Zehn Jahre Finanzkrise : Wie die IKB die Krise nach Deutschland brachte

Am 30. Juli 2007 ging die IKB pleite. Damit kam die die Finanzkrise, die in den USA begonnen hat, auch hierzulande an.

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Großes Risiko. Die IKB hat mit US-Immobilienkrediten spekuliert.
Großes Risiko. Die IKB hat mit US-Immobilienkrediten spekuliert.Foto: imago/JOKER

Es ist eine kleine Bank aus Düsseldorf, die im Sommer 2007 für Schlagzeilen sorgt: Die Deutsche Industriebank (IKB) ist eigentlich ein Finanzierer des Mittelstands. Bodenständig. Langweilig. Doch ausgerechnet die IKB hat sich in den USA verspekuliert. Über Zweckgesellschaften wie „Rhineland Funding“ hat das Institut in zweitklassige US-Immobilienkredite investiert. Subprime-Kredite nennen die Amerikaner diese Darlehen, durch die sich in den Vereinigten Staaten selbst Menschen mit geringem Einkommen und Eigenkapital ein Eigenheim leisten können. Das Problem: Nach dem Platzen der Immobilienblase fallen diese Kredite 2007 reihenweise aus. „Rhineland Funding“ gerät dadurch in die Krise, die IKB muss einspringen – kann es aber nicht. Am 30. Juli ist die IKB faktisch pleite. Das Institut muss von der staatlichen Förderbank KfW gemeinsam mit Banken, Sparkassen und Volksbanken gerettet werden. „Stupid Germans in Düsseldorf“, heißt es in den USA. Jochen Sanio, damals Chef der Finanzaufsicht Bafin, warnt: „In Deutschland droht die schlimmste Finanzkrise seit 1931.“

Dabei konnten selbst Experten bis zu diesem Sommer vor zehn Jahren mit Begriffen wie „Rhineland Funding“ oder Subprime-Krediten wenig anfangen. Er habe sich nicht vorstellen können, was sich hinter den Papieren verberge, räumt damals KfW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig ein, nachdem er an die Spitze der IKB gerückt ist. „Wir haben zum Teil drei Tage gebraucht, um die Verträge über die Verbriefungen zu analysieren und zu sehen, wo die Risiken sind.“

Der Chef hat falsche Angaben gemacht

Bräunigs Vorgänger an der Spitze der IKB, Stefan Ortseifen, hatte vorsätzlich falsche Angaben gemacht. Ende Juli muss er gehen. Später, 2010, wird er als erster und bislang einziger Krisenbanker in Deutschland rechtskräftig wegen Marktmanipulation und falscher Darstellung der Geschäftslage zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.

In den Wochen nach seinem Rauswurf wird das Ausmaß des Desasters immer größer. Erst ist von eine Milliarde Euro Verlust die Rede, dann von 2,5 Milliarden Euro. Zusammen mit den privaten Banken, den Sparkassen und Volksbanken werden mehrere Rettungspakete geschnürt. Auch der Bund und damit die Steuerzahler müssen 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Am Ende wird die IKB für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag an eine US-Finanzgesellschaft verkauft. Der Aufwand für ihre Rettung summiert sich auf rund zehn Milliarden Euro. Noch jahrelang belastet sie den Bankenrettungsfonds Soffin, erst im Herbst 2013 sind alle Hilfen getilgt.

Die IKB-Krise trifft auch die Förderbank KfW

Durch den Skandal bei der IKB muss auch die KfW 2007 und 2008 insgesamt Verluste von rund 8,8 Milliarden Euro verbuchen, Matthäus-Maier tritt zurück, Ulrich Schröder wird neuer KfW-Chef. Dass das Institut im September 2008 unmittelbar nach der Pleite der US-Investment Bank Lehman auch noch 350 Millionen Euro an das US-Institut überweist, macht das Finanzkrisen-Desaster für die KfW komplett. Sie muss sich deshalb als „dümmste Bank Deutschlands“ bezeichnen lassen.

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