Astronomie : Ein Komet so hell wie der Mond

Die Schweifsterne Panstarrs und Ison besuchen am 10. März und am 28. November das innere Sonnensystem. Wenn sich die Erwartungen der Astronomen erfüllen, wird Ison sogar bei Tageslicht zu sehen sein.

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Prachtexemplar. Der leuchtende Staubschweif des Kometen Hale-Bopp am 2. April 1997 am Nachthimmel über Glastonbury, Großbritannien.
Prachtexemplar. Der leuchtende Staubschweif des Kometen Hale-Bopp am 2. April 1997 am Nachthimmel über Glastonbury,...Foto: picture-alliance / dpa

In diesem Jahr steht ein außergewöhnliches Himmelsspektakel bevor: Gleich zwei große Kometen sind im Anflug auf das innere Sonnensystem. Und zumindest einer davon hat das Zeug zu einem Jahrhundertkometen. Im März besucht uns zunächst Komet Panstarrs. Am 10. März durchläuft er den sonnennächsten Punkt seiner Ellipsenbahn, in den Wochen danach sollte der Schweifstern von Mitteleuropa aus in der Abenddämmerung mit bloßem Auge erkennbar sein.

Noch weitaus spektakulärer dürfte zum Jahresende Komet Ison werden, der am 28. November das Zentralgestirn passiert. Wenn die derzeitigen Vorhersagen der Astronomen zutreffen, könnte Ison so hell wie der Vollmond werden und damit sogar am Tageshimmel sichtbar sein. Anfang Dezember erstreckt sich der Schweif des tief am westlichen Abendhimmel stehenden Kometen möglicherweise fast über ein Drittel des Himmels.

Allerdings ist bei solchen Prognosen Vorsicht geboten. Kometen sind recht launische Himmelskörper und narren die Forscher immer wieder. Auch wenn es schon vier Jahrzehnte her ist, das Beispiel des Kometen Kohoutek ist sowohl Astronomen als auch astronomisch interessierten Laien immer noch in mahnender Erinnerung. Als Jahrhundertkomet angekündigt, blieb der Schweifstern von 1973 weit hinter den von den Medien kräftig geschürten Erwartungen zurück.

Komet Panstarrs liefert gerade ein Beispiel für die Unberechenbarkeit dieser Himmelsobjekte. Im Januar zeigte er sich nur halb so hell wie ursprünglich erwartet. Geht diese Entwicklung so weiter, dann ist Panstarrs im März zwar noch mit bloßem Auge zu erkennen, aber kein auffälliges Objekt mehr. Andererseits entwickelt so mancher Komet nach seinem Vorbeiflug an der Sonne zusätzlich zu seinem Schweif aus Gas einen ausgedehnten Staubschweif. Dieser kann den kosmischen Wanderer wiederum heller erscheinen lassen als vorausgesagt.

Die Launenhaftigkeit liegt in der Natur der Kometen begründet: Sie sind keine festen felsigen Körper, sondern ein Gemisch aus Gesteinsbrocken und Staub, eingebettet in gefrorene, flüchtige Substanzen wie Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Methan. Der eigentliche Himmelskörper, von den Astronomen als Kern des Kometen bezeichnet, ist nur wenige Kilometer groß.

Bei Annäherung an die Sonne verdampfen die flüchtigen Bestandteile und reißen dabei auch Staubpartikel mit sich. Es bildet sich eine Hülle aus Gas und Staub, die typischerweise 100 000 Kilometer durchmessende Koma. Durch den Druck der Sonnenstrahlung und des Sonnenwinds bildet sich schließlich der eindrucksvollste Teil des Kometen, der Schweif, der zehn bis 100 Millionen Kilometer lang werden kann.

Wie viel Gas und Staub ein Komet freisetzt, hängt von der Beschaffenheit seiner Oberfläche ab. Früher galten Kometen als schmutzige Schneebälle. Dieses Bild eines überwiegend aus gefrorenem Material bestehenden Körpers, in den vergleichsweise wenig feste Bestandteile eingebettet sind, mussten die Astronomen 2005 korrigieren. Damals feuerte die Sonde „Deep Impact“ ein 370 Kilogramm schweres Projektil auf den Kern des Kometen Tempel 1. Das beim Einschlag herausgeschleuderte Material zeigte, dass der äußere Bereich des Kerns eher ein eisiger Schmutzball ist. Staub und Gesteinsbrocken dominierten über flüchtigen, gefrorenen Substanzen.

Bereits 1986 hatte die europäische Sonde „Giotto“ bei ihrem Vorbeiflug am berühmten Halleyschen Kometen gezeigt, dass die Oberfläche seines Kerns von einer dunklen Kruste überzogen ist. Mit einem Reflexionsvermögen von vier Prozent ist die Kruste sogar dunkler als Asphalt. Nur in wenigen Gebieten strömte Gas aus dem Inneren des Himmelskörpers ins Weltall.

Stippvisite vom äußersten Rand des Sonnensystems

Wie aktiv ein Komet ist, hängt also vermutlich von der Dicke und Stabilität seiner Kruste ab. Und dies wiederum davon, wie oft der Komet schon an der Sonne vorübergeflogen ist. Panstarrs und Ison sind vermutlich Kometen, die das erste Mal aus den äußersten Regionen in das innere Sonnensystem eindringen. Solche „neuen“ Kometen produzieren oft besonders große Schweife.

Neu sind diese Himmelskörper aber nur im inneren Sonnensystem. Tatsächlich sind sie uralt, Überreste aus der Entstehungsphase des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren. Das macht sie für die Himmelsforscher so interessant, bieten sie doch einen Einblick in diese kosmische Epoche.

Die Astronomen vermuten, dass das Sonnensystem weit außerhalb der Planetenbahnen von einer mehrere Milliarden Kometen enthaltenden Schale, der Oortschen Wolke, umgeben ist. Durch ihre geringe Masse sind die kleinen Himmelskörper anfällig für Störungen ihrer Bahnen. Ab und an schwenkt deshalb ein Komet in das innere Sonnensystem ein und sorgt dort für ein Himmelsspektakel.

Keineswegs immer zur Freude der Menschen: Im Mittelalter galten Schweifsterne als Vorboten von Seuchen und Kriegen. Auch jetzt verbreiten selbst ernannte Propheten Weltuntergangsszenarios: Komet Ison sei Nibiru, ein mythischer Planet, der Ende 2013 mit der Erde kollidiere.

Tatsächlich kommt Ison dann nicht der Erde, sondern der Sonne nahe.

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