Wirtschaft : Yuan für Öl

China wickelt den Handel mit dem Iran in eigener Währung ab und kommt seinem Ziel näher, den Dollar als Leitwährung abzulösen.

Benedikt voigt[Peking]
Von nationalem Interesse. Wenn es nach den Chinesen geht, soll der Yuan bald den Dollar als Leitwährung ablösen. Foto: dapd
Von nationalem Interesse. Wenn es nach den Chinesen geht, soll der Yuan bald den Dollar als Leitwährung ablösen. Foto: dapdFoto: dapd

Politisch verurteilt China die Sanktionen der EU und der USA gegen den Iran, wirtschaftlich aber profitiert die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt von ihnen. Das zeigt die jüngste Vereinbarung zwischen beiden Ländern. Weil die wegen des iranischen Atomprogramms verhängten Sanktionen nicht nur den Rohölhandel, sondern auch Finanztransaktionen betreffen, zwingt China den Iran seit einigen Monaten dazu, bei Rohölverkäufen eine in diesem Geschäft ungewöhnliche Währung zu akzeptieren: den chinesischen Yuan.

Normalerweise wird Rohöl in US-Dollar gehandelt, doch der iranische Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters einen entsprechenden Bericht über den Handel in der chinesischen Währung Yuan. Der Iran exportiert 21 Prozent seines Öls nach China, weshalb dem Land aus iranischer Sicht eine Schlüsselrolle darin zukommt, ob der Iran den westlichen Sanktionen trotzen kann. Und China weiß das. Im März hatte der staatliche chinesische Ölriese „Sinopec“ trotz der bereits angekündigten Sanktionen des Westens einen neuen Rohöl-Liefervertrag mit dem Iran abgeschlossen.

Einer dieser neuen Vorteile ist die Abwicklung des Rohölgeschäfts in der Währungseinheit Yuan, die nach Informationen der „Financial Times“ über russische Banken stattfindet. Der Iran wiederum benutzt den Yuan, um chinesische Güter oder Dienstleistungen zu bezahlen. China erhält dadurch mehrere Vorteile. Es wälzt das Wechselkursrisiko auf seinen Handelspartner ab und muss keine Währungsreserven in Dollar bereithalten. Vor allem aber rückt China seinem großen währungspolitischen Ziel ein Stück näher: Den Yuan zu einer internationalen Währung zu machen.

Bisher wird der größte Teil des Welthandels in Dollar abgewickelt, doch China will seit längerem den Yuan als alternative Leitwährung etablieren. Im ersten Halbjahr 2011 lag die weltweite Summe des internationalen Handels in Yuan bei 112 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 1300 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist. Dabei gilt Hongkong als wichtigster Standort für die chinesischen „Offshore“-Geschäfte.

Dort werden nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zehn Prozent aller Guthaben in Yuan geführt. 2011 hat sich in Hongkong der Handel mit Yuan-Anleihen verdreifacht, mehr als 80 Finanzinstitutionen gaben Bonds im Gegenwert von 13 Milliarden Euro heraus. Im April meldete London seine Ambitionen an, zum größten Handelsplatz für den Yuan außerhalb Chinas zu werden. „Als das führende Finanzzentrum der Welt ist London einzigartig gut geeignet, um China bei seinem Ziel zu helfen, den internationalen Handel mit dem Yuan auszuweiten", sagte der britische Finanzminister George Osborne.

Auch strebt China die Akzeptanz von Krediten in der landeseigenen Währung in den wichtigsten Schwellenländern an. In Brasilien, Russland, Indien und Südafrika sollen Gelder der China Development Bank künftig auch in Yuan verliehen werden, die Verhandlungen darüber laufen. Die Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) überlegt gegenwärtig, ob der Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden kann. Diese IWF-Ersatzwährung setzt sich bisher aus US-Dollar, Euro, britischem Pfund und japanischem Yen zusammen.

Doch auf dem Weg zur internationalen Währung muss der Yuan weiterhin große Hindernisse überwinden. Immer noch ist die chinesische Währung nicht frei konvertierbar, auch wenn die chinesische Regierung den Schwankungsspielraum zuletzt auf ein Prozent erhöht hat. Der streng regulierte chinesische Finanzmarkt müsste endlich die von vielen Experten und zuletzt auch von der Weltbank geforderten Reformen umsetzen. Diese aber werden bislang von den mächtigen und politisch einflussreichen Staatsunternehmen verhindert.

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