Artenverlust : Schwund bei Schmetterlingen

Die bunten Tiere sind beliebt - und dank Hobby-Forschern gibt es viele Daten. Sie zeigen: Vor allem große Ackerflächen machen den Tieren zu schaffen.

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Seltener Gast. Ein Hauhechel-Bläuling an einer Roggenähre.
Seltener Gast. Ein Hauhechel-Bläuling an einer Roggenähre.Foto: dpa/Pleul

Schmetterlinge gehören zum Sommer dazu. Ihre leuchtenden Farben und der fliegende Tanz um Blüten faszinieren viele. Doch vielerorts geht die Zahl der Tiere beträchtlich zurück. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts starben allein in den Niederlanden 24 Prozent der dortigen Schmetterlingsarten aus, aus der englischen Grafschaft Suffolk verschwanden sogar 42 Prozent der Falter. Solche Verluste sind zehnmal höher als bei Blütenpflanzen oder Brutvögeln, schreibt Jeremy Thomas von der Universität Oxford im Fachmagazin „Science“.

Dabei gleichen Schmetterlinge offenbar nur der Spitze eines sprichwörtlichen Eisberges. Sie lassen sich leicht beobachten und gehören zu den Lieblings-Studienobjekten von Hobby-Forschern. Daher gibt es von Schmetterlingen viel mehr Daten als von den restlichen Insekten, obwohl sie gerade einmal zwei Prozent der rund 950 000 bekannten Insektenspezies ausmachen. Bei den anderen Arten wie zum Beispiel Bienen und Marienkäfern sieht es offensichtlich kaum besser aus. Diese Insekten wiederum sind als Bestäuber von Obst und Gemüse oder als Vertilger von Schädlingen für die Landwirtschaft sehr wichtig.

Studien in "normaler" Landschaft statt in Naturschutzgebieten

Auch Elisabeth Kühn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle stützt sich auf zahlreiche Freiwillige, die seit 2005 mindestens zehnmal im Jahr zwischen April und September auf festgelegten Strecken in Deutschland zählen, wie viele Schmetterlinge von welchen Arten dort vorkommen oder welche Arten verschwunden sind oder fehlen. „Bei diesem Tagfalter-Monitoring konzentrieren wir uns auf die normale Landschaft, während bisher viele Untersuchungen in Naturschutzgebieten angesiedelt waren“, sagt Kühn. In diesem normalen Deutschland zeigt der Trend für die 20 häufigsten Schmetterlinge eher nach unten.

Die auf Wiesen und Weiden lebende Allerweltsart Hauhechel-Bläuling zum Beispiel scheint langfristig auf dem Rückzug. Dem weit verbreiteten „Schornsteinfeger“ hingegen scheint es gut zu gehen, zeigt das deutsche Tagfalter-Monitoring. Besonders stark betroffen sind dagegen eher die Spezialisten unter den Schmetterlingen, berichtet Jeremy Thomas. Als Grund nennt er die moderne Landwirtschaft, mit der das komplizierte Leben vieler Schmetterlinge ihre Schwierigkeiten hat.

Lebensräume sind weit voneinander entfernt - kaum Austausch

80 Prozent aller Arten verlassen zum Beispiel ihr relativ kleines Heimatgebiet praktisch nie, das oft genug nur zwei, drei Hektar groß ist. Wird diese Gruppe von einer Dürre oder einem Unwetter ausgelöscht, wurde das Gebiet früher nach einiger Zeit von Artgenossen wiederentdeckt, die auf ähnlichen Arealen in der Nähe leben. Inzwischen sind die kleinen Äcker des 19. Jahrhunderts oft riesigen Schlägen gewichen, auf denen kaum ein Schmetterling lebt und die wie ein großes Meer die verbliebenen Inseln mit seltenen Schmetterlingen voneinander trennen. Wird heute eine Population ausgelöscht, schaffen die weit entfernten Nachbarn den großen Sprung einfach nicht mehr und der durchaus noch intakte Lebensraum bleibt unbesiedelt.

Obendrein ernährt sich der Nachwuchs vieler Schmetterlingsarten nur von einer einzigen oder sehr wenigen Pflanzenarten. Kommen diese in Schwierigkeiten, haben auch die Raupen nichts mehr zu fressen. Das passiert in Europa recht häufig, weil bisher traditionell genutzte Wiesen mit ihren vielen Pflanzenarten in Mähwiesen oder Äcker mit nur sehr wenigen Arten umgewandelt werden und so die Raupen und damit die gesamte Art ihre Lebensgrundlage verliert.

Um diesen Trend zu stoppen, sollte man die kleinflächige Landwirtschaft erhalten, die es zum Beispiel noch in manchen Regionen Osteuropas oder in vielen Entwicklungsländern gibt, meint Thomas. Kennt man die Bedürfnisse seltener Arten gut, können sie auch im Westen Europas mit entsprechendem Aufwand gerettet werden. Dies ist etwa bei der Rückkehr des Thymian-Ameisenbläulings in England gelungen.

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