Zu hohe Betriebsrenten : Modellbahnbauer Fleischmann ist pleite

Modelleisenbahnen finden sich nur noch in wenigen Kinderzimmern, das Spielzeug ist out. Der 128 Jahre alte Hersteller Fleischmann hat deshalb schwere Zeiten hinter sich. Jetzt reicht es nicht einmal mehr für die Finanzierung der eigenen Betriebsrenten.

Lange Tradition. Ein Mitarbeiter des Stadtmuseums Schwabach gleist das Modell einer Lokomotive aus den dreißiger Jahren der Firma Doll & Co./Fleischmann auf.
Lange Tradition. Ein Mitarbeiter des Stadtmuseums Schwabach gleist das Modell einer Lokomotive aus den dreißiger Jahren der Firma...Foto: Daniel Karmann/dpa

Der traditionsreiche Modellbahnanbieter Fleischmann will sich mit einem Insolvenzverfahren seiner drückenden Pensionslasten entledigen. Die nach dem massiven Stellenabbau der vergangenen Jahre verbliebenen 33 Mitarbeiter könnten die Betriebsrenten von mehr als 600 früheren Beschäftigten nicht mehr schultern, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Dafür solle nun der Pensions-Sicherungs-Verein einspringen, mit dem die deutsche Wirtschaft Betriebsrentner bei Firmeninsolvenzen absichert. Das operative Geschäft laufe weiter und gebe Anlass zur Zuversicht.

Österreichischer Investor stieg 2008 ein

Fleischmann wurde 2008 von österreichischen Investoren mit der dortigen Marke Roco vereinigt. Das 128 Jahre alte Unternehmen aus Heilsbronn bei Nürnberg hat seither eine Rosskur mit dem Abbau hunderter Arbeitsplätze hinter sich. Die als Modelleisenbahn Holding firmierende Gruppe sieht sich im europäischen Markt als Nummer zwei nach dem Rivalen Märklin, dem nach der Insolvenz vor vier Jahren ein Neuanfang gelang. Roco und Fleischmann setzten 2014 mit insgesamt 750 Mitarbeitern in Österreich, Deutschland und Osteuropa gut 50 Millionen Euro um. Der Betriebsgewinn halbierte sich wegen hoher Investitionen auf 900.000 Euro.

Smartphone-Anwendungen für Fans

Weil Modelleisenbahnen im Zeitalter von Computerspielen und Internet längst nicht mehr zur Standardausstattung von Kinderzimmern und Hobbykellern gehören, kollabierten große Teile der einst florierenden Branche. Die verbliebenen Anbieter versuchen den Spagat zwischen preiswerten Spielzeugbahnen für Kinder und aufwendigen Modellen für Eisenbahnfans und reiche Sammler in aller Welt. Mittlerweile ködert die Branche ihre technikverliebte Kundschaft auch mit Anwendungen für Smartphone und Tablet, auf denen sich Lokführerstände und Stellwerke für die Modellbahnanlage simulieren lassen. rtr

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