Anthropozän : Fallout und Plastik markieren das Menschenzeitalter

Forscher wollen ein Erdzeitalter nach dem Menschen benennen. Aber wann soll es beginnen? Experten machen nun einen Vorschlag: der 16. Juli 1945.

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Löcher in der Erde. Tagebaue sind ein Beispiel für den massiven Eingriff des Menschen, den die Verfechter des "Anthropozäns" anführen.
Löcher in der Erde. Tagebaue sind ein Beispiel für den massiven Eingriff des Menschen, den die Verfechter des "Anthropozäns"...Foto: dpa

Der Mensch verändert die Erde so weitreichend, dass ein Erdzeitalter nach ihm benannt werden sollte, das Anthropozän. Mit dieser These erregte Nobelpreisträger Paul Crutzen vor 15 Jahren einiges Aufsehen. Viele Forscher folgen seiner Idee und fordern, dass die Internationale Stratigrafiekommission, die offiziell für die Einteilung der Erdgeschichte zuständig ist, diesen Vorschlag annehmen soll.

Ob es dazu kommt, ist fraglich - es gibt auch Widerspruch gegen das Ansinnen. Und wenn, dann dürfte es noch Jahre dauern. Weiterhin steht die Frage, wann die „Menschenzeit“ beginnen soll: Mit dem Einsatz der Landwirtschaft oder der industriellen Revolution? Oder womöglich erst in der Zukunft, wenn ungleich dramatischere Auswirkungen menschlichen Tuns erwartet werden?

Bevölkerung, Artensterben und Kohlendioxidemissionen nehmen seit den 1950ern deutlich zu

Eine Arbeitsgruppe der Stratigrafiekommission schlägt nun vor, den Beginn auf die Mitte des 20. Jahrhunderts zu legen. In dem Fachmagazin „Quaternary International“ führen sie die Gründe auf. Demnach begann zu dieser Zeit die „große Beschleunigung“, etwa der Bevölkerungszahl, des Kohlendioxidausstoßes und des Artensterbens. Auch die Herstellung von Beton, Plastik und Metall erreichte ein neues Maß, argumentieren die 26 Wissenschaftler, darunter auch der Berliner Geowissenschaftler und Direktor des geplanten Haus der Zukunft, Reinhold Leinfelder.

Um ein Erdzeitalter im Gelände fest zu machen, nutzen Geologen Marker - oft sind es bestimmte Fossilien. Auch das Anthropozän brauchte solche Merkmale, der weit verbreitet und damit gut zu finden sind. Das Team um den Hauptautor Jan Zalasiewicz von der Universität Leicester schlägt als geologische Marker einerseits atomaren Fallout vor. Dieser wurde seit dem ersten Atombombentest am 16. Juli 1945 in die Umwelt gebracht, verstärkt allerdings erst in den Fünfzigerjahren. Als weiteren Marker nennen die Forscher Plastikabfälle. Sie gelangen mit Tausenden Tonnen jährlich in die Natur und werden nur sehr langsam zersetzt.

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