BBAW-Präsident Stock zum Plan, Schavan zu ehren : „Ich habe gebeten zu prüfen“

Die Leibniz-Medaille der BBAW für Annette Schavan? Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, erklärt in einem Brief, warum er Schavan gern mit der Medaille geehrt hätte.

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Schavan mit buntem Sakko
"Ich habe in meinem Leben niemanden getäuscht." - Annette Schavan, Botschafterin beim PapstFoto: dpa

Annette Schavan soll als Kandidatin für die Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) im Gespräch sein – in der Medaillenkommission soll es darüber zum Eklat gekommen sein. Das hatte der Tagesspiegel in der vergangenen Woche berichtet. Dazu befragt, hatte die Akademie auf die Vertraulichkeit der Vorschläge verwiesen und wollte auch die Namen der Juroren nicht bestätigen, die im Umlauf sind.

Nun reagiert Günter Stock, Präsident der BBAW, auf den Artikel. In einem Brief an den Tagesspiegel, den er, wie Stock schreibt, auch den Mitgliedern der Akademie bekannt machen will, bestätigt er, dass er Schavan gerne mit der Leibniz-Medaille ehren wollte und erklärt warum (hier der Brief im Wortlaut).

Stock betont, dass die frühere Bundesbildungsministerin, die ihren Doktortitel wegen vorsätzlicher Täuschung verloren hat, nicht für ihre wissenschaftlichen Leistungen geehrt werden sollte. Anders als die Helmholtz-Medaille werde die Leibniz-Medaille nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern „ausdrücklich und ausschließlich an einen Förderer der Wissenschaften, einen Wissenschaftsmäzen oder an einen verdienten Wissenschaftsadministrator, also Wissenschaftspolitiker/Wissenschaftsmanager“ vergeben. „Es ist richtig, dass ich die wissenschaftspolitischen Leistungen von Frau Schavan seit längerer Zeit als so wichtig erachte, dass sie für mich schon lange eine Kandidatin für die Leibniz-Medaille war“, schreibt Stock. Als Präsident gehöre er zwar nicht selbst der Medaillenkommission der Akademie an. Doch wie alle anderen Mitglieder habe er ein Vorschlagsrecht: „Obwohl ich der festen Meinung bin, dass solche Vorschläge vertraulich zu behandeln sind, möchte ich gleichwohl die Spekulation – oder sollte ich vielleicht besser sagen, den Vertraulichkeitsbruch – auflösen und gern bestätigen, dass ich in der Tat darum gebeten habe zu prüfen, ob die Akademie trotz der Diskussionen um die Dissertation von Frau Schavan, dennoch ihre Verdienste als Wissenschaftspolitikerin ehren sollte und könnte.“

Allerdings habe sich „nach einer ersten Diskussion“ abgezeichnet, „dass eine Einstimmigkeit nicht zu erreichen sein würde“. Er habe den Vorschlag darum „formell zurückgenommen“. Ob es stimmt, dass unter den Mitgliedern der Medaillenkommission Christoph Markschies, Vizepräsident der BBAW, und Joachim Sauer, Chemie-Professor und Ehemann der Bundeskanzlerin, waren, klärt Stock nicht auf.

Er schreibt weiter, es sei richtig, dass er Schavan als Festrednerin zu seinem Geburtstag eingeladen habe, weil sie sich in der EU gegen heftige Widerstände für die Geistes- und Sozialwissenschaften eingesetzt habe.

Abschließend stellt Stock fest, er habe sich „zu keinem Zeitpunkt öffentlich zur Dissertationsleistung von Frau Schavan geäußert“, „vor allem aus Respekt einer Fakultät gegenüber“. Die „Autonomie der Hochschule“ sei für ihn ein „unverzichtbares Desiderat“.


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