AhA : Warum verdunstet Wasser?

Auf den ersten Blick ist die Verdunstung nur eine Verflüchtigung von Wasser. Dass es dabei auch Wärme mitnimmt, sieht man nicht.

Thomas de Padova

Das Wasser im Schwimmbad ist warm, die Luft noch wärmer. Trotzdem bekommt man eine Gänsehaut, wenn man aus dem Becken steigt und sich nicht gleich abtrocknet. Sobald Wasser auf der Haut zu verdunsten beginnt, wird’s kalt.

Auf den ersten Blick ist die Verdunstung nur eine Verflüchtigung von Wasser. Nach einem sommerlichen Regenguss trocknen Straßen schnell wieder, Pfützen verschwinden, das Wasser macht sich auf und davon. Dass es dabei auch Wärme mitnimmt, sieht man nicht. Wer den Verdunstungsprozess jedoch nach dem Baden hautnah miterlebt, spürt, wie stark der eigene Körper dabei abkühlt.

Ein kleines Wassertröpfchen besteht aus Trilliarden Wassermolekülen, unvorstellbar viele Partikel schwirren darin umher. Sie ziehen sich gegenseitig an und bleiben in der Flüssigkeit beisammen. Je wärmer das Wasser ist, umso freier können sich die Moleküle bewegen. Heizt man ihnen in einem Kochtopf kräftig ein, gewinnen sie so viel Energie, dass sie als heißer Dampf entweichen.

In geringerem Maß passiert das auch bei niedrigeren Temperaturen. Dann können nur die schnellsten und heißesten Teilchen die Anziehungskräfte ihrer Nachbarn überwinden und die Flüssigkeit verlassen. Ihre Energie nehmen sie mit. Daher sinkt die Temperatur der zurückbleibenden Flüssigkeit, sie kühlt ab.

Diese Verdunstungskälte fühlen wir nach dem Baden, wenn unser Körper die verloren gegangene Wärme nachliefern muss. Beim Schwitzen setzt unser Körper die Verdunstung sogar aktiv zur Temperaturregulierung ein. Schweißdrüsen bilden einen Wasserfilm auf der Haut, der überschüssige Wärme verbraucht. Mit einem Ventilator lässt sich noch ein wenig nachhelfen, der frische Wind beschleunigt den Verdunstungsvorgang.

„Für jede Verdunstung wird Energie benötigt“, sagt Enrico Frahm, Ingenieur für Wasserwirtschaft an der Universität Rostock. Die Energie entstammt der Sonnenstrahlung oder der direkten Umgebung. Wenn zum Beispiel Pflanzen über ihre Blätter Feuchtigkeit abgegeben, entziehen sie der Luft Wärme. „Deshalb ist es im Sommer im Wald so angenehm kühl.“

In heißen Regionen der Erde kühlen Menschen ihre Getränke in Tonkrügen, durch deren feine Poren etwas Flüssigkeit verdunsten kann. So entkommen die schnellsten Flüssigkeitsmoleküle, der Rest kühlt ab. Auch eine gewöhnliche Getränkeflasche lässt sich kalt stellen, indem man sie in ein feuchtes Tuch einwickelt. Thomas de Padova

Eine Sammlung der „Aha-Kolumnen“ ist unter dem Titel „Wissenschaft im Strandkorb“ (160 Seiten, 14,90 Euro) im Piper-Verlag erschienen.

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