Wissen : Alzheimer gestoppt

Wirkstoff Bexaroten im Tierversuch erfolgreich.

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Bei Menschen mit der Alzheimer’schen Erkrankung schwindet die geistige Leistungsfähigkeit, während sich Proteinbruchstücke im Gehirn anhäufen. Dieser Prozess kann zumindest bei Mäusen auf relativ einfache Weise gestoppt werden, berichten amerikanische Neurowissenschaftler im Magazin „Science“. Indem sie den Abbau der giftigen Bruchstücke durch Gabe des Wirkstoffs Bexaroten steigerten, lösten sich die typischen Ansammlungen (Plaques) im Gehirn der Nager auf und das Verhalten der Tiere normalisierte sich wieder.

Insbesondere der Effekt auf das Verhalten habe sich extrem rasch eingestellt, schreibt die Gruppe um Gary Landreth von der Case Western Reserve University. Obwohl der Wirkstoff Bexaroten bereits für die Behandlung bestimmter Krebsformen zugelassen ist, warnt Landreth vor übereiltem Optimismus: „Wir müssen nun herausfinden, ob er eine ähnliche Wirkung auch beim Menschen entfaltet. Bei der Umsetzung unserer Grundlagenforschung in eine Therapie stehen wir noch ganz am Anfang.“

Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 0,7 Millionen Menschen an der Alzheimer-Krankheit. Ein Merkmal der Erkrankung ist die Anhäufung des Proteinbruchstücks Beta-Amyloid im Gehirn. Das kleine Molekül stört die Übertragung von Nervensignalen und führt, wenn es sich in Form der Plaques im Hirn ablagert, zum Tod der Nervenzellen.

Vor wenigen Jahren war entdeckt worden, dass das körpereigene Apolipoprotein E (ApoE) den Abbau von Beta-Amyloid begünstigt. Wie rege das zugehörige Gen abgelesen und in ApoE übersetzt wird, hängt unter anderem von dem Retinoid-X-Rezeptor ab, der wiederum durch Bexaroten aktiviert wird. Landreth und Kollegen testeten den Wirkstoff daher an Mäusen, die das menschliche Amyloid-Vorläuferprotein im Übermaß bilden und eine Form des Morbus Alzheimer entwickeln. Tatsächlich zeigten hohe Dosen die erhoffte Wirkung.

Binnen 24 Stunden nach Gabe des Wirkstoffs sank die Konzentration von gelöstem Beta-Amyloid im Hirngewebe der Mäuse um etwa 25 Prozent. Im Laufe von ein bis zwei Wochen ging auch die Zahl der Plaques um bis zu 75 Prozent zurück. Parallel dazu verbesserten sich die Leistungen der Tiere bei Tests von Riechsinn und Gedächtnis, bei einem Mäusestamm stellte sich auch der verlorene Nestbauinstinkt wieder ein.

Besonders ausgeprägt waren die Effekte bei kurzzeitiger Gabe von Bexaroten, bei mehrmonatiger Behandlung blieb die Zahl der Plaques dagegen unter dem Strich konstant. Ob das Krebsmittel Bexaroten tatsächlich einmal auch gegen die Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden kann und mit welchen Nebenwirkungen dieser Effekt erkauft werden müsste, ist allerdings noch offen. Carsten Meinke

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