AhA : Warum schläft die Giraffe im Stehen?

Thomas de Padova

Giraffen fressen am liebsten junge Triebe. Sie weiden das Laubwerk nicht großflächig ab – sonst würden sich die Bäume mit Giftstoffen wehren –, sondern nehmen hier ein bisschen, da ein bisschen. Als Pflanzenfresser sind sie ihrer Größe wegen den lieben langen Tag mit Essen und Wiederkäuen beschäftigt.

Fürs Schlafen bleibt wenig Zeit. Während ein fleischfressender Löwe ab und an auf Jagd geht und den Großteil des Tages verpennt, pflückt die Giraffe von morgens bis abends Blätter von den Bäumen. Dazwischen döst sie wenige Stunden, meist im Stehen; in einen Tiefschlaf fällt sie höchstens für ein paar Minuten.

Giraffen legen sich selten hin, denn dann sind sie angreifbar und können sich kaum verteidigen. „Ihre Waffen sind die Füße“, sagt Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. „Damit können sie kräftig austeilen.“ Erst vor kurzem hat eine Giraffe in einem holländischen Zoo einem Nashorn das Schulterblatt zertrümmert.

Aus dem Liegen kommt eine ausgewachsene Giraffe nur langsam auf die Beine: Bis zu 600 Kilo müssen dabei hochgehievt werden. Nicht mal zur Geburt legt sie sich hin. Der Nachwuchs plumpst kopfüber aus zwei Metern Höhe aus dem Geburtskanal. Dann ist er allerdings selbst schon mehr als anderthalb Meter groß.

Damit der Blutdruck in dem großen Tier nicht zu sehr schwankt, hat es ein ausgefeiltes Blutversorgungsnetz. „Die Giraffe hat als einziges Tier Arterienklappen“, sagt Hildebrandt. „Wenn man ihr zum Beispiel bei einer Narkose den Kopf nicht hochbindet, kann das Blut nicht richtig zirkulieren und sie stirbt binnen weniger Minuten.“ Thomas de Padova

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