Berlin Science Week : Berliner Wissenschaftspreis für Schlaganfall-Forscher

Ulrich Dirnagl von der Charité erhält die Auszeichnung des Regierenden Bürgermeisters. Der Nachwuchspreis geht an den HU-Informatiker Matthias Weidlich.

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Ulrich Dirnagl, Neurologe an der Charité, erhält den Berliner Wissenschaftspreis 2016.
Ulrich Dirnagl, Neurologe an der Charité, erhält den Berliner Wissenschaftspreis 2016.Foto: Promo/Peter Himsel

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Je schneller das Gehirn wieder mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird, umso besser. Wie es überhaupt zu Schlaganfällen kommt, wie sie rasch erkannt und behandelt werden – das erforscht Ulrich Dirnagl von der Berliner Charité. Für seine Arbeiten erhielt er am Montag den Berliner Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters. Die Auszeichnung ist mit 40 000 Euro dotiert.

Dirnagl, 56, kam vor mehr als 20 Jahren von München nach Berlin. Heute ist er Direktor des Centrums für Schlaganfallforschung der Charité. Seine Arbeitsgruppe interessiert sich besonders dafür, wie bei der Volkskrankheit Schlaganfall mangelnde Durchblutung zum Untergang von Nervenzellen führt, wie man dies mit moderner Bildgebung erkennen kann und welche Mechanismen davor schützen. Mit der Suche nach neuen Therapieprinzipien soll eine Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Neurologie geschlagen werden.

Als Jugendlicher übte die Blutentnahme bei Verwandten

Zudem beschäftigt sich der Neurologe mit der Entstehung bestimmter Formen der Demenz. Mittlerweile ist klar, dass bei diesen schweren Störungen von Gedächtnis und Denken häufig nicht die für Alzheimer typischen Veränderungen, sondern Durchblutungsprobleme entscheidend sind. Oft kommen Veränderungen in den Zellen gemeinsam mit Durchblutungsstörungen vor. Auch die rein vaskuläre (gefäßbedingte) Form der Demenz ist aber nicht selten. Für die Forschung ergeben sich hier gewissermaßen „fließende“ Übergänge zu den Problemen mit Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns beim Schlaganfall.

Dass Dirnagl, der sich schon als Jugendlicher bei seiner Verwandtschaft im Blutabnehmen übte, einmal Arzt werden wollte, war früh klar. Zur Neurologie haben ihn dann eher Zufälle geführt, wie er im Gespräch mit dem Tagesspiegel berichtet. Er habe sich auch für andere Fachgebiete erwärmen können. „Wenn mich etwas fasziniert, dann das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Organe, das am Ende den Menschen ausmacht.“

Qualitätssicherung in der Forschung

Es passt also gut, dass Dirnagl und seine Arbeitsgruppe sich auch dafür interessieren, was bei und nach einem Schlaganfall in anderen Teilen des Körpers geschieht. „Das wurde bisher von der Forschung vernachlässigt“, moniert er. Bis hin zur Tatsache, dass heute die häufigste Todesursache nach einem Schlaganfall eine Lungenentzündung ist.

Darüber hinaus arbeitet Dirnagl seit Jahren daran, Qualitätsstandards für die vorklinische Forschung ein- und durchzusetzen, etwa durch die Formalisierung von Abläufen und Qualitätsmanagement. Ihn treibt die Frage um, wie man dieses zuverlässige Niveau sichern kann, ohne durch allzu viel Reglementierung die Originalität von kreativen Wissenschaftlern zu behindern. Das Preisgeld will er deshalb nicht in ein Schlaganfall-Projekt investieren. Es soll helfen, mit wissenschaftlichen Methoden die Qualität der Forschung zu überprüfen und zu verbessern.

Nachwuchspreis für HU-Informatiker Matthias Weidlich

Neben Dirnagl wurde auch der Informatiker Matthias Weidlich ausgezeichnet, mit dem Nachwuchspreis. Der gebürtige Berliner studierte und promovierte am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit formalen Methoden im Bereich der Geschäftsprozessmodellierung. Seit April 2015 leitet er das Fachgebiet „process-driven architectures“ am Institut für Informatik der HU. Er gilt als einer der führenden Nachwuchswissenschaftler im Bereich der prozessorientierten und ereignisgetriebenen Softwaresysteme. Diese ermöglichen eine Automatisierung und Steuerung von Abläufen sowie die permanente Kontrolle der Abläufe, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung. Weidlichs Forschungsgruppe entwickelte etliche Methoden für die Modellierung, Analyse und Optimierung dieser Systeme. Der Nachwuchspreis ist mit 10.000 Euro dotiert.

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