Wirtschaft : „Ziemlich düster“

IWF-Chefin Lagarde fürchtet eine globale Rezession und drängt Europas Politiker zum Handeln.

„Ziemlich düster“ sieht es derzeit für die Welt aus, findet Christine Lagarde. Foto: dpa
„Ziemlich düster“ sieht es derzeit für die Welt aus, findet Christine Lagarde. Foto: dpaFoto: dpa

Washington - Mit einer eindringlichen Warnung hat IWF-Chefin Christine Lagarde zum Schulterschluss gegen eine drohende globale Wirtschaftskrise aufgerufen. „Es gibt in der Welt keine Volkswirtschaft, die immun ist gegen die Krise, die sich derzeit nicht nur entfaltet, sondern eskaliert“, sagte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. Hauptursache der globalen Gefahren seien die Probleme in der Eurozone. Lagarde verglich die Situation mit den 1930er Jahren, bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach. Während der Großen Depression hätten Rückzug, Protektionismus und Isolation die Politik bestimmt.

Die Aussichten für die Weltkonjunktur bezeichnete die aus Frankreich stammende Lagarde als „ziemlich düster“. Es bestehe fast überall auf dem Globus die Gefahr, dass sich das Wachstum verlangsame und die öffentlichen Haushalte in Schwierigkeiten gerieten. Nur in Asien und Lateinamerika sei die Lage besser. Lagarde forderte, die Wirtschaftsprobleme durch Zusammenarbeit in den Griff zu bekommen. „Es ist keine Krise, die durch eine Gruppe von Ländern gelöst wird. Sie wird hoffentlich von allen Ländern gelöst.“ Lagarde hatte bereits in der Vergangenheit mit skeptischen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. So bezifferte sie den Kapitalbedarf europäischer Banken im September auf 200 Milliarden Euro – und erntete viel Kritik dafür. Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ergab dann vergangene Woche eine Summe von 115 Milliarden.

Kurz zuvor hatte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, vor einer Kreditklemme in Europa gewarnt. Die „allgemeine Nervosität“ und die Vertrauenskrise im Bankensektor erinnerten an die Zeit nach der Lehman-Pleite, erklärte er in Berlin. Vor gut zwei Wochen hatte die OECD ihre Prognosen für die Weltwirtschaft nach unten korrigiert. Während Schwellenländer wie China immer noch auf hohe Zuwachsraten hoffen könnten, drohe in manchen Euro-Staaten eine Rezession, erklärte der Verband der Industrieländer.

IWF-Chefin Lagarde forderte die Eurozone auf, einen Weg aus der Krise zu finden. Die Lösung der Probleme müsse in Europa starten. Die Eurozone sei eine „Währungsunion, die nicht richtig in einer ökonomischen und haushaltspolitischen Union vollendet wurde, woran derzeit gearbeitet wird“, sagte sie mit Blick auf den jüngsten Euro-Gipfel, auf dem die Staaten den Aufbau einer Fiskalunion beschlossen hatten. Während die europäischen Regierungschefs ihre „gewaltigen“ Herausforderungen bewältigen, müssten auch die Finanzmärkte mehr Geduld beweisen. In Demokratien fielen wichtige Entscheidungen nicht über Nacht, „die Dinge brauchen Zeit“, sagte Lagarde.dpa

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