingen. Aus diesem Grund wäre es klug, darauf hinzuarbeiten, Griechenland zu einem europäischen Protektorat zu machen. In diesem Punkt ist die EU gefordert. Sie müsste Griechenland bei einer institutionellen Modernisierung auf jeder Ebene, vor allem aber mit Verwaltungsangehörigen, Steuerfachkräften und Finanzbeamten unterstützen. Das bedarf diplomatischen Fingerspitzengefühls, um nationalen Stolz, Eitelkeiten und den Widerstand von Interessengruppen bei der Neugründung Griechenlands zu überwinden.

Thomas Straubhaar leitet das Hamburgische Welt-Wirtschaft-Institut.

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