Wirtschaftskonferenz in Ägypten : Abdel Fatah al Sisi ruft, Sigmar Gabriel kommt

Ägypten wirbt bei einer der größten Wirtschaftskonferenzen in seiner jüngsten Geschichte um Investoren. Die deutsche Delegation wird von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel geleitet. Vor allem der Energiesektor soll Milliardeninvestitionen bringen.

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Die Börse in Kairo hofft auf die Konferenz am Roten Meer.
Die Börse in Kairo hofft auf die Konferenz am Roten Meer.Foto: dpa

Mehr als hundert Länder haben Delegationen in den Ferienort Scharm al Scheikh geschickt, um bei „der Wirtschaftskonferenz des Jahrhunderts“ dabei zu sein. Die ägyptische Regierung spart nicht mit Worten, um ihre Erwartungen an das anstehende Wochenende auszudrücken. Der ägyptische Präsident Abedel Fatah al Sisi rief die Welt an das Rote Meer, und die antwortete mit hochrangigen Delegationen:  Könige, Präsidenten, Großunternehmer landeten am Freitag in Ägypten. Das Land hat es dringend nötig, seit 2011 liegt die Wirtschaft am Boden. Der Export nach Deutschland brach seitdem zum Beispiel um 20 Prozent ein. Gigantische Projekte sollen nun die Wende einleiten.  

Die deutsche Delegation wird von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angeführt. Begleitet wird er von der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und von mehr als 35 Vertretern großer deutscher Unternehmen wie Thyssen Krupp, BASF, Lufthansa, Deutsche Bahn und Deutsche Post. Es winken Milliardenaufträge. 7,9 Prozent der Importe in Ägypten stammen aus Deutschland, nur China liefert mehr Produkte und  Dienstleistungen. Zwar ist der ägyptische Markt mit 90 Millionen Konsumenten groß, im Durchschnitt hat jeder ägyptische Haushalt jedoch nur rund 200 Euro im Monat zur Verfügung. Die geplanten Großprojekte sind aber vom Alltag eines Großteils der Bevölkerung teilweise weit entfernt.

Israel, Iran und Türkei nicht erwünscht

Von der Wirtschaftskonferenz ausgeladen wurden explizit Vertreter von Israel, Iran und der Türkei. Die offizielle Begründung der Regierung in Kairo lautet, dass die aktuellen Investitionen aus diesen Ländern in Ägypten zu gering seien. Doch vor allem mit der Türkei gibt es politische Streitigkeiten seit dem Militärcoup von 2013. Eine der größten Delegationen stellt allerdings Katar. Das Land unterstützte vehement den abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi und seine in Ägypten mittlerweile verbotene Muslimbruderschaft, bemüht sich aber seit einigen Monaten wieder in Kairo Fuß zu fassen.  

Präsident Sisi hat gerufen.
Präsident Sisi hat gerufen.Foto: dpa

Ausschreibungen werden vor allem im Bausektor erwartet. So soll die teils dünn besiedelte ägyptische Mittelmeerküste für den Massentourismus weiter ausgebaut werden. Der Suez-Kanal soll für den internationalen Schiffsverkehr verbreitert werden: ein Jahrhundertprojekt. Auf dem Sinai wird eine Sonderwirtschaftszone geplant, mit niedrigen Zinsen, idealen Produktionsbedingungen und direkter Anbindung an den Kanal.

Das lukrativste Investitionsfeld ist der Energiemarkt am Nil. Die Ägypter leiden unter einer Energiekrise, die das Land schon seit Jahren im Dunkeln sitzen lässt. Regelmäßig fällt der Strom in weiten Teilen Ägyptens aus. Das ist nicht nur unangenehm, das macht die ägyptische Produktion weniger wettbewerbsfähig. Zum Auftakt verkündete die Regierung in Kairo einen Deal mit dem britischen Energieriesen BP. Das „West Nile Delta Projekt“ hat ein geschätztes Investitionsvolumen von zwölf Milliarden Dollar und soll neue Gasfelder westlich vom Nildelta erschließen.  

Die Kaufkraft der meisten Ägypter ist niedrig.
Die Kaufkraft der meisten Ägypter ist niedrig.Foto: dpa

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