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Wüstenstromprojekt Desertec : China steigt offenbar in Wüstenstromprojekt Desertec ein

Offenbar will Chinas größter Stromnetzbetreiber in das Wüstenstromprojekt Desertec einsteigen. Der Plan ist, dass Europa künftig einen Teil seines Stroms emissionsfrei in den Wüsten Nordafrikas gewinnen kann. Erst Ende 2012 musste das Wüstenstromprojekt Rückschläge hinnehmen, etwa Siemens und Bosch als Unterstützer ausstiegen.

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Das Wüstenstromprojekt Desertec: Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas.
Das Wüstenstromprojekt Desertec: Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen...Foto: dpa

Der größte chinesische Stromnetzbetreiber State Grid Corporation of China (SGCC) steht offenbar kurz vor dem Einstieg bei dem Wüstenstromprojekt Desertec. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Kreisen der Desertec Industrial Intitiative (Dii). Auf der am kommenden Mittwoch stattfindenden Gesellschafterversammlung steht die Aufnahme von SGCC auf der Tagesordnung. Zu den Mitgliedern zählen Konzerne wie Eon, RWE und Deutsche Bank. Die Verhandlungen seien erfolgreich verlaufen, hieß es.

Zuletzt war es etwas still geworden um das Wüstenstromprojekt Desertec – zumindest gemessen an der Aufmerksamkeit, die die Desertec-Stiftung erregte, als sie im Sommer 2009 mit einigen der größten Industriekonzernen Europas ein Konsortium gründete, die Desertec Industrial Initiative (Dii). Das gemeinsame Ziel klang spektakulär: Die Unternehmen wollten darauf hinarbeiten, dass im Jahr 2050 in den Wüsten Nordafrikas so viel Grünstrom erzeugt wird, dass nicht nur die Länder ihren Eigenbedarf decken können, sondern auch bis zu 15 bis 20 Prozent des EU-Bedarfs. Die gigantisch große Summe von 400 Milliarden Euro sollte investiert werden – in solarthermische Kraftwerke zum Beispiel. Mithilfe der Technologie der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) sollen Strommengen möglichst verlustarm über das Mittelmeer transportiert werden.

Nun aber ist Ernüchterung eingetreten. Im November zogen sich mit den Technologiekonzernen Siemens und Bosch gleich zwei wichtige Gesellschafter aus Desertec zurück. Und jetzt kassierte Paul van Son, der Geschäftsführer der Dii, im Prinzip das Ziel, überhaupt Strom nach Europa zu liefern. Der ursprünglich definierte Fokus sei „zu eindimensional gedacht“, zitierte ihn der Energieinformationsdienst Euractiv. Nur ein Bruchteil des Wüstenstroms werde nach Europa transportiert. Die EU-Länder könnten 90 Prozent ihres Grünstrombedarfs selbst decken, teilte van Son mit.

Am kommenden Mittwoch tagen die Gesellschaftervertreter der Dii und werden wohl abschließend über die Aufnahme des größten chinesischen Stromnetzbetreibers State Grid Corporation of China (SGCC) in ihre Reihen beraten. Bei dem Konzern war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen, und auch im Gesellschafterkreis hält man sich bedeckt. Mitglieder von Desertec sind Dax-Konzerne wie Eon, RWE, Deutsche Bank und Munich Re sowie ABB (Schweiz) und Abengoa (Spanien).
Bei einem Unternehmen aus dem Gesellschafterkreis hieß es, im Prinzip seien alle Gesellschafter für den Einstieg der Chinesen. Befürchtungen, SGCC trete nur ein, um Know-how abzugreifen, seien unbegründet. Dazu müsse man sich nicht an Desertec beteiligen. Alle Gesellschafter seien sich „mehr oder weniger“ einig, dass die Chinesen eine Bereicherung seien. „Außerdem hieß es bei der Gründung 2009, dass wir offen für alle ernsthaften Interessenten sein wollen“, sagte ein Insider.

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