Zwei neue Siegel im Handel : Welche Lebensmittel wirklich aus der Region kommen

Das "Regionalfenster" und die "Tierwohl"-Initiative: Der Einzelhandel führt zwei neue Siegel für Lebensmittel ein. Verbraucher sollen so künftig besser erkennen können, was aus der Umgebung und artgerechter Tierhaltung stammt.

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Eine Wirtschaftsinitiative soll für mehr Tierwohl sorgen. Der Spaziergang im Grünen bleibt wohl trotzdem für die meisten Schweine ein Traum.
Eine Wirtschaftsinitiative soll für mehr Tierwohl sorgen. Der Spaziergang im Grünen bleibt wohl trotzdem für die meisten Schweine...Foto: p-a/dpa

Berlin - Das Wichtigste beim Einkauf für das Mittagessen? Dass die Zutaten aus der Region kommen. Finden zumindest sechs von zehn Verbrauchern – einer Umfrage im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums zufolge. Ob das so ist, ist für Konsumenten allerdings nicht immer leicht zu durchschauen – vermeintliche Nordsee-Krabben stammen aus Indonesien, die Milch der Firma „Mark Brandenburg“ kam bis vor Kurzem aus Köln. Sicherheit für alle, die Produkte aus ihrer Nähe haben wollen, soll jetzt ein neues, bundesweit gültiges Siegel bieten. Auch Erzeugnisse artgerecht gehaltener Tiere sollen einfacher zu erkennen sein.

Bundeslandwirtschaftsminister Hans- Peter Friedrich (CSU) stellte auf der Grünen Woche das „Regionalfenster“ vor. Das rechteckige, hellblaue Logo gibt Auskunft, aus welcher Region Deutschlands die Hauptzutat stammt. Auch sogenannte „wertgebende Zutaten“ müssen aus dem Umkreis sein, wie die Erdbeeren in einem Erdbeerjoghurt, selbst wenn sie nur einen geringen Anteil am Gesamtprodukt ausmachen. Bei zusammengesetzten Produkten wird die Gesamtsumme aller regionalen Rohstoffe in Prozent angegeben.

Einige Handelsketten und auch Bundesländer führen bereits Regionalsiegel wie „Von hier“ (Brandenburg) oder „Unsere Heimat“ (Norddeutschland). Das Problem war jedoch: Die Kriterien sind nicht einheitlich. „Beim blauen Regionalfenster kann sich der Verbraucher darauf verlassen, dass er ein Produkt kauft, das dieses Etikett auch verdient“, sagte Friedrich auf der Grünen Woche. Das Siegel wurde bereits einige Monate lang getestet. Lidl startete den Verkauf kürzlich in 500 bayerischen Läden. Edeka plant die Einführung in den nächsten Wochen unter anderem für Obst, Gemüse und Eier, zunächst allerdings nur im Südwesten.

„Tierwohl“-Produkte im Berliner Handel

Bereits in Berlin und Brandenburg erhältlich sind Produkte mit dem neuen Label „Tierwohl“, zum Beispiel in 54 Reichelt- und 17 Edeka-Märkten. Das ebenfalls hellblaue Siegel geht auf eine Initiative der Wirtschaft zurück und kennzeichnet Waren, deren Erzeuger die Haltungsbedingungen von Nutztieren gegenüber den gesetzlichen Mindestanforderungen verbessert haben. Vertreter aus Handel, Fleisch- und Landwirtschaft haben sich zunächst auf zwei Regelkataloge für Schwein und Geflügel verständigt. So müssen Schweine zehn Prozent mehr Platz und Stroh oder andere Materialien zum Nestbau in ihrem Stall haben. Die teilnehmenden Händler Aldi Nord, Edeka, Kaiser’s Tengelmann, Kaufland, Lidl, Metro und Rewe verpflichten sich, den Mehraufwand der Tierhalter zu honorieren. In Brandenburg hat noch kein Bauer umgerüstet, die Produkte stammen aus Süddeutschland.

„Nach zögerlichem Start hat der Absatz Fahrt aufgenommen“, berichtet Andreas Laubig, Edeka-Sprecher für die Region Minden, zu der Berlin gehört. Neun „Tierwohl“-Produkte bietet der Händler an. „Die Testergebnisse stimmen uns zuversichtlich, dass eine Ausdehnung sinnvoll sein kann.“ Auch der Versuch mit dem Regionalfenster führte bei knapp der Hälfte der Märkte zu gesteigerten Käufen regionaler Produkte. Verbraucherschützer kritisieren aber, dass das Siegel freiwillig ist. „Hersteller, die Kunden bewusst mit Herkunftsangaben täuschen, können das auch in Zukunft ganz legal tun“, sagte Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch.

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