Zukunft kostet : Digital-Strategie schmälert Springer-Gewinn

Der Medienkonzern Springer investiert ins Digitale – der Gewinn leidet. Konzernchef Döpfner sieht sich aber auf dem richtigen Weg.

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Mathias Döpfner ist optimistisch für 2014.
Mathias Döpfner ist optimistisch für 2014.Foto: dpa

Wenn er einen Schirm dabeihabe, regne es nicht, hat Mathias Döpfner mal gesagt. Als abergläubisch geltender Mensch muss der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG nun ausgerechnet für das Jahr 2013 schlechte Zahlen präsentieren. Wohl wenig tröstlich für ihn, dass diese mit Aberglaube nicht das Geringste zu tun haben. Um fast neun Prozent ging der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 454,3 Millionen Euro zurück, sagte Döpfner am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Der bereinigte Konzernüberschuss sank um elf Prozent auf 229,8 Millionen Euro. Die Gesamterlöse stiegen hingegen um 2,3 Prozent auf gut 2,8 Milliarden Euro. Döpfner gab sich trotz des Gewinnrückgangs zufrieden. Dieser sei sogar „geringer als erwartet“ ausgefallen. Er begründete ihn mit „erheblichen Investitionen in die digitale Zukunft“. 2013 sei für Springer „ein Jahr des Wandels, des Umbruchs und des Aufbruchs“ gewesen.

Im Juli hatte Springer seine Regionalzeitungen wie die „Berliner Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“ sowie die Frauen- und Programmzeitschriften an die Essener Funke-Mediengruppe für 920 Millionen Euro verkauft. Ob dieser Deal wie geplant abgeschlossen werden kann, ist jedoch weiter unklar. Das Kartellamt hat Bedenken bezüglich der TV-Zeitschriften. Es gilt als wahrscheinlich, dass Funke einen Teil der Magazine an den Klambt-Verlag weiterverkauft.

Gratisangebote sind "der völlig falsche Weg"

Während ein Teil der Printprodukte abgestoßen wurde, kaufte das Unternehmen den Nachrichtensender N 24, der künftig Welt Online und andere Marken mit Bewegtbild beliefern soll – auch, um das Bezahlangebot attraktiver zu machen. Sowohl Welt Online als auch Bild.de hat Springer teilweise kostenpflichtig gemacht. „Mit der Entwicklung sind wir sehr zufrieden“, versicherte Döpfner. Die zuletzt vorgelegten Zahlen sind allerdings bereits mehrere Monate alt. Die „Welt“ hat demnach in den ersten sechs Monaten nach Start 47 000 Abonnenten gewonnen, „Bildplus“ 152 000.

Dass Wachstum online auch mit Gratisangeboten möglich ist, hat in dieser Woche der britische „Guardian“ gezeigt, der alle seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt und seine digitalen Umsätze damit im vergangenen Jahr um 25 Prozent steigern konnte. Für Döpfner dennoch „der völlig falsche Weg“. Journalismus habe einen Wert. Sich einen unabhängigen und kritischen Journalismus zu bewahren, werde für diejenigen schwierig, die ausschließlich von Anzeigenkunden abhängig seien. „Wir werden deshalb unbeirrt an unseren Bezahlmodellen festhalten.“

Neues Wirtschaftsmagazin kommt im Mai

Das Segment Bezahlangebote, zu dem nun digitale und gedruckte Produkte wie „Welt“ und „Bild“ zählen, verbuchte 2013 einen rückläufigen Umsatz um 3,9 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro. Das Umsatzplus des Unternehmens ergab sich hingegen aus einer Erlössteigerung im Segment Rubrikenangebote – das Stellen- und Immobilienanzeigen umfasst – um 21,9 Prozent auf 402,6 Millionen Euro. Und einem Plus im Segment Vermarktungsangebote, zu dem vor allem werbefinanzierte Internetangebote wie aufeminin.com gehören. Hier wurden 716,5 Millionen Euro umgesetzt, was einem Wachstum von 8,1 Prozent entspricht.

Für 2014 erwartet Mathias Döpfner ein Plus der Gesamterlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich. Investiert werde weiter in digitale Angebote – aber auch in Print. So soll Springer an der Übernahme der „Forbes“-Gruppe interessiert sein. Fest steht bereits, dass am 2. Mai das neue Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ als Beilage der „Welt“ erscheint. Es ist der Geburtstag des Unternehmensgründers Axel Springer. Abergläubische Menschen könnten das als gutes Omen sehen.

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