Wirtschaft : „Wir sind definitiv kein Schnäppchen-Anbieter“

Lafayette-Chef Philippe Houzé über die Konkurrenz zu KaDeWe und Galeria Kaufhof, deutsche Konsumgewohnheiten und neue Standorte

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Monsieur Houzé, das Nobel-Kaufhaus KaDeWe hat gerade umgebaut, am Alexanderplatz eröffnet am heutigen Mittwoch die neue Galeria Kaufhof. Müssen Sie befürchten, dass Ihnen die Kunden weglaufen?

Ich hoffe nicht. Die Galeria Kaufhof zieht eher Kunden an, die Massen-Marken und Schnäppchen suchen. Die finden sie am Alexanderplatz. Kunden, die die historische Stadtmitte besuchen, werden dagegen über kurz oder lang bei uns landen. Aber der Markt ist sehr schwierig, weil die Stadt sich in den zehn Jahren, in denen wir hier sind, total verändert hat. Und jetzt wird sich die Konkurrenz für uns noch einmal erheblich verschärfen.

Treten Sie gegen die Galeria Kaufhof an?

Nicht direkt, wir sind definitiv kein Schnäppchen-Anbieter. Ich sehe uns als eine Art ethnische Marke in Berlin, schließlich sind wir Franzosen. Unser Platz ist die Nische. Wir wollen ein Fashion-Lifestyle-Store sein, ein Multi-Spezialist für internationale, große Modemarken – für Berliner und Touristen, die genau diesen französischen Modegeschmack suchen.

Das macht auch das KaDeWe – neben vielem anderen.

Das KaDeWe ist wie eine große Shopping-Mall, es bietet alles an, viele Marken, ein typischer Flagship-Store. Direkt gegen das KaDeWe können wir sowieso nicht antreten, dazu sind wir viel zu klein. Unsere einzige Chance ist es, anders zu sein.

Deutsche Konsumenten sind nicht dafür bekannt, dass sie viel Geld für schöne Dinge ausgeben. Ist das ein Problem?

Das mag für den Durchschnitt gelten. Aber die Bessersituierten unterscheiden sich nicht von denen in anderen Ländern: Sie wollen große Marken. Und Luxus. Erst fangen sie mit teuren Accessoires an und irgendwann ist dann auch die Mittelklasse soweit, die Luxusmode zu kaufen, von der sie vorher lange geträumt hat. Darauf setzen wir.

Wie unterscheiden sich Ihre französischen und Ihre deutschen Kunden?

Südeuropäer sind emotionaler, sie geben mehr Geld für Mode aus, weil das ihrem Lebensgefühl entspricht. Die Deutschen sind dagegen rationaler. Sie haben zwar viel Geld, investieren aber lieber in ihr Haus, ihr Auto und ihre Freizeit. Aber wir merken, dass sich das langsam ändert. Auch das KaDeWe hat das gemerkt, sonst hätten sie das Geschäft nicht umgebaut. Sie stellen sich darauf ein, dass immer mehr Leute aus der Mittelschicht Luxusgüter kaufen. Und auch kaufen können, weil Güter des täglichen Bedarfs immer günstiger werden.

Viele Berliner trauen sich nicht zu Lafayette, weil Sie den Ruf eines Luxusanbieters haben, oder kommen nur, um die Architektur zu bestaunen. Ist das gewollt?

Nein, so sehen wir uns nicht. Als mein Urgroßvater 1896 Lafayette in Paris gegründet hat, wollte er die Mode demokratisieren. Damals hatte jeder seinen eigenen Schneider, prêt-a-porter gab es noch nicht. Mein Urgroßvater ließ seine eigene Kollektion für die Massen schneidern und verkaufte sie in seiner Boutique. Wir sind dem Konzept treu geblieben: Wir wollen keinen Luxus verkaufen, sondern dazu beitragen, dass Luxus auch für normale Menschen bezahlbar wird.

20 Prozent der Berliner sind arbeitslos. Ist dies das richtige Publikum für ein Kaufhaus wie Lafayette?

Berlin ist eine europäische Hauptstadt. Als führender globaler Anbieter von Mode müssen wir hier auf jeden Fall präsent sein.

Also sind Sie eher aus Repräsentationsgründen als wegen des Geschäfts hier?

Nein, nicht nur. Wir glauben, dass in einer Hauptstadt auch ein Markt für den Typ von Mode ist, den wir anbieten.

Verdienen Sie vor allem mit Berlinern oder mit Touristen?

Das bleibt unser Geschäftsgeheimnis. Nur so viel: Mit den Besuchern aus osteuropäischen Ländern sind wir sehr zufrieden.

Als Sie vor zehn Jahren angefangen haben, lief das Geschäft nur schleppend. Hat sich das geändert?

Wir steigern den Umsatz in jedem Jahr um mehr als 20 Prozent, auch 2006 erwarten wir in Berlin ein zweistelliges Umsatzwachstum – trotz stärkerer Konkurrenz. In diesem Jahr werden wir von der Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr profitieren und sicher mehr verkaufen. Aber auch wegen der Fußball- WM rechnen wir mit mehr Kunden.

Planen Sie, das Geschäft zu erweitern?

Als wir vor zehn Jahren anfingen, hatten wir 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche, jetzt haben wir 8000 Quadratmeter. Das ist für den Moment eine gute Größe für Berlin. Aber es kann gut sein, dass wir mittelfristig noch größer werden.

Berlin ist bislang Ihre einzige Dépendance außerhalb Frankreichs. Planen Sie weitere Filialen im Ausland?

Wir sehen uns andere Hauptstädte an, vor allem in Osteuropa.

Und in Deutschland?

Noch nicht. Aber ich sage niemals nie.

Das Gespräch führte Maren Peters.

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